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Full text of "Otto Schneid Papers--Holograph draft of "Kapitel 5" in typescript also with holograph revisions--Schneid, Otto. (Box 31, Folders 1-9)"

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in  2014 


https://archive.org/details/ottoschneid31_1_9 


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w*p**r4-      1^  ,Ä  i^yUJ  <~6a  ^L'.JsU  ^^cty^Ux  Jlkfan**  .  ^nÄXi  4oan**Lk  (?le*MyK 


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Tor  kurzen  saß  eine  Gesellschaft  in  einem  Garten,  vm  sah  Allen  an, 
da3  sie  sich  selten  in  einer  solchen  amgebung  äufldelten.  ihr©  Kleidung 
war  hier  fremd  und  noch  fremdor  war  ihr  Benehmen,  sie  waren  nicht  in 
ihrem  ~lement» 

-vi  [fifrt  in  gehöhnt  nari,  11  A  bedjBlt«Ba<$»  m»»1  jjtfjj  ttjfcgMi  ^nn1f>fl  ^Wt< 
<*-tatopB  keine  filmen  vraiguiiMw  adt  oieh,  sind  v&n  ni-chte  gpfnlgfc,. 
haben  aber  blneü  IBElffcWEflftMgigi  p^pfcWWMfW  Ü  cfrano  trat  ein,  als  auf 
das  wimm  geschminkte,  etssas  '/erfettete  und  nicht  unintelligente 


Lcht  einer  Frau  in  mittleren  jähren  ein  bansloser  0BÜ  zu&htg« 
Ihre  zuaaminanfehrende  Abwehrbewegun^  ihre  Angst,  Üa«  Abscheu,  ihr 
unartiiailisrter  f&lferuX,  üu*e  irbitierung  Uber  die  Gleichmütigkeit 
der  Andern,  ihre@ut  und  ihr®ntsetzen  Über  de»  Ir^arL-igling,  der 
plötzlich  in  dieser  -yelt  erschien,  die  doch  nur  ihr  und  ihresgleichen 


gehörte,  diese  ziemlich  loxopliziert©  und  doch  in  weniger  als  einer 
Sekunde  erfolgende  Reaktion  vmrde  zum  Indikator  einet*  giviIJ.ac.tion 
jetzigen  zustande, 
enn  Jeniger  drastisch,  aber  im  selben  Sinne,  hätten  iTnzälilige  reagiert, 


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KB 

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und  sie  tun  es  auch,  sooft  das  Ihnen  so  v&Ttig  Entfremdete,  Natur  in 
jeder  Gestalt,  ungerufen  im  Bereich  ihres  künstlichen  Daseins  erscheint, 
schon  durch  den  bloßen  fttnweis  auf  ein  anderes  sein  empfindlich  störend, 
ja  verletzend« 

Diese  Tjeute  furchten  also  die  üatur  und  hassen  sie«  Sölten  a&r  es 
Ffcersiophobie  nennen  ?  fs  ist  schwer  zu  sagen,  ob  der  Hlfi  der  Furcht 
entstammt  oder  ob  eine  rjechselv&rkang  besteht,  pas  zeitlich  ?or  aus  gegangene 
und  die  logische  ?oraussetssung  ist  jedenfalls  die  Fremdheit,  und  diese 
£o£#e.  der  Entfernung  des  menschen  aus  seiner  ueli,  ja**  seiner  laicht  in 
eine  selbstgemachte  Scheinwelt«  säe  folgte  dem  Verlust  oder  der  Vertreibung 
der  in  ihm  anwesenden,  ihn  bewirkenden  und  in  ihm  wirkenden  Gesetzmäßigkeit 
und  der  E&etzung  vdH kör ü eher  Surrogate,  die  au  eines  ganzen  System  an- 
gewachsen sind,  ks  ist,  als  hatte  dieses  System  ein©  Alleinherrschaft 
errichtet,  um  nun  in  einer  entscheidenden  offensive  gegen  die  noch  nicht 
verdrängten  Reste/menschlichetf  TTrsprföiglichkeit  vorzugehen»  zunächst  geht 
es  um  elementare  ffaturwert©  mie  die  der  Luft  und  des  lichtes« 

tieften  Ohne  Egg*  und  Licht 

Die  ruft,  die  wir  nolens  volons  atmen,  kora~t  zwar  Immer  noch  aus  der 
Atmosphäre»  Als  deren  ?laupfclief eran tin  hat  aber  die  AteosphSrc  in  der 
Industrie  ©ine  Partnerin  von  zunehmender  Bedeutung«  Di©  Fernster  werden 
geschlossen  gehalten  und  man  atmet  drinnen  einen  luftersatz,  dessen  regulierter 
Feuchtigkeitargrad  und  dessen  wunsehgera&3e  Temperatur  Uber  die  fehlende  Frische 
und  die  saueretoff-wiappheit  glänzend  hinwegtäuschen«  Ifen  gewöhnt  sich  die 
Frischluft  einfach  ab«  ?4t  der  Erforschung  der  Foloen  befassen  sich  Spezia- 
listen, die  uns  von  der  reinen  ruft  noch  weiter  absperren,  um  zugleich  die 
von  der  Industrie  gelieferte  Sftft  weiter  zu  verbessern  und  uns  von  der 
Atmosphäre  noch  um  einen  Grad  unabhängiger  zu  machen« 

u 

Es  ist  "natürlich"  noch  viel  einfacher,  unsere  innenrSme  durch  Vorhänge 


1 


vor  dem  störenden  Sonnenlicht  zu  schützen  und  die  elektrische  Beleuchtung 
auch  am  Tage  zu  benutzen*  Gegen  die  Blässe  läßt  sich  ultraviolette  Bestrahlung 
oder  eine  der  garantiert  unschädlichen  Farben  verwenden« 

90  sind  wir  in  standig  abnehmender,  bereits  auf  ein  T&niffium  reduzierter 
Fühlung  Bit  den  Jahreszeiten,  dem  Wetter,  der  sonne,  den  Sternen«  Aber  sehen 
und  hören  wir  denn  4b  Bildfunk  nicht  genug  davon  ?  es  unterliegt  keinem  zaeifel, 
daß  air  uns  einer  Architektur  ohne  Fenster  nühera,  da  diese  schon  jetzt  ziemlich 
überflüssig  und  eher  ISstig  geworden  sind. 

Unsere  Verkehrsmittel  ergänzen  unsere  tfer  schanzung  gegen  die  w£t»  ES  ist 
nur  ein  über gangs zustand,  daß  wir  von  !?ause  in  den  wagen  und  umgekehrt  eine 
gewisse  strecke  zu  Fuß  zurücklegen  und  unsere  rosigen  mit  der  Atmosphäre  in 
Berührung  kotsnen* 

i-in  gehetzter  Flüchtling 

Diese  Flucht  ist  nicht  unsere  einzige,  denn  wir  flüchten  in  mehreren  Achtun- 
gen gleichzeitig,  vor  dem  sein  um  uns  und  vor  Um  sein  in  uns«  zugleich  verfolgen 
viir  unsere  wirklichen  odxer  vermeintlichen  2iele  mit  derselben  ?|ast  in  der 
wir  vor  *13  w%  was  uns  zu  verfolgen  scheint,  davonrennen.  Theoretisch  mueßten 
wir  viel  mehr  zeit  haben  als  unsere  v^ter,  denn  wir  besitzen  ja  die  Maschinen, 
die,  wie  man  meinen  sollte,  unsere  Arbeit  für  uns  tan.  r&r  haben  aber  v/onlger 
Zeit  als  "enschen  jemals  hatten,  denn  diejenige  zeit,  die  wir,  Schwerarbeiter 
oder  Müßiggänger,  tatsachlich  haben,  füllen  wir  mit  all  dem  aus,  an  wir  zur 
Flucht  brauchen,  oder  genauer,  die  Ausfüllung  erfolgt  nahezu  automatisch, 
fast  ohne  unser  Hinzutun,  indem  die  vielzu vielen  Füllstoffe  da  sind,  sich 
ansammeln,  einander  und  uns  stoßen  und  drängen,  ohne  daß  wir  eigentlich 
zu  sagen  wueßten,  wer  sie  gerufen  und  eingelassen  hat  und  wann  und  ^oher 
sie  gekomen  sind«  man  x.ir  sie  nach  ihren  ?}amen  frage»,  nennen  sie  sich 
Geschäfte,  Konkurrenz,  pflichten,  mteressen,  Besitz,  Gewinn,  sorgen, 
Intrigen,  Gefahren,  Konflikte,  aber  sie  tra^n  auch  schönere  liamen,  Tide 

3 


Verantwortung,  Religion,  Vaterland,  Faciüie,  Partei,  Studium,  carriore, 
geruf,  Vergnügen,  Sport,  Kunst,  Liebe»  Ganz  hastig  finden  wir  noch  zeit, 
über  Entspannung  zu  reden  und  au  lesen,  das  letztere  nach  der  soeben  rasch 
erlernten  Methode  des  schnell-lesens«  wir  sind  von  Scheden  umzingelt  und 
umlagert,  isanehe  ihrer  Gesichter  sind  uns  seit  langes  vertraut,  andere  tragen 
neu  aussehende  Basken  und  wir  erkennen  sie  nicht« 
Sein,  Haben,  raufen 

Veränderungen  in  unserer  nenkungsweise  sind  -ygebnisse  der  veränderten 
Bedingungen,  wie  vor  allem  unserer  Entfernung  von  den  (Fundlagen,  doch 
anderseits  ist  es  unser  Denken,  das  jene  schlimmen  Veränderungen  bewirkt 
oder  zumindest  widerstandslos  aulaßt.  Das  jfedius,  an  dem  wir  diese  tief- 
greifende n  vorging©  am  deutlichsten  erkennen,  ist  unser  Dasein  selbst 
und  die  Art  wie  wir  uns  Je  tat  in  ihm  verhalten« 

Haben  steht  höher  im  Kurs  als  das  Sein,  das  Kaufen  aber  gilt  mehr  als 
das  Haben«  Fabrikant  und  HBndler  haben  es  eireicht,  daß  man  es  vorsieht, 
von  ihnen  zu  kaufen,  was  man  sowieso  hat.  Gegenüber  dem  an  sich  Vorhandenen 
wird  die  besonders  erzeugte  und  mit  allen  i&tteln  so  nachdrücklich  empfohlen© 
Ware  schon  irgendwelche  Vorzüge  haben«  Der  Ankauf  ist  zunächst  der  Auo.ms 

«tu, 

über  ein  gewisses  Können  und  bietet  schon  darum  Befriedigung,  deren  Ausmab 
zur  zahl  derjenigen,  die  es  sich  leisten  können,  im  allgemeinen  in  umgekehr- 
tem Verhältnis  steht«  so  sind  wir  in  eine  gewisse  Primitivität  gesunken,  die 
ein  negatives  Vorzeichen  hat «es  ist  nicht  die  Primitivität  eines  prühzustan- 
des,  sondern  die  eines  spatzustandes« 

nach  weiten  t^wegen  sind  wir  nämlich  wieder  in  den  zustand  der  Herd© 
zurückgelangt«  rine  umfassende  Untersuchung  der  MttlsWI  jeglichen  ijandelns 
wurde  für  kein©  der  vergangenen  Geschichtsepochen  ein  so  trauriges  Ergebnis 
bringen  wie  für  unsere  zeit,  in  der  fast  alles  als  ?}aehatesung  und  .irloxng 
der  bereits  genügend  bekannten  Gesetze  der  Massenpsychologie  erklart  Vierden  kann, 


einschließlich  1er  Ambition,  originell  oder  doch  anders  zu  sein«  ifodet*  an  sich 
sind  ja  nicht  Züge  dieser  Zeit,  sondern  «ine  sozusagen  zeitlose  Eigenheit 
aller  Zeiten,  ein  stabiler  Ausdruck  flüchtiger  Gesellschaftszustande»  Aber 
die  extrem  unkritische  Art,  wie  die  Leute  in  passen  den  verschiedenen  Ver- 
lockungen, schlagvsorten,  Verhetzungen  und  Anpreisungen  folgen,  auch  den 
sinnlosesten,  verantwortungslosesten  und  unmittelbar  verhängnisvollen, 
ist  ein  offensichtliches  Merkmal  unserer  zeit, 
vas  beabsichtigt  die  Maschine  ? 

Per  abnehmenden  starke  des  Renschen  entspricht  die  zunehmende  starke 
der  ?*aschineÄ  ~aß  sie  nicht  mehr  sei  als  das  üm  und  Auf  der  eigentlichen 
Industrie,  zugleich  ihre  Sklavin  und  Beherrscherin,  ist  ein  w8rchen  aus 
uralten  Zeiten,  und  zwar  aus  den  Jahren  vor  etwa  1930,  Damals  kam  der 
technisierte  Kon3ch  aus  Fabrik  und  Geschäft  in  sein  ?-fcim,  um  einen 
freundlicheren  Ablauf  von  Vorgängen  zu  genießen,  in  dem  er  selbst  eine 
schmeichelhaftere  polle  spielte  als  die  eines  Dieners  sachlicher  und 
sachlicher  Gebilde*  seither  ist  aber  nicht  nur  das  Heim  zu  einer  kleinen 
IBWchinenhalle  geworden,  sondern  die  andern  Maschinen,  diejenigen,  auf 
die  es  ankocist,  haben  sich  zu  nie  geahnter  l'öllkotamenheit  durchgearbeitet, 
die  Grenzen  ihrer  damaligen  Impotenz  wüt  hinter  sich  gelassen  und  Gebiete 
erobert,  die  ihnen  noch  völlig  fremd  waren,  wie  Logik  und  Psychologie. 
*  ieses  letztere  Fach  ist  nun  offenbar  der  Brückenkopf,  der  den  Vorstoß  in  die 
eigentliche  &lt  des  Renschen  ermöglichen  soll,  jene  Welt,  die  für  den 
-an^-hm  M&M  noch  nicht  griMMUftM  -lanz  wie  jene  einfache  infra~ 

rote  Zelle,  die  wortlos  in  den  Makrokosmos  vorstößt  und  die  Temperatur  von 
Sc stirnon  feststellt,  ere^'on  die  ihr  artgleichen  wesenlosen   e3en  in  das 
innerste  des  Mikrokosmos  dringen,  um  dem  Rätselraten  und  der  Mystik  ein 
nde  zu  bereiten,  vorüber  sind  Jene  Zeiten,  da  der  Mensch  noch  in  ziemlich 
hochmütiger  Einseitigkeit  über  die  'Maschine  grübelte  und  an  ihrer  Verbesserung 


arbeitete.  ÜMrtfl  ist  er  eher  ihr  Objekt,  und  sie  meistert  es.  Inst 
bot  sie  Um  ihre  Pienste  an,  er  nahm  an  und  geriet  unversehens  in 
hoffnungslose  Abhängigkeit.  Weh  wagt  er  da  und  dort  mit  ihr  ssu  kon- 
kurrieren, aber  sie  macht  ja  alles  nicht  nur  billiger  und  wirksamer, 
sondern  euch  besser.      die  Konkurrenz  zv&schen  den  Tjerrensklaven  der 
??aschine  immer  brutaler  -wird,  kann  nur  sie  die  ytthrung  tibernehmen, 
weil  ohne  sie  auch  ihre  Leute  verloren  sind. 

leichteres,  freieres  Leben  TOT  einmal  ein  'dttel,  das  Glück  des 
lasnschen  mr  der  zv*eck.  roch  in  der  [ätze  des  Gefechts,  und  da  eben 
dieses  Gefecht  so  lange  dauert,  gerat  der  nicht  erfüllte  zweck  in 
Vergessenheit,  pann  ist  es,  als  ob  das  leichtere  Leben  der  zweck 
gewesen  *£Lre.  noch  an  dieses  wlodcriiolt  sich  der  Vorgang  des  Ver- 
gessens und  ver'iechsclns,  und  das  »Ittel,  das  zun  entsch«aandenen 
Zweck  führen  sollte,  spielt  selbst  dessen  verlassene  Holle. 

T'onsnnent  wider  illen 

Das  Fernsehen  nacht  uns  kurzsichtig,  ras  gilt  nicht  nur  für  die 
Schwächung  unserer  physischen  Augen,  denn  diese  unablässige  mterhaltung, 
die  aus  einer  verhängnisvollen,  sieh  selbst  nie  gleichen  fischimg 
schonungsloser  Reizungen  besteht,  verschlingt  unsere  Freizeit,  beraubt 
uns  der  eigenen  Aktivität  und  normalen  Produktivität,  erniedrigt  uns 
zu  einem  bloßen  Aufnahmsorgan,  infolge  der  üp  und.  I  suer  dieser  Auf- 
nahms,  die  uns  mit  •"indjUcken  vollstopft,  Berken  >:dr  nicht,  wie  unser 
Seelenleben  verarmt,  i«io  eben  dieses  aufnehmende  ich  dahinsclmindet. 
dir  könnten  es  merken,  wenn  uns  dieser  iMaor  spendende  und  nie  versie- 
gende Apparat  infolge  einer  panne  einmal  fehlt.  Aber  selbst  wenn  nicht 
ein  Reserve— Apparat  sofort  dessen  Platz  einniBaat,  reagieren  v&r  auf 
den  chronischen  Sadismus  des  gewohnten  Oer  Uta  einfach  oasochistisch, 
indem  -vir  ohne  die  dauernde  Verdrängung  und  Versehrung  unseres  innen- 


"Löbens  alles  schal  und  langwellig  finden«  unsere  unmeßbar  gewachsene 
Leere  tf&mt  uns  an« 

«3  vdr  außer  diesen  programen  zu  sehen  und  au  hören  bekommen, 
nehmen  »vir  als  notwendiges  tJbel  hin,  denn  schwerlich  bereitet  die 
Reklame  jemandem  das  ebenfalls  geplante  Verglühen,    s  vollzieht  sich 
aber  unbewußt  oder  halb-bewußt,  daß  wir  uns  gerade  von  dieser  uner- 
wünschten Reklame  unserer  Freiheit  berauben  und  zu  ungewollten  Tjandlun- 
gen  bewegen  lassen«  Per  Bildfunk  ist  Ja  nicht  allein«  sondern  Rundfunk 

rosse,  Plakat  und  alle  andern  Organe  der  Propaganda  wirken  zusammen« 

h 

rier  Bildfunk  ist  nur  der  stärkste  Hxponont  dieser  mc%  weil  wir  uns 
IIb  ;>-rronUbor  in  einer  besoBtei  v/ohr  losen  Btlhiitiiifl  Nrftltftfli 

r*i»  Konkurrenz,  die  im  noch  «frei«  heißt,  aber  ihre  Teilnehmer 
nicht  weniger  despotisch  gefangen  hält  als  diese  uns  in  ihren  füngen 
halten,  muß  viel,  viel,  noch  viel  mehr  produzieren  und  alles  produzierte 
losworden  und  wir  müssen  es  kaufen,  kaufen,  kaufen«  ijm  die  Reöte  unserer 
Logik  zu  schlagen,  gentigt  der  Vorkriegstyp  des  Reklanefacifflaanns  langst 
nicht  mehr«  na  wir  mit  besserer  oder  ebenso  schlechter  wäre  sovdeso 
mehr  als  reichlich  eingedeckt  sind,  kann  uns  die  Versicherung,  die 
neue  :are  sei  die  beste,  oder  noch  besser,  nicht  zu  unzweifelhaft 
«bwfUis3igen  Ankäufen  bewegen«  Da  muß  das  gesamte  diesen  der  Psychologen 
herhalten,  um  unwlierstehliche  Tricks  zu  erfinden«  wir  sollen  tief 
aufatmend  auf  das  neueste  Angebot  zufliegen,  denn  das  ist  es  endlich, 
was  wir  bisher  sehnsüchtig  erwartet  haben«  ja,  nun  ist  das  Ende  unserer 
yot  oder  aller  unsoror  nöte  gekoanon.  schon  das  bloße  ?*aterial  des  von 
je  her  erträumten,  aber  in  solcher  Völlendung  auch  in  unseren  Traumen 
nicht  geahnten  synthetischen  Teppichs  wird  alle  unsere  drückenden 
Probleme  lösen  und  seine  Farbe  garantiert  uns  ungetrübte  Seligkeit« 
AttgBsichts  der  in  den  neuen  swaugnis  verkörperten  Lebensfreude  und 


der  nun  verbürgten  paradisischen  tSunlichkeit  ist  es  also  ©ine  selbst- 
verständliche  vleinigkeit,  clie  allen  Teppiche  hinauszuwerfen.  So  nÄlssen 
vdr  es  eben  mit  allen  noch  ziemlich  neu  antobenden  ~iaren  halten,  um  für 
die  neueren  platz  zu  schaffen.  Tmreh  ein  Triumphtor  kmenen  sie  herein, 
durch  ein  etwas  bescheideneres  gelangen  sie  in  den  ip£  und  zur  ?*illabführ. 
Da  jeder  diesen  sinnlosen  Kreislauf  zur  oenUge  kennt,  riachen  die  Psycho- 
logen von  ihrer  raffinierten  Kenntnis  des  unbewußten  Gebrauch,  wie  etm 
durch  die  Bill  er,  die  fUr  den  Bruchteil  einer  Sekunde  erscheinen  und  daher 
nur  in  die  sublogisch©  iphSre  gelangen,  von  dieser  aus  sich  aber  umso 
sicherer  in  Realität  umsetzen,  wie  etwa  bei  ix>  stilistischen  Handlungen, 
und  ein  i&der stand  gar  nicht  aufkomt. 

Auf  den  entsprcichenden  flebieten  der  .'arenpiTXiuktion  Verden  Frauen  und 
Finder  zu  Bundesgenossen  gemacht,  innerhalb  der  Fardlio  wird  eine  analog 
lonkuri'enz  hervorgerufen  und  der  Sieger  bekossnt  das  seine,  dessen  er  sich 
dann  solange  erfreuen  kann,  bis  er  seiner  durch,  die  nächste  rpekung  Über- 
drüssig vdlrd  und  der  unsch,  es  loszuwerden,  stärker  wird  als  das  verlan- 
gen danach  je  gewesen  »^ar. 

Die  stärkste  aller  Tendenzen,  die  im  Dienste  dieser  den  wirklichen 
Bedarf  cA  vielfach  Übersteigenden  Überproduktion  stehen,  ist  aber  jener  von 
der  gesellschaftlichen  Ambition  angestachelte  Herdentrieb  der  gegenseitigen, 
doch  als  einseitig  ins  Bemßtoein  gelangenden  jiachahiaung.  ijan  schafft  es  an, 
;#eil  die  -Jachbam  es  schon  haben  oder  um  ihnen  zuvorzukommen,  ^ie  verhun- 
gernde und  von  den  neuesten  ^agensiodellen  aHja*hrlich  nieder  aufgelittterte 
Selbstachtung  ist  eines  der  traurigsten  Symbole  des  entisarteten  Renschen  und  einer 


In  entartendes  Gesehlechtsreesen 

?on  den  naturlichen  Gegebenheiten  iiaaar  mehr  abgeschnitten,  ttNMI  eMsss» 
»isiirn  in  iflancher  Beziehung  de  generieren,  per  verfall  und  das  gelegentliche 
v;ieiererstarken  unser  r  erotischen  Csesundheit  UJßt  sich  leicht  bis  in  die 


Antike  zurtlckvtrfolgen,  die  nicht  nur  des  mzestes,  der  Sodomie,  des 

Sadismus,  der  Prostitution  und  der  TioraosexualitSit  voll  war,  sondern 

auch  in  ihrer  mnst  da  und  dort  pornographische  Tendenzen  aufweist. 

nie  Frage,  was  diese  eigentlich  seien,  die  neuerdings  wieder  htfbsch  ^ 

aktuell  geworden  ist,rauß  endlich  theoretisch  sowohl  den  prallen  der 

MdL. 

Reaktion  als  auch  denen  des  sehnPdon  profitnachertums  entzogen  werden. 

Der  Geschlechtstrieb  des  flanschen  mit  seinen  gesamten  mentalen  Aus- 
wirkungen, vom  primitiven  rros  bis  zum  sublimen,  ist,  es  sei  zunächst 
in  einfacher  Aussage  festgestellt,  als  Motiv  des  schaff *  ns  in  FUlle 
vorhandenj  eben  darum  ist  das  f.iotiv  in  seiner  vollen  ^xiatonzbereehtigung 
GonUßond  erwiesen, durchaus  nicht  weniger  als  etwa  religiöse  oder  sozial© 
Motive,  ^och  hier  beginnt  der  ges&sse  unterschied  zv&schen  gros  und  iyos. 
ie  paimess  sexueller  Kunst  ist  unbestreitbar,  wofern  sie  das  Triebleben 
des  Schaffenden  zum  Ausdruck  bringt,  seine  Baotionen  oder  auch  nur 
unschbilder  wieder spiegelt,  Sie  ist  jedoch  unfair  und  unter  umständen 
verbrecherisch,  v/enn  sie  ohne  eigene  esaotionale  peteili^ing  es  nur  auf 
die  Tjervorrufung  des  Triebes  bei  Andern,  bzhw.  auf  dessen  seheinbefrie- 
digung  ab  Gesehen  hat,  nie  verschlungen  paare  in  den  Bildwerken  clor 
Schwarzen  Pagode  zu  onarak  in  orissa  gereichen  der  indischen  Kunst  zur 
^hre,  ni-ht  j^niger  als  die  vorklassischen  und  klassischen  Akte  die 
zärtliche  Beziehung  der  Griechen  M  harmonischen  ijaturgebilde  ver- 
ewigen« poch  rticken  schon  einige  hellenistische  und  römische  Aphrodite-, 
bzhw«  Venus  gestalten  auf  die  andere  Seite.  D»  wenden  sich  nicht  weniger 
geschickte,  doch  eniger  saubere  rieister  an  den  Fetischismus,  444  m 
rygophilie,  bieten  dem  verbrauchten  Verbraucher  die  gefragte   are  oder 
fachen  durch  ihr  Angebot  die  erst  halb  vorhandene  ?]achfrage  an.  Es  ist 
gewiS  nicht  inner  einfach,  die  zuweilen  wohlverhüllte  porno  graphische 
"endenz  aufzudecken.  Tn  den  besten  Zeiten  früherer  iulturen  trat  diese 
nur  ve  reinzelt  nf  in  iT3chcinung,  fand  aber  ihren  eigentlichen  ^jährboden 


In  zustunden  dor  Fäulnis,  W$M  etwa  in  Hokoko. 

per  untor3diietl  ergibt  sieh  nur  in  drastischen  Fullen  von  selbst; 
im  allgemeinen  aber  sieht  er  nicht  nur  kompliziert  ans,  sondern  ist  es 
auch,  zum  größten  Teil  ist  z.B.  <ö*  eher  hypertrophierte  Erotik  der 
japanischen  ualerei  und  Graphik  nicht  nur  Geschäft,  sondern  zugleich 
durch  ursprüngLichkeit  und  rchtheit  serechtfertiet,  also  als  ehrbare 
raunst  1x23 tätigt,  golche  popj elnaturen  sind  in   csten  üieöüeh  zahlreich,, 
whirch  die  eingehende  Untersuchung  des  T:inzel£alles  erst  recht  zur 
Pflicht  */±rd. 

•nie  Idinstlerisehen  Spiegelbilder  ungesunder  sescuallt&t  bereiten  uns 
auf  das  eigentlich©  rroblesn  vor,  das  eines  unserer  zeitprobleme  ist. 
Psychoanalyse  und  ver^sandto  rieilcseth  den  gibt  es  z.?ar  e*st  neuerdings, 
und  sieAliefern  auch  überreiche  Beweise  für  ihre  Biett^endigkeit.  -,s  ist 
aber  auch  unv^ahrs  heinlich,  daß  die  'fenschen  der  Vergangenheit  solcher 
:Tilfe  iß  gleichen  Maße  bedürf  tig  waren.  ;ahrscheinlioh  ist  vielmehr, 
daß  sowohl  die  einzelnen  Durchschnittsmenschen  als  auch  die  Gesellschaft 
von  neurogen  weit  weniger  angefressen  yaren  als  heute,   iesos  Ausiaaß  an 
Sexöalpathologie  In  ihren  verschiedenen  Fonaen  und  oraden  ist  offenbar 
ein  trauriges  rivileg  der  Gegenwart. 

indes  TriLr  also  indirekte  Indikatoren  verlassen  und  uns  direkteren 
Kriterien  anwenden,  stehen  wir  vor  der  trage,  v;arun  sesaialverbrechen  v&e 
auch  Verßewaltitninßen  ohne  TTord  in  der  oegcnvart  weitaus  zahlreicher  sind  als 
jemals*  zunächst  bilden  sie  einen  Teil  der  gegenüber  der  Vergangenheit 
ÜT>erhaupt  um  ein  vielfaches  gesteigerten  allgemeinen  -kriminalität,  zu 
dieser  trag  n  z,B.  UtestSnde  **&o  die  mss  nverbreitung  der  priv&tv/agen 
sicherlich  bei,  denn  sie  bieten  dem  verbrechen  zahlreiche  Tätlichkeiten 
und  Anreize,  noch  der  ScJperpunkt  licet  auch  hier  vriLeder  iza  psychologi- 
schen« Kriminalität  überhaupt  spielt  heute  in  bewertenden  Bemißtsein 
eine  stark  veränderte  Bolle,  die  in  gult  der  Qev/alt  auftj  Ausdruck  kocaut. 


innerhalb  der  vielgestaltigen  Gewaltsamkeit  ist  nun  dlo  geschlechtliche 
eine  besonders  verbreitete  Abart*  r>aß  die  Opfer  so  oft   ehrlose  sind, 
Kinder,  halbwüchsige  oder  T^rwachscne,  ist  nicht  ein  *«erkraal  der  /ie;pn- 
v/art.  Aber  die  weite  Verbreitung  scheint  mit  einen  in  zahllosen  'fenschen 
dieser  zeit  besonders  aus  geprägten  Zug  zusarmenzuhärißen,  mit  ihrer 
dagenerativen  Selbsteinschätzung* 

nenn  er  durch  die  physische  Verbindung  oit  seiner  fterson  i^twurdigung, 
t$-'ti4  Fntwertung,  Schädigung  oder  Zerstörung  des  Partners  ^beisuftlhren 
wünscht,  bringt  nicht  nur  seinen  Sadismus  zum  Ausdruck,  sondern  vor  alles 
tief  negativ«  selostbewertung*  BP  definiert  sich^auch  ohne  volles  Bewußt- 
sein dieses  Sachverhaltes,  als  unwert,  dessen  Berührung  beleidigend  wirkt 
und  wie  durch  Ansteckung  weiteren  unwert  zur  FOl^e  hat*  m  dem  »säße  des 
Bewußtwerdens  tritt  eine  zusätzliche  Reaktion  des  fjasses  gegen  den  aus*» 
lösenden  Faktor  hinzu,  und  der  maisch,  diesen  dafür  zu  bestrafen,  daß 
freiwillige  Liebe  von  ihn  sowieso  nicht  zu  erwarten  war,  bzhw.  sich  an 
ihm  für  das  Pehlen,  oder  das  vei'ijuintliclx)  -Fohlen,  der  eigenen  Liebes- 
flthigkeit  zu  rächen*  nie  aus  der  sesualfolter  und  dm  seaialnord  gewonnene 
T3efriedigung  ist  also  hauptsächlich  die  der  Rache,  der  erzwungenen 
Begleichung  einer  Rechnung* 

rjor  verirrte  Trieb  muß  aber  nicht  unbedingt  zum  Sford  führen, um 
auf  die  mit  diesem  geneinsame  quelle  zurückzugehen«  Ein  großer  Teil  des  f£ttfätMfl 
Geschlechtslebens  unserer  zeit  ist  von  weniger  schweren,  doch  ebenfalls 
der  Sexualkriminalität  zu  Grunde  liegenden  Störungen  heimgesucht* 
'Stufige,  als  harmlos  oder  witzig  geltende  Äußerungen  weisen  auf  ein© 
USndeutung  hin,  durch  die  das  Idebesorgan  des  ?,?annes  zu  einer  yaffe  wird* 
Dieser  von  yielun  entdeckte  und  unaufhörlich  bestätigte  umstand,  dem 
ein  weiblicher  Gegenspieler  entsprechen  mag,  sollte  nicht  nur  warnen, 
sondern  zu  umfassender  »leilung  durch  die  bestehenden  und  durch  noch  zu 


schaffende  Institutionen  führen,  noch  fehlt  die  rjethode.  Ihr  pig»ffgWBl^ 
müßte  das  Beroißtmachen,  foahw.  Bcwußtivtxdon  der  Störung  sein,  per  beste  weg 
zur  Erkenntnis  dieser  Störung  and  der  erste  schritt  zu  ihrer  i&iluns 
vjäre  die  -onfrontierung  alt  der  ursprünglichen,  naturgegebenen  Ti-ebesfunktion, 

iiessen  schöraten  sich  lienschen  frtther  und  wessen  sehtet  man  sich  heute  ? 
jm  6.  jahrhundertealte  es  prokopios  in  frappanter   eise,  daß  er  sich  schlteo, 
einen  Körper  zu  haben»  r&eoeift Abscheu  vor  dem  eigenen  Leib©  \?urzelt  *vahr- 
scheinlich  in  einer  alts^sopotandschcm^f^l^schamang,  von  der  manches  Echo 
noch  im  antiken  Judentum  nachhallt.  r?a3  Christentum  erbte  dessen  Auffassung* 
nicht  die  griechisch©  vtSrperbejaJiung,  und  gelangte  Uber  jene  hinaus  zu  der 
heute  erschreckenden  Formel  des  prokopios,  u.zv/.  nicht  nur  im  byzantinisclTen 
räum,  sofern  auch  im  mittelster  liehen  ;estenj^-äa  fehlte  es  freilich  nicht 
an  negenstrtJmungGn,  die  dann  in  der  Renaissance  triumphierten. 

jenen  alten  Gegensätzen  aber  steht  heute  ein  rities  gegenüber,  r.fan 
schärst  sich  alles  dessen,  was  man^ooantik  nennt,  einer  Schwärmerei, 
eines  Glaubens,  und  vor  allem  der  Liebe«  nie  Terminologie  von  Trinkern, 
prostituierten  und  Tiall>-Tntellektuellen  ist  annähernd  cleich,  als  v*tlron 
sie  AH©  darauf  bedacht,  einander  und  sich  selbst  mit  Verachtung  zu 
behandeln,  paß  ihnen  irgend  etwas  heilig  sein  könnt©,  ist  zu  einem  der 
vielen  humorlosen  ritze  gewrdon«  Di©  fjotive  dieses  Verhaltens  zum 
Andern  sind  offenbar  sadistisch,  «de  die  Wartung  und  Herausforderung 
der  entsprechenden  Reaktion  masochis tisch  ist. 

m®&  der  schäm  schUmt  man  sich,  falls  man  noch  etiaas  von  ihr  hat. 
Sin  Arzt  und  eine  Krztin,  die  für  den  fachlichen  amerikanischen  Leser 
ein  Buch  über  das  Verhalten  beim  Geschlechtsverkehr  vorbereiteten, 
stellten  anfangs  Beobachtungen  an  prostituierten  beiderlei  Geschlechts  an, 
t*eil  sie  ihre  Zeitgenossen  noch  falsch  einschätzten  und  die  ^ilnaha» 
anderer  Leute  der  vorausgesetzten  ^nmungen  vfegon  für  unmöglich  hielten. 


Dald  aber  hatten  sie  einen  Massenzulauf  von  paaren  aus  fast  allen  Kreisen, 
alles  klappte  wundervoll  und  man  ließ  sich  auch  von  diversem  personal 
sovde  von  poto-  und  Filmkameras  nicht  stören, 

Unter  der  den  Zeitgeist  so  Uberdeutlich  anzeigenden  Schicht  aber 
aaß  etwas  anderes  vorhanden  sein,  sonst  £tbe  es  nicht  die  zahlreichen  pKlie 
von  Dskehrten  und  süßern  beider  Qeschlechter,  die  ihr  Leben  eines  Tages 
schal  finden  und  sich  ReHgionsgemoinden  und  radikalen  Parteien  anschließen, 
¥*  mag  überraschen,  daß  auch  der  Anschluß  an  or^nisationen  von  Berufs- 
verbrechern hierher  gehört,  per  gemeinsame  ?  jenner  ist  der  intensive 
unsch  danach,  was  es  in  jener  hohlen  Gesellschaft  nicht  gibt,  nach 
Gemeinschaft,  jene  vielen  jugendlichen,  die  ethischen  rerten  den  Röcken 
kehren  und  ihre  !S*ge  und  üStchte  mit  einander  verbringen,  fühlen  zuweilen, 
daß  sie  im  Grunde  einsam  sind,  und  dieses  Gefühl  kann  bis  zur  unerträglich-, 
keit  wachse*.  #Br^sichWn«r  andern  Gemeinschaft  anschließen  kann,  findet  *fl 
Aufnahme  im  organisierten  Verbrochen,  das  in  seiner  unvergleichlichen 
ohasion  die  schmerzliche  Einsamkeit  aufhebt  und  in  einem  höchst  gsfahr- 
vollen  i*ben  des  Verfolgs  und  Verfolgtseins  ein  groteskes  Gefühl  der 
Sicherheit,  oder  gar  Oeboreenhoit,  entstehen  laßt. 
pauschglft 

Doch  diese  Schicht  des  plonentarcn  unterhalb  des  Trivialen  bricht 
immerhin  ziemlich  selten  hervor,  in  den  mien,  die  ia^issidenten  oder 
Sektierern  vergleichen  könnte,  die  eine  mächtige  Firche  verlassen.  Die 
^hrheit  lebt  in  Genüssen  ohne  Befriedigung,  vor  allem  in  einer  Sexualität 
ohne  'iebe.  ni©  zeit  aber  eilt  dahin  und  manche  sehen  das  einmalige  Leben 
ergebnislos  entschwinden,  yan  braucht  Ersatz  für  dessen  verstoßene  oder 
nie  erreichte   erte,  oder  noch  eioontlicher,  Ersatz  für  die  unerreichbare 
Realität,  mdem  marf  zun  narkotiker  wird,  flüchtet       im  Grunde  nicht  aus 
der  nealität  in  die  Irrealität,  sondern  aus  einer  Irrealität  in  die  andere* 


jyan  vertauscht  nur  die  unlustvolle  alt  einer  lastvollen«  und  wie  man 
gewohnt  ist,  die  Wäre  zu  bekamen  und  später,  bzhw«  stuf  Raten  zu  bezah- 
len» genießt  man  auch  die  narkotische  Irrealität,  die  künstliche  vuphorie, 
ohne  viel  an  die  spater  Fällige  Zahlung  aus  dem  schätze  der  Gesundheit 
zu  denken,  die  ja^auch  auf  Katen  erfolgt,  so  daß  bis  zun  snter^awg  noch 
Zeit  genug  bleibt«  ^as  opfer  Übersieht  geflissentlich  den  krassen  Wider- 
spruch zwischen  dem  exklusiven  Kgoisaus,  der  ohne  ??aske  auftritt  und  die 
soziale  Verantwortung  einfach  abschüttelt  und  seiner  seUbstaufhebung 
durch  Zerstörung  des  Lebens« 

Die  Schwindel  erregende  Statistik  über  den  internationalen  ijandel 
und  Verbrauch  sowie  die  fkot  der  'leuhoiten  auf  diesem  Oebieto  machen 
die  ^euch©  der  Rauschgifte  zu  oinaa  weiteren  rnarakteriä&kum  unserer 
unserer  so  vielfach  geschlagenen  zeit« 
Arzneien  und  forste 

Fast  Alle,  die  nicht  selbst  zu  den  opfern  der  Rauschgifte  gehören, 

verstehen  deren  verderbliche  Bedeutungf  wenn  sie  genug  Charakter  haben, 

hüten  3ie  sich  und  andere  vor  deaa  schlecht  getarnten  selbstiaord«  paff?  gilt 
Ufr  ff^U 

'  aber  4Bich£-*9n-'den  Arzneien,  den  Produkten  einer  der  größten  Industrien 
der  weit,  die  von  sämtlichen  RegLerangen  nicht  nur  geduldet,  sondern 
gefordert,  von  einem  die  ganze  Erde  uaspannenden  fiandel  vertrieben  und 
von  der  presse  sowie  allen  andern  propaoandaK>rganen  und  vor  allem  von 
den  Ärzten  als  nützlich  und  unerläßlich  empfohlen  werden«  An  sie  iiaben 
wir  uns  fast  zugleich  mit  der  futtermilch  zu  gewöhnen«  sp&ter  werden  wir  mit 
JYeundüchen  und  unfreundlichen  Mitteln  angehalten,  sie  einzunoteen,  bis 
unser  natürlicher  Widerstand  uberMAinden  ist  und  wir  es  sozusagen  freiwillig 
tun«  selbst  wenn  wir  erfrranken,  wird  unseren  Organismus  iaoin  Frieden 
BBgönnt«  iian  18ßt  der  ?jatur  keine  Chance,  in  !?uhe  ihre  teilenden  Kr&fte 
einzusetzen«  Pillen,  Tropfen  oder  «ar  Injektionen  dringen  in  unsere  lewebe 


ein,  sodaß  der  gerben  dio  iprankheitoorregor  kämpfende  Körper  sich  gleich- 
seitig  gecen  eine  chemische  offensive  zu  wehren  hat*  Die  Hatur  siegt 
trota  allem  oft,  aber  nicht  inner.  jenn  die  polten  ertraglich  sind, 
werden  sie  als  unerwünschte  Begleiterscheinuncen  der  erx»1iriüchten  HfeiX- 
\3irfcung  hingestellt«  ^Lnd  sie  aber  schliian,  so  kann  man  sie  entweder  andern 
Faktoren  zuschreiben  oder  eine  übertriebene  Pools  verantwortlich  machen. 
Die  Folgen  treten  -abop-,  manchmal  3ehr  ap&t  ein.  Der  Krebs,  der  nach 
jähret  erscheinen  mag,  kann  ja  auf  vielerlei  Brsaehen  zurückgehen, 
naß  diesen  Jemand  im  Einzelfalle  r-ründllch  nachforscht,  oder  daß  das 
überhaupt  möglich  ist,  kommt  praktisch  kaum  jemals  vor. 

na  die  medizinische  Schule,  die  jene  Arzneien  mit  ihrer  Autorität 
deckt, unbestreitbar  gewaltige  Leistungen  aufzuweisen  hat,  besonders 
auf  den  theoretischen  Gebieten  und  in  der  praktischen  Diagnostik, 
hat  3ich  bisher  gegen  die  gesamte  schul©  viel  weniger  Kritik  oder 
Opposition  erhoben  als  gegen  alle  ?jHchte  der  Erde,  einschließlich  der 
geistigen,  mt  eine  einzige  schule  bestreitet  hartnackig  die  Richtig- 
keit der  herrschenden  arztlichen  Praxis  und  der  ihr  zu  Grunde  liegenden 
Theorie,  es  ist  die  rjaturheiliamdo,  die  in  manchen  lindern  verboten  ist 
wie  aohnPdcr  Schwindel,  in  andern  in  bescheidenem  naße  legal  vdrken 
kann,  lie  vernachlässigt  zumeist  die  Diagnostik,  wll  ihrer  Krankheits- 
lehre  entsprechend  die  Matur  die  Kraft  hat,  Krankheiten  zu  heilen,  auch 
Yjenn  diese  nicht  definiert  sindf  vorausgesetzt,  daß  der  Leidende  zu 
naturgemäßen  Lebensbedin gun con  zurückkehrt  und  die  rjatur  in  ihrer  auto- 
natischen  Therapie  nicht  gestört  vdrd^ls  ein©  der  wichtigsten  natttrlichen 
Lebensbedingungen  wurde  die  vegetarische  Währung,  bzhw.  Rohkost  erkannt* 


ein  konsequenter  Rohköstler  krebskrank  gevaorden  i3t. 

Eins  Psychologie  der  Tjedizin  ist  noch  nicht  geschrieben  worden. 


15 


lim  aber  unseren  <3ch3xu^olgorim^  das  rtfrfl.fln  Höchstmaß  an  Objektivität 
zu  sichern,  ««ollen  wir  einige  psychologische  Beobaehtunoen  ■IMiUUltllflSlBt. 
die  einer  systematischen  Bearbeitung  dos  jwblems  vielleicht  als  Ausgangs- 
punkt dienen  &&ißen« 

TJir  erinnern  uns  der  iß,  Anfang  -dieses  Kapitels  geschilderten  Gesellschaft 
im  Garten  und.  an  das  --rlehnis  der  Daß®,  das  nun  gleichem  ssum  ijotto  v<ird. 
Auch  die  ifedixin  geht  ge$sn  die  nichtesensciilichen  fjaturwosen  vor,  als  ob 
sie  alle  gegen  uns  verschworen  tätrea  und  als  ob  in  keinem  Fall©  j^fmbiose 
oder  friedliche  Entfernung  in  Betracht  !£se»  sondern  nur  ein  einaiger 
uatfbUt8si@er  ?erniehtunsokrieg»  es  ist  unmöglich,  sich  des  Eindrucks  ssu 
erwehren,  daß  auch  die  denkenden  Kßpfe,  die  diesen  poldzug  planen  und 
ftDiren,  infolge  unbewußter  wringe  in  ihnen  der  mtur  gegenüber  in 
eine  ^tuation  unfreiwilliger  Feindseligkeit  geraten  sind.  Der  konkrete 
Umstand  der  Verbindung  mit  der  naturfeind liehen  pharmazeutischen  Industrie 
mag  mitwirken,  spielt  aber  keinesfalls  die  Hauptrolle  WDie  entscheidenden 
Ursachen  liegen  auf  der  bereits  aufoeaeigten  Linie,unä  darauf  weisen  auch 
die  sinnfälligen  tyq&mm  hin*  m  den  Empfangs-  und  ordinatioiisssinxärn 
der  mod.ernen  Srate  sind  die  Fenster  in  jeder  jahreeaeit  ^schlössen,  und 
auch  in  den  sonnenarrjen  ggtaftMM  sind  diese  ßfcaae  Tag  und  jjacht  durch 
Iforhang©  verfinstert  und  Mfnstlieh  beleuchtet. 

~ie  ^aupttatigkeit  des  "hlrurgen  besteht  im  vegschneiclon  und 
schneiden,  die  des  Internisten  im  fStem  schädlicher  oder  für  schttdlich 
gehaltener  orßanismen,  niese  JCrste  stoßen  imer  vdaier  auf  die  Frage, 
wie  diene  Tötungen  en  eigen  k&nnen,  ohne  daüauch  der  isensoh  getötet  oder 
geschädigt  sird*  rer  tf bliche  vernichtende  Angriff  auf  Amöben  kann,  um 
nur  auf  ein  einsigas  Beispiel  hinzuweisen,  entweder  den  orvAInochten 
erfolg  haben  oder  einen  Teil  von  ihnen  in  die  Leber  treiben,  m  3ie 
viel  liüTlMimrp  schaden  amdehten  als  im  raroj  odexper  ^lensch  vdrd  h&k 

Angriff  raitge  tätet«  -jaturhcdlfeundlgo,  'die  nicht  auf  das  $$ten 


erpicht  sind,  wenden  mit  erstaunlichem  rrfolg  eine  plÄt  an,  die  das 
entzündete  parmgewebe  heilt,  den  Ar-Öbon  also  die  Lebensbedingungen  ent- 
zieht und  sie  sur  Auawanderung  svdngt,  nicht  zur  Einwanderung  in  die  Leber, 
paß  die  herrschende  schule  nicht  auf  solche  Ideen  kommt,  die  ja  so  nahe- 
liegen, kann  sich  nur  aus  ?jatur~furcht  und  jjaturf oinds  chaft  erklären. 

Das  vorhalten  der  so  weithin  anerkannten  schule  ist  eine  seltsame 
vdschung  aus  kühnem  vordringen  in  das  unbekannte  und  starr  orthodoxer 
Abneigung  gegen  einfache  und  naheliegende  Revisionen,  die  allerdings 
furchtlose  selbstprUfung  zur  Voraussetzung  hätten.  Di«  stärkste  stütze 
dieses  widerspruchsvollen  Standes  ist  der  nahezu  allgemein  verbreitete 
Glaube,  man  habe  keine  jahl  und  sei  auf  die  Krzte  angewiesen,  obwohl 
sie  oft  selbst  krank  sind  und  Andern  nicht  iamer^helfen  können  oder 
sogar  schaden.^ine  ander©  stutze  besteht  in  einer  Überaus  häufigen 
ttts cheinun gs form  der  Trägheit«  Es  ist  ja  um  so  viel  leichter,  für  eine 
von  einem  Andern  ausgeführte  Behandlung  zu  bezahlen  als  für  die  eigene 
Gesundheit  selbst  zu  sorgen,  etv?a  durch  tägliche  Gymnastik,  um  operiert 
zu  nerden,  braucht  der  Fatient  auch  nicht  viel  mehr  zu  tun  als  sich 
hinzulegen.  Tin  Raturarzt,  mein  Freund,  sagte  es  besonders  schon  j 
»«Die  Leute  glauben  beim  Arzt  oder  beim  Apotheker  Gesundheit  kaufen 
zu  können.»  ~>ie  gefährlichste  qtütze  der  offiziellen  iiailkunde  sind 
aber  die  oft  sofort  sichtbaren  Erfolgs  oder  Scheinerfolge  ihrer 
Pharmakologio,  die  den  langsamer  »/irkenden  schaden  verschleiern» 

er  flucht  in  die  giftige  mphorie  entspricht  eine  andere,  der 
dauernde  Drang  zum  Arzt  und  ins  Krankenhaus.  Vielleicht  vfiäre  xatromanie 
der  rechte  Tiamo  dafür.  Es  sind  nie  reine  Erfindungen,  die  alle  diese 
T/eute  zu  den  Ärzten  und  oft  genug  auf  den  Operationstisch  bringen. 
Die  vorgebrachten  Beschwerden  pflegen  einen  wahren  ?'em  zu  enthalten. 
Aber  psychische  'Olive  werden  diesem  fern  zum  Treibhans.  Es  sind  zumeist 

7 


unbefriedigte  oder  Gescheiterte,  vor  allem  diejenigen,  die  riebe  vergeblich 

gesucht  haben  untFl  Andere  brauchen;  die  ihnen  Ulrsorge  und  pflege  als 

| 

Tiebosersats  ange leihen  lassen«  nie  psychisch  Geattderen  unter  ihnen 


finden  früher  oder  spater  den  konstruktiven  rsatz,und  annähernd  auch 
Senesung^Yin  sozialer  Arbeit  für  schwächere,  Xrmero,  unglücklichere« 
arauf  sollten  Beaai^hungsn  xm  psychologische  ??assenheilung  planmäßig 
hinarbeiten.  MV  doppelte  erfolg  der  Heilung  und  Aktivierung  *Sre 
umso  bedeutender  als  die  irreale  oder  halb-reale  Arbeitsunfähigkeit 
und  ijilfsbedürftigkoit  zu  einer  aironomiooh  unerträglichen  Last  zu 
werden  droht» 

nie  Irrealität  des  Geldes 

rwe  neueste  Abschnitt  der  Gesellschafts-*ind  öeistesoeüchichte 
sah  einen  alle  ^orauasicht  Übersteigerten  Triumph  des  Materialismus, 
und  dieser  Triumph  hat  einen  januskopf  •  sein  kooaunistisches  Qeaicht 
verkündet  die  forwirklichung  der  Ideologie  des  natur^via m  ns chaf tlich- 
I-iis torischen  üaterialisnua  in  der  iaar^st^cl>-leninistischön  Gesell- 
schaft großer,  mittlerer  und  kleiner  Staaten,  die  zumindest  ein  Drittel 
der  -r<lbevölkerung  uiafassen«swiöP<^^ 

pa»t1aitofftwi1mWiririBgy^  nie  tem^ainistische  Soziologie  bezeichnet  die 
Tältur  und  das  geistige  schaffen  als  den  Uberbau  der  Oesellschaft* 
Obwohl  dieser  Tjarae  nicht  besonders  gut  |Mtittfel  ist,  mxst  er  doch  den 
nicht-mat or iellen  oder  mehr-als^aatorieXlen  ötttem  ©Inen  organischen 
platz  in  einem  Ganzen  an«  niese  Soziologie  ist  also  monistisch« 

Das  kapitalistische  losicht  des  januskopf  es  proklamiert  die  Macht  und  orolie 
des  ihm  gehörenden  Tritteis,  in  dem  ein  anderer  imterialismus  bUttht, 
der  ökonosiische«  Pi©  KT&fte  dieser  Ökonomie  scheinen  von  ihrem  Höhepunkt 
noch  weit  entfernt  zu  sein  und  weruon  iaoeft  von  Tag  zu  Tag  zusehends 
größer,  jn  seiner  Ungeheuern  Dynamik  und  in  seines  Dqpansionst- 


drang  vÄchst  dieser  Materialismus  mit  seiner  Ökonomie  nach  innen  und 

außen«  Aber  Uber  die  Grenzen  der  Ökonomie  kommt  er  nicht  hinaus  und 

kann  in  einer  absehbaren  Zukunft  die  ideologischen  Boreiche  seines 

Drittels  nicht  erobern  noch  durchsetzen,  nie  Ideologien  verwehren  ihm 

den  Einlaß  jgtfsind  kohttrent  genug,  um  seine  Vorstöße  abzuweisen.  Diese 

Ideologien  heißen  Religion,  Nation,  Tradition,  berufen  sich  auf  einen 

Vertrag  mit  dem  philosophischen  Idealismus  und  nehmen  von  zeit  zu  zeit 

und  nach  Bedarf  anders  klingende  Namen  an,  ohne  sich  aber  stark  zu  vor- 
h 

andern.  Ue  nemen  nur  an  Radikalität  au  und  ab  und  rücken  bald  nach 
rechts,  bald  nach  links,  sie  verändern  sozusagen  ihre  Temperatur  und 
ihr  Volumen,  aber  nicht  ihre  chemische  zu MNMMM t aung •  Derselbe  Bankier, 
der  nur  aus  Berechnung  und  Profit  zu  bestehen  scheint,  geht  hie  und  da 
auch  zur  Kirche  oder  unterstützt  sie  zumindest  durch  sein  Scherflein, 
Er  kann  z,B,  auch  dem  KU  Klux  Klan  angehören,  einem  Operntheater  groß« 
zügig  unter  die  Arme  greifen  oder  einem  yuseum  original®  von  :mrhol  und 


!*>ore  schenken,  nie  Geld,  hie  ideal, 
,  .  rlne  name,  die  einem  umfangreichen 


tppara^zustande  gebracht 


hat*  und  die  amerikanischen  Städte  mit  ihren  voträgen  heimsucht,  scheint 
eine  Ausnahne  zu  bilden,  indes  sie  unter  Anwendung  piiiloaopiilucli&i'  Termine-» 
-logie  von  so  etwas  «1»  einem  Dollar kult  als  neuester  Religion 
^in  solcher  Versuch  zur  Überschreitung  der  schließlich  festgesetzten 
Demarkationslinie  wird  dem  liaterialismus  wenig  nutzen,  mim  dieses  gesamte 
Drittel  versteht  teils  logisch,  teils  instinktiv,  daß  es  seinen  Dualiaa»» 
braucht^  weil  esNmit  ihm  identisch  ist. 

Es  ist  einer  der  monuraontalen  Widerspru*,che  im  Kapitalismus,  daß 
'lle  immensen  materiellen  verto,  die  seine  gesamte  ,?elt  bev/egon  und  um  die 
sich  alles  bewegt,  in  ihm  im  Qrundo  einen  untergeordneten  Mg  einnehmen. 
Obwohl  sie  die  wahren  Herrscher  3ind,  verneigen  sie  sich  vor  den  Idealen 
wi« ,vor  Göttern,  die  ihnen  regit Imitat  verleihen  und  sie  schützen,  sie 


müssen  es  tun,  und  es  lohnt  ihnen« 

Auf  den  ersten  Büclf  könnte  MM  annehtaen«  innerhalb  der  materiellen 
forte  sei  das  Geld  die  f^uptsache«  Dao  gerade  Qe genteil  ist  der  Fall« 
nichts  ist  scheinbarer  als  die  pjjtMW  äes  Oeldes«  es  ist  fast  nur  ein 
Sprabol«  Theoretisch  v/llre  es  ziemlich  leicht,  das  Geld  abzuschaffen  ohne  daß 
die   irtschafts-  und  nesellschaftsordnung  bedeutend©  Veränderungen  m  Q^^xu 
erfahren  brauchte.  ***U*>  ÜU^**.,  w  ^  «U^'A.  Av6,,  Ui  <h+*  M^ff^  ^^T^^^. 

Des  ökonOEiischen  Leichtgewicht  des  Oeldes  steht  jedoch  ein  enonaea 
Schwergewicht  seiner  psychologischen  Funktion  ge^rälber.  zwar  sind  es 
nicht  mehr  die  heraus  eisenden  Gold-  und  silberalinzen,  sondern  nur  von 
Maschinen  besorgte  taathessatisehe  tjpcjrationon*  von  denen  die  armen  Reichen 
nicht  mehr  in  fghden  halten  als  die  auch  Hsihetiseh  isesenlosen  scheine« 
Aber  die  Bedeutung  dieses  ?&chto  ms  Ana  und  Reich  ist  viel  größer  als 
die  der  gLitsernden  Minsen  es  jemals  mrm  „arum  ? 

ra  braucht  natürlich  nicht  erst  äuge  gaben  m  Verden»  da§  das  oeld,  solange 
es  in  Geltung  bleibt,  für  Jeden  real  notwendig  ist«  Doch  unsere  Frage  be- 
sieht sieh  auf  die  Überschreitung  der  Hotvendigkeit,  s«B«  auf  die  Geldgier 
von  'dlüonSEren«  die  in  manchen  Fallen  nicht  minder  intensiv  ist  als  die 
AbhÄigi^eit  von  Rauschgift  on.  Die  l#sun£  ist  den  früheren  Brßebnissen 
■«öllig  analog«  Das  f&snlose  ist  auch  hier  nieder  ein  Ysatz  für  das  ;#sen- 
hafte,  für  echte  Befriedigung  für  alles  ?Jcnte9  dessen  Kern   fttr  den  ' 
■ansehen  ohne  Zweifel  die  Liebe  ist,  u«sw,  Liehe  im  besten  5innet 
auch  ±sn  sinn©  dos  frühen  Buddhiscais  und  des  frühen  Christentums, 

Denn  das  Verlangen  nach  Liebe  wird  umso  trüber,  Je  liebloser  das 
Leben  wird«  Tri  eine  d^jKa^öenerirainio chen  ifoilanstaltj^i  fUr  Geisteskranke 
cariet  ein  seiner  Veranlagung  nach  normaler  und  ^»^BxjQabter  junger  ££ann« 
weil  sein  Leben  su  einer  Serie  von  Enttäuschungen  und  nrsclfatterungon 
geworden  w,  Her^nskJfltG,  peinseligknit«.  ^änterhSltigl^oit,  tfoorthraoh 

4o 


und  die  tögLich  beTdesene  Flüchtigkeit  von  Gefühlen  und  UnvorlSliLichJaolt 
von  Beziehungen  hatten  ihn  das  biologisch  unerläßliche  vfcttesm  an  Tert-raoen 
und  Sicherheit  gsnom  en»  in  der  Anstalt  aber  hatte  er  da?  eine 
Partnerin  zu  finden,  der  dasselbe  widerfahren  wer«  30  gaben  Beide  einander 
das  vertrauen  wieder  und  konnten  gemeinsam  ine  Leben  zurttetoehren.  Diese 
Kurzgeschichte,  die  fast  zu  rührend  klingen  ma&  um  vahr  m  sein,  ist  es 


dennoch,  aber  es  gibt/jee!»  viel©  lange  Geschichten  ohne  hafspy  end  und 
unzählige  TebenslBufe  ganz  ohne  die  herbeigesehnten  p"ei®5ieae  und  p£M§M% 
AblÄufe  aienschlichen  Baseina  ohne  den  geringsten  Trost.  Pie  usehanisleruag  <Uk 
vervielfacht  die  Besiehungslosigseit.  wer  schaut  den  Beamten  oder  die 
U«Hnt1n  ob  sehalter  an,  wer  hat  für  solche  Studien  oder  für  solche 
tflhlungiahme  seit  J  ?  Eine  A*»30sphttre  der  önoaraherzi^seit  verschlingt 
vÄnasre  Regungen«  zwischen  Lehrern  und  Schülern  besteht  Fsresdheit,  die 
??aschine  trennt  auch  sie,  sie  ßberntet  Kr  Ziehung  prttfung  und  verant- 


vjortun^t  So  gerät  unsere  Monachlichkeit  auf  den  lieg  zu  absichtsloser 
VGrarraung» 

was  f/under,  wenn  vdr  mit  allem  KStoflichen  prunken,  um  unseren  *&ngel 
zu  verbergen,  und  ein  von  Köpf  bis  FuB  künstliches  Exterieur  anschaffen, 
im  Andern  und  uns  selbst  vorzutäuschen,  daß  wir  der  Liebe  mm%  sind 
und  sie  reichlich  genießeni  und  nach  dem  schabigsten  aller  Ersatzmittel 
jagen, um  dieses  dagegen  einzutauschen,  ms  wir  um  unseretwtllen  nie  m 
orlancen  hoffen  ? 

90  ist  das  Qeld,  das  der  moderne  ?jensch  für  das  maximal  Reale 
oder  sogar  für  die  einzige  Realität  halt,  vorwiegend  Fiktion^,  teeel« 

ao  vdr  tun,  ur  es  zu  erlangen,  ist  daher  oft  pMg  in  zweiter  odev  noch 
viel  Höherer  Potenz  irreal,  von  relativ  harmloser  Verleugnung  unserer  selbst 
bis  in  die  Abgrunde  routinierten  Verbrechens« 


ZI 


Per  noderne  maisch  und  die  arbeit 

jo  etlicher  das  Verhältnis  zua  Oelde  vdrd,  desto  frostiger  Tatrd 

die  Basdehimg  sur  Arbeit«  Bas  einfachste  Kriterium  Oer  Verbundenheit 

ist  das  festhalten  an  einer  bestdsssten  Arbeit  trotz  lockenden  Aussichten 

»• 

auf  fsrbesserung  des  T&nkomnens«  Dieser  prüf  stein  kommt  allerdings  nur  in 
denjenigen  Gesellschaften  in  F?&gp$  in  denen  frei©  Berufswhl  herrscht 
und  der  1  Übergang  von  einer  wirtschaftlichen  B>sition  aan)  andern 
niolit  verboten  ist,  solch  ein  Verbot  e&istiert  theoretisch  und  praktisch 
ifflser  noch  in  dem  durch  die  religiöse  jeihe  geactttttsten  starren  gasten» 
-messen  Indiens,  das  den  $5tmm  aller  Generationen  die  Berufe  der  vttter 
auf  zwängt,  ohne  daß  ihre  individuellen  Begabungen  und  Neigungen  et*ms 
MüSHI  kirnen«  Auch  außerhalb  der  eigentlichen  Sklaverei  mren  halb~versl&avtc 
Stande  dam  Fluch  dieses  Erbes  auch  in  Europa  durch  lange  ^schichtsperioden 
untemiorfen,  insbesondere  im  Fsudalisi&iS,  dar  ja  auch  heute  lebende  nach» 
korsjen  hat,  m  toier  es  noch  öroßsrundhesits  gibt« 

Ijaaor  Frieder  gibt  es  auch  noch  Autoren,  die  an  der  Sklaverei,  ein 
gutes  Tjaar  findon  Böllen  und  Hit  der  Behauptung  operieren,  der  ?ersidavung 
von  Kriegsgaf angenen  und  ganeer  Bevölkerungen  eroberter  Qebiete  sei  der 
Brauch  der  allgemeinen  »jioäerBetzelung  vorausgegangen«  Detanach  sei  die 
Versklavung  ein  Auf  stieg  von  der  brutalsten  Barbarei  su  ßüderer  Behandlung. 
Diese  An?*ahrje  ist  logisch  defektiv»  Denn  m  es  bereits  Arbeit  zu  tun  gab, 
iad©  die  der  primitiven  t^and^lrtschaft  und  viehsueht,  oder  sauarboit, 
¥«rde  sie  ja  ursprünglich  not^wlißerweis©  von  eben  denjenigßn  getan, 
••3ia  sie  spater  den  Besiegten  aufbürdeten«  so  ging  also  die  ©jtrdcklung 
den  7og  von  der  profc&feivWI  zl^jirm  Arbeit  zur  Http  3criü?'ion  Ausbeutafefi 
Wenn  -sir  daher  in  ginne  von  ijerturteilen  Büder  nie  die  des  Auf-  und  Anstiegs 
verwenden  ^sollen,  können  vdLr  den  tJborgang  von  einer  produktiven  zu  einer 
parasitären  Gesellschaft  scbvaarlich  als  Autttieg  bezeichnen,  auch  mm 


wir  auf  jede  eigentlich  ethische  Bewertung  verzichten» 

•Mir  Jüedergang  aas  2»  einer  auf  Sklaven!  ge#*undeton  parasitären  Gesellschaft 
kam  wahrscheinlich  gleichzeitig  nit  den  positiven   pjrt^dcldjungen,  die 
sum  vollen  Neolithikum  ftflirtcn»  es  viar  deren  negative  Kehrseite,  oder 
das  atnätrts  führende  ßcsells rhaftlicho  Qeoenspial  eines  starken  Aufstiegs 
der  ??±r tschaft,  die  von  der  parasitären  stufe  der  Jagd  zur  produktiven 
<5tufe  des  Ackerbaus  gelangte,  Tias  eine  höchst  beraorkensivertö  Divergenz 
von  dxtschaft  und  Gesellschaft  bedeutet. 

Oft  kelirt  auch  die  Behauptung  v&eder,  die  Arbeit  sdehe  den  Renschen 
nicht  an,  ei*  habe  sie  ianer  nur  gezwungen  getan«  Solche  Beobachtung  *n 
können  aber  nur  da  gemacht  worden  sein,  m  $Oaverei  oder  ähnlicher 
Vfcrfala  der  Gesellschaft  und  des  Keuschen  bereits  den  Hintergrund 
bildeten«  Hingegen  ist  erfolgraich©  BeaMhun^  die  also  ssur  Verbesserung 
von  zustltoden  führt,  pidrür  lustbetont  vde  die  i^eud©  de?  fdLndes  an 
seinen  wachsenden  'türmen*  sie  ist  der  Ausgangspunkt  für  ^aeaensirkea, 
oin  geEseinschaftsbildender  Victor.  Ü  ist  die  Arbeit  an  sich,  *de  sie 
sein  konnte  und  kann,  in  Gegensatz  su  der  degradierenden  und  degradierten 
Arbeit« 

Die  natürliche  Freude  an  der  Arbeit  hat  sich  in  bescheidenem  uaße 
erhalten,  inde»  sie  fast  unben?erkt  durch  diejenige»  Bedingungen  hindurch- 
gelangte,  die  als  z^ans*  FW»  und  Erniedrigung  das  Arbeiten  mit  tiefen 
Leid  assoziierten. 

Der  lustvollen  Be»iehuns  zur  Arbeit  sind  aber  nicht  nur  jene  größten- 
teils Überwundenen  Treue!  ungünstig,  sondern  auch  die  Bedingungen  des 
modernen  Lobens,  Jedenfalls  in  dessen  kapitalistischem  Sektor,  vielleicht 
auch  im  k^rnnis tischen«  Der  Profit  als  Zielpunkt  der  Planung  und  Ausführung 

1St  l^ThZ^^  ***  *****  der  BlllllW^ltillllim,  unter  der  Herrschaft  dieses 
PrinaipsAnicht  um  ihres  tw-U»  willen  getan,  und  am  allerwenigsten  um  ihrer  selbst 


23 


willen,   or  ifensch  gerat  nieder  in  eine  [#rinßg©aehtete  Position, 

als  Konsument  v&e  auch  als  B-oduzent.  Die  Rolle  des  HDnsuraonten  ist 

Kit  der  Zahlung  fast  schon  beendet.  #ohl  soll  er  auch  zufrieden  sein, 

aber  nur  um  weiter  zu  bezahlen  und  Andere  zu  Fensum,  d.h.  Bezahlung, 

zu  veranlassen,  nie  Rolle  des  Produzenten  ist  im  FrWistadium  die  des 

wonkurrentan  der  Maschine,  doch  aus  dieser  Konkurrenz  geht  er,  der 

weitaus  schwächere,  als  halb  und  halb  geduldeter  Diener  der  Sieoerin  hervor. 

tjnter  solchen  umstanden  doch  noch  einer  gewissen  Liebe  zur  Arbeit 
oder  ihrer  jertschSStsunc  zu  bege^Jen,  ist  überraschend«  es  ^ar  in  Jerusalem, 
y*>  ich  vor  einigen  Jahren  auf  dem  Wege  zu  einer  Begegnung  bemerkte, 
daß  meine  schuhe  schmutzig  ?/aren.  ich  trat  an  einen  schuliputzer  heran, 
der  an  sein  Y:erk  ging,  rieb,  glättete,  bürstete  und  das  noch  und  noch  wiederholte, 
als  ob  sein  oder  Nichtsein  davon  abhinge.  Der  scbaane  i/ederersatz 
gHJnzte  schon  s&e  ein  Spiegel  und  os  war  für  mich  fast  schon  zu  sp£t. 
ich  drängte  ihn  zum  Abschluß,  indem  ich  seine  Arbeit  lobte  und  bezahlte, 
aber  er  ließ  nicht  locker  und  hielt  mich  fast  wie  einen  Gefangenen  fest, 
bis  er  selbst  seine  Arbeit  vollendet  fand.  Gerade  weil  es  eine  eher  unbe- 
deutende Aufgabe  war,  der  er  sein  Können  mit  solchem  Ernst  und  Eifer 
widmete,  und  viel  mehr  tat  als  er  mußte,  um  seinen  lohn  zu  bekoo  -on, 
verdient  jener  junge  Orientale  der  Vergessenheit  entrissen  zu  werden 
und  als  Symbol  fortzuleben,  et  tat  seine  Arbeit  nicht  nur  für  den  lohn, 
sondern  zugleich  um  ihrer  selbst  willen  und  schöpfte  aus  ihr  reinere 
Befriedigung  als  der  moderne  Burdiscbj&itsmenach. 

18  muß  eine  in  tiefen  schichten  des  Seelenlebens  bemihrte  Tradition 
30 in,  die  einen  isenschen  befähige,  die  Integrität  seiner  Beziehung  zur 
Arbeit  trotz  allen  ihr  so  ungünstigen  Bedingungen  aufrechterhalten. 
Die  Stärk©  des  Eindrucks  der  Ausnahme  läBt  die  Regel  noch  deutlicher 
hervortreten.  Angosichts  der  klaren  Recel  muß  zu  ga geben  werden,  daß 


der  Kgraiunisnu3  theoretisch  einer  gesunden  Beziehimg  zur  arbeit 
günstiger  ist  als  der  KapitalisESis,  noch  kowst  ea  auf  die  Praxis  an, 
auf  -ä^sW^öobächtung  dos  Tabens  hUben  und  drüben,  die  allein  ein 
kompetentes  ürtoil  ermöglichen  nürde. 
^^enscherajürde 

20  den  Charakteristika  einer  zeit  gehört  sicherlich  eieren  Auffassung 
von  Vrürde  und  die  Beziehung  der  Renschen  au  dieser  .m  den  alten  Kü«i^ 
tttnern  und  Diktaturen  waren  qoehsut  nach  unten  und  Kriecherei  nach  oben 
in  Jahrtausenden  derart  sur  Selbstverständlichkeit  geworden,  daß  es  auch 
unter  den  am  höchsten  m  enta&ckelten  Individuen  mir  sehr  wenige  Ausnahmen 
gab«  ".an  erinnere  sich  einer  wohl  nicht  authentischen,  doch  lehrreichen 
Anekdote  über  das  Benehmen  ooethes  und  das  Beethovens. 

Die  neuen  Diktaturen,  die  mit  der  ko^amistischen  begannen,  mußten 
einen  an  lern  stü  entwickeln,  pen  vorfccsiLiiinistischen  sozialisraus  hatte 
brüderliches  Benehmen  entsprochen  und  die  komministische  Diktatur  konnte 
es  nicht  bald  verlassen,  ohne  ihr  proletarisches  Prestige  ssu  gefährden« 
ner  italienische  und  der  spanische  paachi^Jus  hatten  es  in  dieser  frage 
einfacher,  denn  das  voraus ge  gangene  regime  verpflichtete  ssu  nichts.  sodaß 
ein  paar  Imitationen  schnoddriger  Völkstublichkeit  genügten«  Hingegen  gin.i  cas  in 
der  deutschen  Partei,  die  sich  a*  ausgerechnet  nat ional-« so aialis tic ch»  nannte, 
nicht  oanz  so  glatt«  Der  extrem  militaristische  Charakter«  dessen  kriegerische 
ttfiU  Pläne  im  die  ^undaraente  eingebaut  waren,  erforderte  straffste  tjt>er- 
und  cntoiwdnung|  aljer  die  in  den  passen  noch  eingewurzelten  sjfcteaungeri, 
sozialistische  und  korarunistische,  verlangten  ein  paar  Ipaehahmungen  des 
brüderlichen  itils,  der  in  den  Anfangen  allicdiuiffDoJie  Tiomosemalitut 
noch  nehr  anzuregen  drohte,  was  mit  pücksicht  auf  die  parteigenossinen 
u.s.w.  nicht  anging«  so  stürmte  man  zvdschen  skylla  und  oharybdio  los« 
Alle  Diktaturen,  links  und  rechts,  gelangte!  nach  tasteivlen  Versuchen 


zu  jener  aufrecht  sinnlichen  Routine,  die  ganz  gut  geeist  ist, 
Anßst,  imterwürfi^keit  und  <asochismus  einerseits  und  (Srtl3eawaki 
und  Sadismus  anderseits  zu  tarnen» 

Aber  jede  Staatsfora  hat  ihre  Schachen,  auch  die  von  voller 
Auswirkung  ihrer  vorzöge  noch  aeit  entfernte  Demokratie.  An  sich  ist  sie 
für  die  lUrde  der  einfachen  Leute  nicht  ungesund,  im  Gegenteil,  sie  gibt 
ihnen,  besonders  hierin  wählen  sich  nahern,  ein  erhöhtes  Selbstbewußtsein. 
Zmr  leidet  dieses  unter  der  häufigen  Begleiterscheinung  der  gegenseitigen 
Herabsetzung,  doch  bleiben  solche  Trübungen  so  ziemlich  auf  die  zeit 
des  -?ahlkampfes  beschrankt,  !&n®3ßem  wird  die  llrde  der  oberen,  der 
Kandidaten,  der  Popularität  geopfert,  ms  schwer  sein  mag,  wenn  sie 
vorhanden  ist.  Da  konkurriert  der  Staatsmann  mit  dem  Fllßliebling. 
Kr  gibt  offen  zu,  sein  verhakendes  Gesicht  für  den  Bildfunk  färben 
und  schEdnken  zu  lassen,  um  den  Effekt  der  z.T.  selbstgemachten  Rede 
nicht  durch  ein  erotisch  neutrales  iMÜ  Äußeres  zu  beeinträchtigen, 
lächeln  und  isrregung  sind  unter  der  Anleitung  von  Fachleuten  vor  dem 
Spiegel  einstudiert  und  der  "lang  der  Stimme  laird  nach  Tunlichlteit 
veredelt.  :oraö  glich  mobilisiert  der  ifann  auch  seine  Frau. 

jemand  kritisiert  diese  ««thoden,  im  Gegenteil,  sie  finden  viel 
Nachahmung,  auch  bei  riichtpolitikem,  für  leren  Geschäft  leliebtheit 
von  vfert  ist.  -'an  vdrd  erfinierisch,  produziert  üeuheitun  und  kopiert  stz 
einander.  Die  neueste  Phase  der  Demokratie  scheint  den  Menschen  also 
ran  f!lov/n  machen  zu  sollen. 

nie  Beziehung  des  modernen  ijenochen  zum  jert 
jertbegriffe  ^aren  immer  in  3eraro@ang,  obaobl  die  religiösen  und 
philosophischen  Lehren  grandiose  Versuche  darstellen,  sie  ein  für 
alle  mal  festzulegen,  um  spfcftore  Knfierungen  ausssuschließen.  nie 
VerandeMJLehkeit  ist  der  anschauliche  Beweis  der  Subjektivität  und  weist 


darauf  hin,  daß  auch  dasjenige*  «M  als  objektiver  .erb  erscheint,  nur  ein 


Objektivität  erlangt  hat.  Subjektivität  bedeutet  zugleich  Relativität« 
^ir  haben  also  nie  die  unbestreitbare  Gewehr  dafür,  daß  die  existenten 
oder  postulierten  Binge  den  v'ert,  den  wir  ihnen  beilegen,  an  sich  haben» 
noch  kann  für  frühere  lachen  zumindest  das  als  Regel  gelben,  daß  ?jaasehen 
sich  daran  hielten,  was  Üt  üftKÜ  sie  selbst  als  Wert  erkannten  und  an» 
erkannten» 

Die  Betrachtung  der  Gegenwart  jfeer  erweckt  zvreifel,  ob  das  immer  noch 
gilt»  Big  Leute  beten  e/o»  den  Erfolg  an,  ohne  ihn  auch  nur  auf  die  eigene 
Annahme  einer  Berechtigung  au  gründen,  auch  ohne  au  bestreiten,  daß  Ja  sie 
selbst  den  erfolg  machen  oder  doch  den  nanptanteü  an  seines  Zustandekommen 


haben,  nie  neueste  Literatur,  punst  und  Musik  bitet  fttr  die  r&chtobjoktivitat 
dee  Erfolges  manche  klassischen  Belege.  Venn  -gfacat anderseits1  ungedruckte 
Bücher,  unaufgefülirte  Theaterstücke  und  syi^honien  und  staubbedeckte  unausge» 
stellte  Skulpturen  systematisch  aufgenommen  und  mit  den  veröffentlichten 
Werken  verglichen  bürden,  könnte  eich  herausstellen,  daß  die  summe  des 
Verschmähten  gegenüber  der  Summe  des  Anerkannten  *^esensunterschiede  auf^mist, 
bedeutend  genug,  um  das  Gesamtbild  der  Zivilisation  ssu  verschieben,  aber  auch 
einen  markanten  7/ertuntersehied  au  Gunsten  des  unbekannten  oder  zurückgewiesenen, 
ahrscheinlich  -würde  aber  an  fast  allen  werken  dieser  letzteren  Kategorie 
eine  gewisse  Fremdheit  gegen  die  Tendenzen  der  Heutigen  auffallen  und  hie 
und  da  «Kren  sie  in  deutlich  erkembaror  Opposition  zum  herrschenden 
Goschraackj  wahrend  für  das  erfolgreiche  schaffen  sich  als  bezeichnend 
orweiaen  wurde,  daß  es  dem  Zeitgeschmack  entspricht»  Die  Kongruenz  von 
Geschmack  und  Erfolg  wird  zum  Teil  darauf  beruhen,  daß  es  eben  diese  werke 
waren,  die  dun  existier  enden  Geschmack  erzeugten  oder  mitbestimmten,  zum  Teil 
aber  auf  elastischer  Anpassung  an  T/ohlvorotandeno  •fUnsche  oder  Bedürfnisse. 
Eine  solche  Gegenüberstellung  WÜVio  Jedenfalls  mit  Sicherheit  ergeben, 


intersubjektiver  ist,  dJch  dio  «allgemeine»»  zustdusaung  den  Anschein  der 


daß  Werl  und  Geltung  nicht  in  der  naiv  angenoEsaenen  Bessiehung  von 
Ursache  und  Wirkung  stehen»  Täfle  Banalität  ein©  weit  erobern  kann, 
dafür  besitzen  v/ir  ja  in  den  Beatles  und  deren  vielen  liacheJmern 
gana  höbsche  Beispielöl/Diejenige  jusend,  die  ■&mmsfmM8i£tr *** 
ihnen  einen  Inhalt  mir  Fällung  der  sckaersOichen  l/aere  -Söder  finden 
noch  sucheni  aber  «prost  fUr  die  Leere  -4.©  sie  eben  ist»  berauschende 
Belustigung  über  groß©  Anait. 

Daait  soll  keineswegs  gesagt  sein,  daß  der  Qegen^art  S«rt  überhaupt 
fremd  gevssrden  sei  oder  daß  erfolgreiche  Literatur,  "imst  und  L«usik 
insgesamt  raindensertig  seien.  Aber  Wert  und  Erfolg  bestehen  ,1etat 
nebeneinander,  als  ^örde  Jeder  "son  Beiden  einer  andern  tjrsachUohkeit 
angehören«  Ü  ist  als  ob  unsere  zeit  einen  uralten  Kausalnexus 
unterbrochen  hätte» 

t?er  ist  gUlckÜeh  ? 

Da  *dr  so  wesenlos  und  so  lieblos  geworden  sind,  läßt  es  sich 
für  die  Gegenwart  kaum  noch  aufrechterhalten,  daß  hie  und  da  ein 
Glücklicher  gewesen«  oder  doch  ? 

ES  hieße  jedenfalls  nicht  Amerika  entdecken,  wenn  mn  feststellte, 

daß  die  vielen  Hungerleider,  denen  manche  Unterstützung  gesoiiiclct, 

aber  unterwegs  zu  einem  hübschen  Teil  gestohlen  aird,  nicht  au  den 

$Lttcklichen  gßWvrn.  Di©  i&ilionen  mder  und  Latein-^rikaner,  die 

sich  im  Laufe  ihres  kuraen  Lebens  kaum  jemals  satt  essen,  «erden 

aber  gefressen,  u.aw«  hauptsächlich  wn  der  eigenen  TTbitterung 

über  die  verhaßten  Reichen,  m  Indien  werden  sie  durch  das  versteinerte 

geseHschaftssysteia  gana  unten  gehalten  j  in  iidttolstanclslosen  mstan 

-Vtrw  r 
leben  sie  unter  dem  Druck  der  grausamen,  <tas»eh  süllätr  verschilften 

Bedrohung  durch  justis  und  polisei,  de  en  unverhttlite  Aufgabe  es  ist, 

die  so  kraß  ungleiche  Terteilung  der  Qöter  zu  verteidigen«  Die  glenden 


fragen  nicht  danach,  ob  die  Reichen  glücklich  sind»  tfir  Jone  ist  das  eine 

selbstverstawUiche  Waussetzung,  da  ja  die  Besitzenden  in  ?tDLle  alles 

das  haben,  ms  den  Besitzlosen  fehlt  und  dessen  Hange!  sie  bewußt  unglücklich 

»acht»  per  yangel  bringt  ja  infolge  der  chronischen  Vergiftung  ve»  naß 

und  ait  auch  ihre  unaufhörlichen  privatkonflikte  und  FaMlieatragödien« 

Allerdings  stellen  sich  die  Reichen,  aus  der  1#he  betrachtet,  als  keineswegs 

oo  bencidcnsTfert  heraus.  Sie  leben  in  schleichender,  ihnen  nicht  ganz 

bewußter  nnruhe  und  ssrgD,  eine  ssehr  oder  minder  va&a  i^findung  des 

Bedrohtseins  verrollt  ihre  oft  krampfhaft  Übertriebenen  Qenüssei  in 

ihren  ?al8sten  können  sie  den  gelegentlichen  Anblick  von  aus  Abfallblech 

errichteten  lohnenden  schwer  vergessen«  Auch  der  frost  der  Kirche 

bringt  sie  nicht  über  den  Argwohn  hinvjeg,  daß  das  nicht  ewig  dauern 

kann»  sie  leiden  auch  unter  zahllosen  ^Bten,  die  nicht  direkt  auf 

ihre  privilegierte  Stellung  zurückgehen»  Ihre  Ernährung  bringt  erst  recht 

--rankheit  und  fecund  der  luxus  hebt  die  vielen  Spannungen  nicht  auf, 

sondern  begünstigt  noch  Konflikte,  in  einseinen  m  Füllen  auch  Lobens&ordrttß» 

rie trachten  wir  nun  die  menschlichen  fjlntergründe  politischer  Tfacht, 
30  kosr?en  wir  zu  eines  nicht  sAnder  traurigen  Ergebnis»  Einen  Diktator 
beneiden  vernünftige  Leute  nie»  m  allerwenigsten  tut  er  es  selbst, 
es  sei  denn  daß  schizophrene  Eaphorie  ihn  jeder  Selbstkritik  beraubt» 
Aber  auch  die  Begslomanie  kann  zueilen  von  Anfällen  abgelöst  werden, 
die  den  Kranken  in  seiner  salbsteinschätzung  noch  kleiner  machen  als 
er  ist»  Zerrflrbendo  xnferioritätsvorstellungen  Bögen  in  andeanschichton 
seines  Seelenlebens  erhalten  bleiben  und  zu  leidvollen  Spannungen  führen, 
die  von  den  bekannten  Explosionen  gefolgt  sind»  sie  können  auch  plötzlichen 
Gesttodniszwang  oder  die  überraschende  Enthüllung  eines  empfindlichen 
Gewissens  bewirken,  der  Peinigung  Anderer  kann  die  unerwartete  Reaktion 
der  Selbstreinigung  folgen»  Der  Diktator  braucht  aber  nicht  in  solche 


Hilflosigkeit  zu  gerate  und  muß  vom  ^rßtonecheti  überhaupt  nicht 
drastisch  abireichen,  um  in  e&ügem  Unbehagen  zu  leben,  real  oder  in 
seiner  Erstellung  angegriffen  und  zum  Gegengriff  jungen,  wifclgend, 
um  Weisung  abramhreiw  Den  Diktatoren  fehlt  offenbar  ausnahmslos  das 
bescheidene  naß  an  öLeichf^cht,  das  dem  durchschnittlichen  i^tpoli- 
tiker  trotz  allem  noch  geblieben  ist.  O^Mh^u  ^UU  ^^^^^^  *»W 

Mit  entsprechenden  B&eMWa»0m  trifft  &«  Konstatierung  p^cholo^ 
giaeher  Schwierigkeiten  auch  f«r  Leute  in  den  obersten  Positionen  dam-  ^ 
Italischer  Tender  zu,  und  sogar  för  weitaus  geringere  Größen  der  poUtlJ^^^ 
und  ven«anlter  tfltigkoiten.  selbst  auf  einem  Gebiet,  das  einst  als  das 
gerade  Gegenteil  der  Politik  und  des  Krlegnem»  galt,  in  der  Wissenschaft, 
sind  bedeutende  Personen  in  schüre  Konflikte  Eilt  sich  selbst  geraten, 
vor  allem  Atomforscher  und  Andere,  die  sich  der  grausigen  PW»q0MmtmN 
ihres  Werkes  *»hl  bewußt  sind,  ohne  aber       ein  liaim  in  allen  Staaten 
des  Erdballs  ihre  Arbeit  niederbiegen  und  ihr  «berlficpnea  Kennen  in 
den  Dienst  der  t^bonaerhaltung  zu  stellen» 

sein,  daß  einmal  eine  seit  taasen  wird,  da  yachthuneer  von 
Überdruß  und  der  Bestaune  auf  die  unersetzbaren  vierte  des  einmaligen 
Lebens  abgelöst  Verden  wird.  Bann  wird  es  schmor  Bierden,  Leute  zu  finden, 
die  bereit  sein  werden,  die  fUhmng  zu  Übernehmen.  Hhnüches  soll  schon 
vorgekommen  sein.  !Jach  dem  biblischen  Bericht  sollten  sich  Propheten 
sehrmals  vor  der  Berufung  drücken,  um  in  Frieden  zu  leben» 

Dar  Friede,  der  das  rßück  ist,  hat  den  Verzicht  auf  die  vielen 
Scheinaerte  geisiß  zur  Voraussetzung.  Der  Verzicht  ist  aber  noch  nicht 
selbst  das  Glück.  Dieses  ist  gestuft  und  nicht  fUr  Alle  gleich,  doch 
die  unterste  stufe  ist  lür  Alle  dieselbe,  es  ist  die  der  Befriedigung 
der  elementaren  Bedürfnisse.  Da  die  Liebe  zu  ihnen  &M5ri,  sollte  das 
Hecht  auf  Liebe  in  eine  revidierte  proiilsmaiion  der  Menschenrechte 


auf  genonisen  «erden,  pie  höchste  stuJte^nennen  die  Inder  die  des  Einswardens 
von  Atoan  und  Brahraan,  der  individuellen  Seele  und  der  waltseele.  vielleicht 
aber  könnte  man  das  einfacher  sagen.  Dann  laare  es  unsere  Einheit  sdt  uns 
selbst  und  ndt  Allem,  unserem  Urgrund» 

theoretisch  ist  es  durchaus  nicht  unajtfgLich,  die  höchste  Stufe  au 
erreichen,  sie  erfördert  nicht  Weisheit, /denn  sie  schließt  die  Weisheit 
ein,  weil  sie  der  Inbegriff  des  Wissens  ist  und  zugleich  sehr  als  das. 
wissen  ist  ja  eine  gewisse  Besiehung  eines  Subjekts  zu  einen  0&3ekt| 
da  aber  beide  eins  genorden  sind,  ist  das  bissen  durch  ein  flMM 

auf  Gehoben,  die  Identität  von  Subjekt  und  Objekt* 

rhjt(/L. 

Aber  die  konkreteste  Frage,  die  uns  Alle  angeht^  ist  die,  ob  in 
unserer  zeit  einfaches  t?enschenglöck  stfgUch  ist.  m  Washington,  Moskau 
lind  peking  bltlht  es  wahrscheinlich  nicht.  Doch  scheint  es  tu  Ozean  der 
Hot  und  der  Angst  ir^sawo  Inseln  au  geben,  deren  Bewohner  naturverbunden, 
einfach  und  zufrieden  sind.  Über  den  wert  der  Langlebigkeit  läßt  sich  ja 
streiten  und  sie  ist  kein  genügender  Beweis  der  (ÖÄckscli^eit,  aber 
iaaorhin  ein  Anzeichen,  denn  sie  beweist  Gesundheit,  ohne  die  es  eine 
einigermaßen  gefestigte  glückliche  ©eisten»  nicht  gibt*  vor  einiger  zeit  brachte 
dassunday  Tiara  Magazine  einen  sdt  farbigen  und  s  cir,  lars-weißen  Fotos 
illustrierten  Bericht  aus  georgischen  Dörfern,  in  denen  nach  dem  neuesten 
Zensus  der  Sowjetunion  fast  2000  tfoerhtuidertjsttirige  leben,  in  den  Weinbergen 
und  auf  dorn  Felde  arbeiten,  maßvoll  v.eln,  rieib  und  öesang  lieben,  sie  werden  von 
einem  gsrontologischen  Institut  beobachtet|  ««Tdie  Angaben  tlber  ihr 
Alter  mirdon  mit  den  erreichbaren  Urkunden  verbuchen  und  größtenteils 
bestätigt,  nor  älteste  Georgier  ist  123.  Die  'lusikalischen  unter  ihnen 
haben  ein  Orchester  gegründet,  das  in  -TunlTfriii  ara  schwarzen  Meer  Konzerte  gibt* 
•a  uns  die  vaßstäbe  zur  Schätzung  solchen  Alters  fehlen,  2JH£t  sich  nach 
den  pildem  nur  sagen,  daß  sie  viel  jttn^er  aussehen,  zwei  kernig©  Gestalten 


isachen  eher  dm  Eindruck  von  gKtftfMbi  Als  der  Älteste  lobende  *ttt*jtf* 
gilt  ein  anderer  icaukacier  aus  |PWlM*Ji%  der  ftM  genannten  saldoerächt 
als  Eseltreiber  su  sehen  ist.  ^r  *olI  1ȣ  geboren  sein,  iiash  unseren 
Begriffen  'Minien  wir  ihn  fttr  einen  heben  siebziger  halten.  ^/A 

^gohl  hat  keiner  wn  uns  Andern  den  wünsch  nach  so  hoheia  Älter 
noch  auch  Aussichten  auf  ein  solches,  doch  ist  es  uns  ein  Trost  zu  sehen, ^ 
daß  die  Menschenrasse  noch  verborgene  Kraftcpiellen  hat.  >iese  könnten  , 
uns  ja  helfen,  manches  zu  überstehen,  v?enn  wir  laxr  den  totalen  Brief  ffflC/ 
verhindern  können.  ,   ' ' 


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^ov^l  J^t^Cu^j^  e/t^pi^>  &^La^  ^Vw,  ^^\J%iA^ti-  >1<a 


(t^Y^y*  e/t^>  -q^ua^  -  ^jyu^t^A-  >ua 


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/>As<*»  Cd  ItA+Jt-  istr&L  ^>A bv~y%JJfa> /       kyfr4A.&°^>  *Ao<j  lirAC&i. 
sx^Jl  IjvM  n^"d^n^.         y/^^^*>^ ^*^/  ^>        H^ß~A -V***  fiM^A 

.^y^y/i^  hr^A^  tA  ^H^^^rV^*^^  ,  S.  ^6^^  </L4d 

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KuLA/jU^^b*  ^4  yvu^tU^/  onUuu.  fa&vtM  ^icuuMvi 

I^^M' jJiZ^A  UlMi^  «a6J^^      J(t>A^y^A^  h  knyAX^cjM  Uaja. 


'VTjsbtH-O  A  Ol  ^^I^UjJ^^  \A^t4)!~  CiL*, 

^di^AHs  yu-l+jL.  CijjfKA~  ^ tt^n-  •  /)*s>  t^f^^^Ka^L» 


^tZj^^  ÄxJ^Ujj^tJk^K»^.  2t^-h>^M-  l/jt^+k^,  ^j-tuU^Y^ vAc^^J^  Zilu 


lr^wLf/.   vAfc*-  Lvi  *■  &<L  i^yPt^ß^/t  0  >^jlMU^  ilix  vr»,  d«Kt^  ^^^6, 


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45 


mui.,  wenn  es  nicht  durch  radikale  Kai  nahmen  rechtzeitig  abge- 
wehrt wird, können  viele  in  den  Sorgen  und  Genüssen  des   . ugen- 
blicke  befangene  und  t;efai:^ene  i  cute  sich  in  ein  lü.  j, liebes 
asres  nous  le  oelu.e  zurückziehen,  und  sie  tun  es. 

Den  -illen,  aus  einem  Verderben  hinaus  zuge  Innren,  des 
unseno,  das  groBe  kollektivum  der  Lebenden  und  der  Äom-enden 
■and  zugleich  das  kleine  und  n-'chste  -•  ollektivun  zu  erhalten, 
stehen  anderseiüi  Interessen  ret;enober,  die,  an  Umfang  und  ~>inn 
der  r        '     en,  noch  viel  -kl    lic1  er  ..nrina  als  Jene  nur 

aus  Besiehnngslosigkftit  und  [Trägheit  bestehende  |  om  des  Egois- 
mus,   atiuvlich  ;ibt  es  kein  Zurück j  es  ist  uns  Völlig  unmöglich.  g 
geworden,  aus  einer  otadt  In  die  andere  lag«  und    .ochen  zu  Fltfi 
zu  £©hen  oder  zu  den  nur  nach  als  sentimentale  Erinnerung  oeheg- 

.  iiilarden^jesch  ift  der  Auto- 


«  - — "T*  2. 

■  •  —  *  i 


t^r^yT  IST. 


^est^e^imr;  auf 


olt  als  si/ — 


i  iUf- 


es  senoint  sich  au 


lolchen  ...ö^lichkeiten  der  Kettung 
zu  verscnlieken,  die  ihm  seine  astronomischen  rrof ite  oder  doch 
deren  größten  Teil  belassen  würden,    olche  !  cwlichkeiten  bestehen» 
und  es  war  keine  originelle  leispung  meinerseits,  sie  zu  ersinnen» 
Sie  liefen  sogar  derart  auf  der  Band,  daß  sie  nicht  eigentlich 
erfunden  zu  werden  brauchen.  Denn  des  Lensinmotor  kann  leicht 
durch  elektrische  Energie  ersetzt  sW-.'en,  u. zw  •  auch  Tür  den  frei 
bewerten,  nicht  an  bestimmte  Fahrbahnen  gebundenen  Segen«  Läegttt 
ist  die  iUdfiöÄulatioiißteehnik  so  weit , Veredelte  elektrische 

adung  zu  ermöglichen.  Die  Umwandlung  oer    tutionen  illr  die  trotz 
allen  Verbes;-: erun^en  schlechten  Benzinmotoren  in  Ladestationen, 
in  denen  nur  die  verbrauchten  gegen  bereitstehende  Akkumttiafrorea 
ausgewechselt  zu  Vierden  brauchten,  ist  in  \iicht  allzu  beschleu- 
nigten Tempo  in  wenigen  Jahren  auf    er  ganzen  tele  durchf  fihrbar* 

<  n  erforderlichen,  freilich  riesenhaften  Umstellungen  und  In- 
vestitionen ist  die  Amortisation  zweifei  os  gekichert,  allerdings 
könnte  es  sein,  dal  bei  kompetente  Kalkulation  der  irofite  sich 
eine  Diftf  erenz  er^  lbe,  und  mit  dieser  verglichen  \ürden  für  die 
Industrie  auch  die    rükten  globalen  Gefahren  her:  los  werden« 
Dftfi  eine  solche  -otx'aindikntion  vorliegt,  scheint  schon  durch 
den  bloLen  umstand  des  Ausbleioens  einer  so  naheliegenden 


46 


Neuerung  geradezu  erwiesea«  Daß  ein/  elektrischer  m&m  vox^- 
iftufiß  noch  teurer  würe,  ist  kein  ifciohhalfciges  Apguaenti 
weil  die  Pr^isdiff *:eeaa  erfahrtuaaBgeffläß  nach  einiger  Seit 
zu  verschwinden  pflegt,  wenn  »errangen  sich  durchzusetzen 
be-  i-x-cn.  ..an  bat  auch  den  besyLciten  Eindruck,  &ft$  in  keiner 
der  rührenden  i-irmen  in  diesci:/  ^inne  experimentell  oder  auch 
nur  theoretisch  gearbeitet  v/^Td,  ala  ob  sie  den  Dia$©a  ihren 
-auf  lassen  oder  es  auf  ein/n  nach  und  nach  eintretenden 
Znsm  .cnbruch  aakonmea  las/en  wollten,  um  inzwischen  aus  der 
unveränderten  Jecnnik  so  Aaa.  als  möglich  maximalen  Gewinn 

zu  ziehen« 

Da  es  sich  aber  uot  ein  iroblera  handeH 
hygienische  und  technologische  Gesichtspunkt  zu  onj£s>&5lden  hat, 
nicht  der  reschlf  tlio4e.  wird  das  Lingreifen  übergeordneter 


Instanzen,  soweit  d 
den  gi  sch-ü'  t liehen /&e wahrt 
sein»  £er  erforderliche  le, 
neu,  dal:  von  ein/n  bestinr. 
Benzinmotoren  verboten  und 
soll«  -Oer  vor 


e  sich  noch 


ingigkftit  von 
»X;cr  zu  vermeiden 
Schritt  würde  darin  beste- 
angef an^en  die  Produktion  von 
!e  :  lektrif izierun.  obligat  sein 
fereinirten  Staaten  würde  wahrschein- 


lich genasen,/ um  der^ösuag  des  I  roblens  zur  internationali- 
sieruno  zu  v/rhclfen  und  dadurch  im  fingen  der  ...enschheit  gegen  * 
eine  ilirer  IcJ^ersUn  Bedrohungen  die  £ünstiLe  latsche idun£  her*« 
belauf  ihre#; Clr^Oer  Industrie  selbst,  die  ebenfalls  ungeheuere  m 
.  cirra  von  I.ohlenä^SE^  mit  nicht  unbedenklichen  .uantit;iten 
von  i.ionoxyd  in  die  A  tmospli^eentladt ,  parallele  radikale  nderun- 
I  cn  i ^hrscheialich  ebenso  dur^^Uhrbar.  Jts  ist  aber  unwahrschein* 

Lch,  d©L  in  naher  Zukunft  eine  1*1  <*er  sein  sird, 

sic\  im  Kampfe  für  das  Gemeinwohl   y&  die  ^inansinteressen  so 
groIeV  richte  hinwegzusetzen«  oder/deren  viderst  Inde  zu  iiber- 
win  en\  ;as  fiele  walirsc heinlich/der  ÖSfC  leichter,  wenn  sie  ein- 

1  so  wHt  wä^ei  in  entschieden  globalen  Belangen  -esetz^eberiscl 
beschliei.en\zu  können  und  in/  ihre  Beschlüsse  auch  die  tenti&ende 
^usführuncst-eWalt  zu  besitzen.  Auf  die  virtuelle  Bedeutung  der 
Vereinigten  ha fcrenen  für/die  großen  internationalen  $mgß* 
kommen  wir  auf   3.  Näiuryck. 

Jeder  weit,  daß  das  Vordringen  und  die  Ausbreitung  von 


4^  ^  tld**<?fiui£^u 


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Pj&l*sit~^M>*v*,  jUu^.       Jjt/L*ÄJl       f  -f^HCj***!**-  j^Ur^h^.  ^^f*^ 


^  *v>  J{e^A^  <L»vf\cZ***  Jhlfi'i/h'f  rjjA.  Cm^AU^ßn^/t.  A^U*  J*, 


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III     >  ^ 

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Db*i  *»/  *^<>  it,X^"  r'^pdfa  <lcX  t~f^~^^i4~jU*jk:    *tU.  Asi#i/Ü»u*h  J^Iaaj^  <%A^$tj/i~  0  i^nn^U^ 

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I        f  lest.  ( 


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Es  ist  nicht  die  Religion  an  sich  und  die  Philosophie  an  sich,  zwischen 
denen  ein  Antagonismus  oder  gar  ein  unüberbrückbarer  Gegensatz  besteht«  Denn 
der  Buddhismus  -zvb-»,  wenigstens  der  ursprüngliche,  ist  eine  atheistische 


Gegensatze  liegen  im  spezifischen  bestimmter  Religionen  und  bestimmter  phi- 
losophischen Systeme, 

Gehen  wir  von  einem  der  kleinen  Gegensätze  aus,  der  sich  jedoch  auf 
das  Ganze  bezieht  und  diel  fundamentale  Methode  zum  Gegenstand  hat» 
Religionen  jeden  Reifegrades  berichten  und  stellen  dar,  erteilen  Befehle 
und  erlassen  Verbote«  Das  Berichtete  und  Dargestellte  soll  geglaubt 
werden,  und  dieser  Glaube  ist  die  hauptsächliche  Forderung  oder  doch  die 
Voraussetzung  für  alle  Vorschriften.  Das  zu  Glaubende  wird  aber  nidit 
bewiesen,  weder  durch  Erfahrungstatsachen  noch  durch  Logik,  und  stützt  sich  nur 
auf  Zeugnisse,  die  keiner  Nachprüfung  zugänglich  sind.  Die  Annahme  des 
Glaubens  erfolgt  auf  nicht-empirischen  wegen  vermöge  nicht-logischer 
psychologischer  Vorgange,  die  jedoch  einem  spiel  überaus  bedeutender 
yräfte  entsprechen.  Das  Festhalten  am  Glauben  und  die  dauernde  Befolgung 
der  Vorschriften  ist^eSn  vorwiegend  kollektives  Phänomen,  an  dem  sowohl  das 
psychologische  Trägheitsgesetz  als  auch  wirtschaftliche  und  politische 
yächte  mitwirken. 

Zwar  ist  auch  die  Philosophie  nicht  ohne  treibende  Kräfte,  die  aus 
dem  sublogischen  stammen;  *jjKt  Uber  Annahme  oder  Ablehnung  ihrer  Lehren 
entscheiden  zuweilen  ebenfalls  emotionale  Reaktionen.  Doch  dasjenige, 
worauf  es  hier  ankommt,  ist  der  Beweis.  Er  kann  mehr  oder  weniger  restlos 
gelingen,  und  selbst  die  Ansprüche  an  einen  Beweis  sind  in  ihrer  strenge 
verschied en^liber  er  ist  es,  auf  den  die  Philosophie  Behauptungen  zu 


Religion,  und  anderseits  waren  manche  der  bedeutenden  Philosophen  gottes- 
gläubig in  einem  mehr  oder  weniger  kirchlichen  sinne.  Die  entscheidenden 


gründen  unternimmt  und  der  jedenfalls  von  ihr  gefordert  werden  kann  und 

gefordert  wird  .Die  Evidenz  ergibt  sich  daher  einerseits  aus  der  tfberein- 

stimsiung  des  vorgebrachten  mit  Erfahrung  und  Logik,  anderseits  aus  der 

Urteilskraft  des  Lesers  oder  Hörers. 

Wir  können  diesen  unterschied  zwischen  Religion  und  Philosophie  einen 

der  kleineren  Gegensätze  nennen,  weil  im  Prinzip  auf  beiden  Wegen  annShemde 

Gleichheit  der  Resultate  denkbar  \v8re.  es  ist  nicht  unmöglich,  daß  die 

unbewiesene  Behauptung  und  die  bewiesene  dasselbe  besagen  .Die  größeren 

Gegensätze  zwischen  den  Religionen  und  den  Philosophien  legen  im  Inhalt. 

Die  Religion  hat  eine  narrative  Grundlage,  und  diese  liegt  philosophischem 

Denken  so  fern,  daß  die  Religion  vermöge  eben  dieses  Motivs  der  Dichtung 

desto  näher  rückt,  je  größer  die  Divergenz  zwischen  Religion  und  Philosophie 

wird.  Der  Philosoph  hat  bescheiden  zu  sein,  und  ist  es  wohl  auch,  indem  er 

nur  im  eigenen  Namen  spricht.  während  die  Religionjb<:J&ej<6eweislosen  Beleh- 
rt    *4*i  liMW*/^iri£) 

rung  •liL-ui'Uuhend^  eieh  auf  die  höchstem  /den  Menschen  immer  erreichenden 
und  für  ihn  unerreichbar^  (fechte  beruft/  Do<h  auch  darin  bildet  der 
Buddhismus  eine  Ausnahme,  da  sein  Stifter  die  Lehre  nur  im  eigenen  Namen 
verkündete,  als  Ergebnis  eigenen  Denkens« 

Die  immense  Literatur  zur  Geschichte  der  Religion  streut  uns  viel 
Sand  in  die  Augen  und  ihre  Hauptwerke  sind  nicht  minder  tendenziös  ge- 
schrieben als  die  der  politischen  Geschichte.  Die  Anfange  der  Reli^on 
sind  nicht  ganz  so  dunkel,  sie  werden  eher  verdunkelt,  denn  unsere  psycho- 
logische Erfahrung  bringt  immerhin  einige  Helligkeit,  wer  erinnert  sich 
nicht  an  Beobachtungen  wie  die  der  Katze,  die  einen  kleinen  Teppich 
fürchtet?  Das  nennen  sie  pananimismus .  es  ist  die  Projektion  der  eigenen 
Lebendigkeit  in  das  Leblose,  der  eigenen  Absichten  und  Fähigkeiten  in 
das  Nicht-ich.  Die  Proportion  zwischen  dem  Projizierenden  und  dem  pro- 
jizierten verschiebt  sich  zu  Gunsten  des  letzteren  wie  die  wachsenden 


Schatten,  so  worden  Dämonen,  und  diese  wachsen  weiter,  von  Scheinerfahrung 
genährt,  werden  zu  Göttern.  Die  Priester,  die  sie  zu  nähren  haben,  nähren 
sich  redlich  mit.  sie  behaupten  von  ihrem  Qott,  er  sei  der  stärkste.  Sobald 
er  im  Wettstreit  der  Götter  alle  andern  machtvoll  überragt,  sodaß  sie  nur 
noch  irgendwo  am  Hände  der  weit  halb  vergessen  dahinleben,  ist  die  stufe 
des  Henotheismus  erreicht.  Schließlich  schwinden  alle  Schatten  und  nur  eine 
einzige  strahlende  Hiesenerscheinung  bleibt  übrig. 

Eine  so  drastische  Vereinfachung  der  Religionsgeschichte  war  notwendig, 
um  endlich  einmal  die  vielen  Komplikationen  auszubalancieren,  deren  Autoren 
enorme  Gelehrsamkeit  aufwenden,  um  aus  jener  Kette  von  Geschehnissen  mit 
ihren  strömen  menschlichen  und  tierischen  Blutes  eine  brauchbare  Vorgeschichte 
ihres  Glaubens  zu  machen,  der,  da  er  ja  die  absolute  Wahrheit  ist,  naturlich 
das  Endziel  der  Entwicklung  bilden  muß. 

Es  ist  schwer  zu  sagen,  ob  es  jemals  einen  von  Massen  getragenen  und  durch 
Generationen  herrschenden  reinen  Monotheismus  gegeben  hat.  Die  Genesis  weist 


deutliche  spuren  protohistorischer>  mesopotamischer  Vorläufer  auiil  Von  ihnen 
mögen  verborgene  Pfade  zu  Pharao  Echnaton,  dem  psalmisten  der  sonne,  führen, 
der  dem) %»sai sehen  Monotheismus  zeitlich  merkwürdig  nahertl ckt.  An  unzähligen 
Stellen  der  Bibel  aber  schimmert  Henotheismus  durch,  Hartnäckiger  als  man 


die  Götter  der  Völker  triumphiert,  doch  ohne  die  von  uns  späten  hineingedeu- 
tete onto logische  Negation  ihres  Daseins,  wenn  ich  nicht  irre,  ist  das  Buch 
jonah  die  erste  anti-henotheistische,  ausgesprochen  monotheistische  Tendenz- 


Das  Christentum  als  Ganzes  ist  keineswegs  eindeutig  monotheistisch, 
'/Ohl  ist  die  Dreizahl  der  Einzahl  näher  als  die  zweizahl,  die  Dreieinigkeit 
vom  ideal  des  j.fonotheismus  weniger  verschieden  ale  der  iranische  Dualismus 
oder  dieser  von  ihr.  Doch  die  Idee  der  Dreieinigkeit,  der  sich  die  Uni  tarier 


zugeben  will,  erhält  sich  die  Vorstellung  von  dem  nationalen  Qott,  der  Uber 


19-20 


4 


in  denkwürdiger  weise  entgegenstellen,  ist  als  solche  nicht  mehr  kon- 
sequenter Monotheismus.  Noch  weniger  sind  es  die  mystischen  Richtungen 
im  Christentum,  die  geduldeten  wie  die  verketzerten  und  verfolgten,  die  von 
pantheistischen  Neigungen  aus  dem  eigentlichen  Monotheismus  hinausgeführt  werden. 
SpinozXjelbst  haTt^ noch~lÜY}der  alten  theologischen  Terminologie  fest,  nur 
seine  Begriffe  sind  anders.  Die  Terminologie  ist  wie  meistens  ein  Kompromiß 
mit  den  Achten  der  zeit,  es  s»f&e  nicht  direkte  Inquisition  «ein,  die  von 
der  Agonie  der  Antike  bis  zur  französischen  Revolution/alle  Denker  unter 
unaufhörlichem  Terror  hielt.  Nur  wenige  Bewunderer  ^anea-gpinoea  und 
aateei^großen  Geister  jener  langen  Epoche  der  Gefahr  sind  sich  darüber 
klar,  daß  die  ganze  Geschichte  der  Philosophie  völlig  anders  aussehen  würde, 
wenn  Alle  so  geschrieben  hätten^  wie  sie  wirklich  dachten  und  wenn  die 
Übermächtige  Zensur  nicht  auch  ihr  Benken  selbst  beeinflußt  hätte j  abgesehen 
von  dem  unvorstellbar/  reichen  Gedankengut,  das  nie  zu  Papier  gebracht  wurde. 
Noch  ein  Mark  Twain  sah  sich  genötigt,  die  Geheimhaltung  seiner  freigeistigen 
Schriften,  von  deren  Existenz  das  Publikum  keine  Ahnung  hatte,,  fUi<-üin  Mfeftft 
^ahrhaedert  testamentarisch  anzuordnen*  «oda£=6l£g=vui  Uf  J uitllüiung  erstb  voi 
kur&mii  uffgUdi  geworden-Ast«  Eine  eigene  Ironie  aber  liegt  darin,  daß  es 
ein  Sohn  des  monotheistisfc  en  Volkes  war,  Spinoza,  der  -nickt-»»  der  ffan- 
zösischen  Revolution  mit  allen  ihren  Ergebnissen  den  Weg  bahnte,  aondcrnf  auch 
das  Ende  einer  Vorstellung  vorbereitete,  die  bis  in  dieses  Jahrhundert 
einen  ansehnlichen  Teil  der  Menschheit  beherrscht  hat. 

Es  ist  die  Vorstellung,  daß  alles  Seiende  von  einem  ewig  seienden  Wesen 
geschaffen  wurde  und  immerdar  von  ihm  geleitet  wird.  Dieser  fundamentale 
Mythos,  dem  das  Judentum  katta>nnch  rmdore  fundamentale  Elemente  hinzugefügt 
hat,  ist  im  Christentum  und  im  Islam  Voraussetzung  ihrer  spezifischen  Mythen 
geblieben.  Bevor  Gott  die  weit  schuf,  war  er  allein^  sobald  er  ihr  ein  Ende 
bereiten  wird,  wird  er  wieder  allein  sein.  Viele  Variationen  dieser  schaurigen 


Vorstellung  finden  sich  in  njystisdien  Traditionen«  Sie  ist  das  Thema  eines 
T$rmnus,  mit  dem  fromme  juden  ihre  tSglidi  en  Gebete  beschließen.  Vielleicht 
steckt  in  dieser  Idee  ein  nicht  ganz  bewußter  Versuch,  den  Dualismus  von 
Gott  und  weit  aufzuheben,  oder  ist  dieser  Versuch  konsequenten  Bemühungen 
dieser  Art  zumindest  affinj  denn  die  weit  erscheint  hier  als  zeitweilige 
Funktion  Gottes,  als  vorübergehende  Auswirkung  seiner  Realität,  die  als 
die  «iJiBigo  aufgefaßt  wird.  Gegenüber  allen  pantheistischen  Richtungen 
fällt  hier  zugleich  Gegensatz  und  Übereinstimmung  auf.  Da  die  pantheisten 
Gott  mit  der  weit  identifizieren,  istAer  es,  der,  auch  wenn  sie  es  nicht 

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zugeben,  seine  Realität  verliert.  Doch~aä^t1emeinsame  ist  die  Aufhebung  der  zweiheit.| 
Beiden  Bestrebungen  mag  ein  Gefühl  für  die  Schwäche  der  naiven  Religion 
zu  Grunde  liegen. 

m  jeder  naiven  Religion  wird  die  Frage  des  Anfangs  zurückverschoben, 
nicht  gelöst.  Es  ist  die  Frage,  der  Atheisten  lieber  ausreichen,  um  nicht 
hören  zu  müssen,  Gott  habe  die  weit  erschaffen,  während  die  Theisten  auf 
die  Frage,  wer  Gott  erschaffen  habe,  immer  nur  zu  wiederholen  wissen,  er 
sei  ewig  und  uner schaffen,  es  ist,  als  wären  sie  die  Gewinnenden  in  einer 
Situation,  in  der  Glaube  gegen  Glauben  zu  stehen  scheint.  Doch  es  scheint 
nur  so.  Denn  die  Annahme,  daß  die  weit  geschaffen  worden  sein  müsse  und 
daher  einen  Schöpfer  voraussetze,  ist  eine  uralte  und  immer  noch  nicht 
genug  untersuchte  Fehlleistung,  die  einer  Scheinanalogie  entstammt. 
Alle  Finder  beobachten  von  je  her,  daß  der  Tischler  den  Tisch  bewirkt. 


die  sonne  das  rieht,  der  Vater  den  Sohn,  aus  diesem  Ursprung  der  Einzelerscheinungen^ 
ziehen  Kinder  selbst  in  vorgeschrittenem  Alter  und  trotz  hoher  Gelehrsamkeit 
den  Trugschluß,  auch  die  summe  alles  Einzelnen  habe  einen  Erzeuger.  Es  ist 
aber  ungemein  schwer  und  erfordert  hohe  Reife,  den  sich  derart  aufdrängenden, 
u.zw.  uns  von  einer  verfehlten  Erziehung  aufgedrängten  Trugschluß  loszuwerden 
und  dessen  Überwindung  mit  der  Erkenntnis  zu  beginnen,  daß  die  für  die  Einzel- 


zu**«™ 


kMA \M+  ""'oM  -*6>*3**% 


A 


wesen  richtige  Beobachtung  für  das  weit ganze  durchaus  nicht  zutreffen  muß» 

Und  sich  ferner  zu  vergegenwärtigen,  daß  nicht  nur  keine  Notwendigkeit, 

sondern  auch  keine  Berechtigung  ft£r  eine  solche  Anwendung  auf  das  Ganze 

gefunden  oder  von  irgend  etwas  abgeleitet  werden  kann.  Erst  die  Befreiung  von 

der  Notwendigkeit sannahme  ermöglicht  uns,  die  logische  Absurdität  der 

Übertragung  einzusehen,  wenn  das  Sein  an  sich  einen  Anfang  hätte, 

könnte  dasjenige,  welches  es  geschaffen  hat,  auch  nur  als  seiend 

vorgestellt  werden,  müßte  also  dem  sein  angehören,  die  Welt  oder  ein 

Teil  von  ihr  sein,  was  der  Negation  des  Schöpfungsbegriffes  gleichbedeutend 

wärej  oder  raUßte  dasjenige,  was  das  sein  geschaffen  hat,  selbst  nicht  sein, 

wodurch  sich  die  Verneinung  des  Schöpfungsaktes  auch  auf  dem  umgekehrten 

HP  ergibt,  so  fällt  die  Idee  eines  Anfangs.  Mit  der  falschen  Prämisse  W^V^^^j^ 

ist  auch  jene  fundamentale  Fragestellung  aufgehoben  und  die  Religion 

verliert  ihr  metaphysisches  Kernstück.  W 

Das  ist  das  wort  der  Logik,  doch  nur  der  Logik.  ftbeg-bald  wird  die 


"muß- 


Frage  auftauchen,  ob  die  Logik  das  letzte  Wort  haben  2HnS~"öäeTr  ob  sich  -w^y 
menschlichem  Geist  noch  irgend  eine  andere  Möglichkeit  erschließen  könnte, 


eine  nicht  unlogische,  doch  nichtlogische.  2U 

Eine  andere  Schicksalsfrage  der  Religion  ist  die,  wo  Gott  sei.  Die 
Gottheit  kann  sich  nicht  in  der  Welt  befinden,  denn  das  wäre  degradierend 
und  mit  den  proklamierten  Eigenschaften  Gottes  unvereinbar,  da  die  weit 
so  viel  Böses  und  unreines  enthält;  es  ist  das  Dilemma,  an  dem  auch  der 
Pantheismus  leidet.  Eine  Lokalisierung  Gottes  außerlialb  der  Welt  wird 
anderseits  besonders  schwer,  wenn  man  deren  Unendlichkeit  annirnnt.  Auch 
verliert  die  Idee  des  Wirkens  Gottes  in  der  weit  im  Falle  seiner  extramundanen 
Existenz  den  letzten  Rest  ihrer  Anschaulichkeit,  d.h.  ite  ihrer  psychologischen 
Wirksamkeit.  Gerade  dem  primitiven  Raumsinn  des  einfachen  Menschen  läuft  ein 
solches  Außerhalb  zuwider.  Die  Schwierigkeit  wächst  noch  angesichts  der 


zahllosen  Anthropomorphismen,  die  der  Vorstellung  von  Gott  bis  in  die 
gegenwart  anhaften  und  für  den  Durchschnittsmenschen  kaum  jemals  von  ihr 
ablösbar  werden  können.  Die  christliche  Kunst  hat  an  der  Konservierung  des  auf 
der  Kindheitsstufe  ganz  natürlichen, platt  anthropomorphen  Gottes  einen 
Tjauptanteil.  Das  Bedürfnis  nach  Lokalisierung  wird  aber  umso  zwingender, 
je  sinnfälliger  die  alte  Menschenähnlichkeit  ist.  Anderseits  wird  es  immer 
schwerer,  in  dem  schon  ein^fee^H«Öen  durchforschten  Kosmos  einen  noch  in 
Betracht  kommenden  platz  zu  finden.  Ein  russischer  Astronaut  sagte  es 
ziemlich  grob,  er  habe  unterwegs  keinen  Gott  entdecken  können,  im 
Rahmen  der  primitiven  Materialität  der  üblichen  Fragestellung  wird  eine  befriedigende 
Antwort  auch  nie  zu  finden  sein. 

Nun  haben  gegenüber  den  frommen  Blicken  nach  oben  Einige  immer  schon 
auf  das  menschliche  Herz  verwiesen,  in  dem  Qott  -wohne.  Ein  solches  Gefühl, 
doch  veredelt,  durchdacht  und  vertieft,  ist  zur  Grundlage  einer  neuen  und 
Überaus  belangvollen  Bewegung  geworden.  Doch  vor  ihr  Trollen  wir  des  ölmmenismus 
gedenken,  von  dem  die  geistige  Selbständigkeit  unserer  zeit  kraftvolle 
Impulse  empfangen  hat. 

Ökumenismus 

Das  zweite  Vatikanische  Konzil,  das  von  Johann  XXIII«  eröffnet  und  von 
Paul  vi.  geschlossen  wurde,  hob  die  Starrheit  der  römisch-katholischen  Kirche 
auf  und  bcaoitig%e  den  fü^i  früher  als  unabänderlich  ge£t$Bgea*  zustand, 
der  sie  zu  einem  Synonym  der  Reaktion  und.  zn  einer  der  unmenschlichsten 
Nächte  auf  Erden  gemachthatte^/S^chon  daß  Johann  XX  III«  trotz  dem  -ee±tr-i§?0- 
geltenden  Unfehlbarkeitsdogma^^  überhaupt  einberief,  war  ein  Echo  der 
Demokratie.  In  seinem  Verlauf  war  das  Konzil  nichts  weniger  als  eine  Farce, 
denn  die  Bischöfe  hatten  mit  einander  zu  ringen  und  -de**  papste  hatte^es  oft 
schwer  genug,  ausgleichend  einzugreifen,  Nichtkatholiken  und  später  auch 
Frauen  waren  als  Beobachter  eingeladen.   Die  monolithe  Einheitlichkeit  war  also 


vorbei,  eine  yehrzahl  von  Richtungen,  die  einander  nicht  verketzern,  sondern  als 
legitim  anerkennen,  war  manifest« 

Dem  mitgehenden  Liberalismus  der  Prozedur  entsprachen  die  Ergebnisse  nicht 
ganz,  doch  um  gerecht  und  realistisch  zu  urteilen,  müssen  -wir  uns  vor  Augen  hal- 
ten, -wie  groß  die  zurückgelegte  strecke  dennoch  war  und  welche  Stärke  der 
steinharte  widerstand  besaß,  der  immerhin  teilweise  überwunden  wurde.  Als 
es  z.B.  darum  ging,  nicht  nur  die  Juden  von  heute,  sondern  auch  die  der 
Zeit  Christi  von  der  mörderischen  Beschuldigung  des  Gottesmordes  endlich 
freizusprechen,  waren  es  die  arabischen  Bischöfe,  gegen  die  nur  ein  Kompromiß 
durchzusetzen  war.  So  stießen  in  allen  prägen  sehr  konkrete,  keineswegs  nur 
religiöse  Interessen  zusammen,  und  brennende  Fragen  mußten  ungelöst  bleiben, 
wenn  vitale  Interessen  der  Kirche  auf  dem  Spiel  standen.  Die  teilweise  Er- 
setzung der  lateinischen  Liturgie  durch  eine  in  Landessprachen  übersetzte 
war  überraschend  genug,  aber  nichts  war  so  neu  und  kühn  wie  die  prinzipielle 
Annahme  der  Idee  religiöser  Toleranz. 

ist  das  die  end giltige  Absage  an  Scheiterhaufen  und  polterung  ?  Alier 
Wahrscheinlichkeit  nach  haben  nicht  nur  die  beiden  Päpste,  sondern  auch  die 
meisten  Häupter  des  Klerus  das  ehrlich  gewollt.  Was  beinahe  als  Beweis  für 
die  Echtheit  der  Absicht  gelten  kann,  ist  die  logische  Verbindung  zwischen 
der  vjendung  zur  Toleranz  und  dem  Hauptziel  des  Konzils,  der  christlichen 
Einheit.  ^*efcriij^r--keha«t  Unsere  Erinnerunj^gu  der  langen  Kette  der  Kriege 
von  Christen  gegen  Christen  im  Namen  des  i§Bristentums  zurück,  und  zu 
schonungslosem  Hassenmord  ffa*  dogmatischer  Verschiedenheit.  Die)  Distanz 
zwischen  der  Idee  der  Einheit  durch  Unterdrückung  oder  Ausrottung  und  der 
Idee  einer  freiwilligen  Einheit  selbstbewußter  und  unbeugsamer,  doch  ein- 
sichtiger Verhandlungspartner  ist  entscheidend,  nicht  nur  die  präge,  wie 
weit  die  Bemühungen  um  EinheiVgediehen  sind,  und  die  christliche  Einheit 
als  Postulat  könnte,  heute  trotz  dem  Konzil  noch  utopisch,  irgendwann 


\f{u        Wr^  j/W^  ^  A/S  <<W  ^xJj^M  wUtU^Mi^ 


zu  noch  viel  höherer  Bedeutung  gelangen,  sie  wird  zwar  schwerlich  jemals 

zum  Kern  für  die  Einheit  der  Menschheit  werden  können,  aber  -^cne.  um  so  vieles 

wichtigere  Einheit  könnte  aus  <*sy£rr^tigung  schöpfen, 

Leute,  die  immer  dann  auftauchen,  vrenn  es  gilt,  eine  monumentale  Sache 
durch  Verkleinerung  der  Motive  zu  bagatellisier en^h^tten  im  Stadium  der 
Vorbereitung  behauptet,  die  i  eigentliche  treibende  Kraft  sei  die  Furcht 
vor  dem  Köm"iinismus  •  Dieser  Versuch  scheint  nirgends  eine  ernste  Diskussion 
hervorgerufen  zu  habea.  Aber  auch  wenn  er  seine  Berechtigung  hatte,  wollen 
wir  uns  an  Saul  erinnern,  dem,  als  er  Eselinnen  suchte,  das  Königtum 
zuteil  -wurde. 

So  ist  der  Ökumenismus  zum  Symbol  geworden,  zu  dem  der  unbestreitbaren 
Manifestation  guten  willens,  wo  sie  am  schwierigsten  war  und  ganz  und  gar 


nicht  erwartet  wurde«  ^ 
Ein  versuch  Uber  Religion  und  Philosophie*:  ^s, 


Die  Wendung  im  Katholizismus  war  wie  ein  Auftauen  des  dicksten  Eises, 


das  dem  schmelzen  dünnerer  Schichten  in  andern  Gegenden  gefolgt  und  von 
Um 


begleitet  war,  der  gleichen  BPaofeoiiTOng  aber  auch  jyorauo 


Das  wasser 

dieses  ehemaligen  Eises  bringt,  um  im  Bilde  zu  bleiben,  Freude  den  sterblichen, 
mehr  als  das  der  Flusse,  die  inner  lebendig  waren,  weil  wir  der  Änderung  zum  Quten 
höhere  Bedeutung  beizulegen  neigen  als  dem  Quten  selbst,  so  wollen  wir  nun  nicht 
Meistern  der  voraussetzungslosen  Philosophie  huldigen,  sondern  Kir chenmännern,  * 


die  ein  schweres  Joch  zu  brechen  hatten  und  es  brachen 


Statt  einer  Reihe  von  Denkern,  die  annähernd  gleichen  zielen  zustreben,  ~f 
seienyydrei  genannt,  deren  sittliches  und  gedankliches  Verdienst  es  berechtigt 
erscheinen  läßt,  die  ihnen  gemeinsamen  ideeTBh  hervorzuheben*  deutschen 
protestantischen  Theologen  paiQr  Tillich  1)  und  Dietrich  Bonhoeffer  2)  und 
der  Anglikaner  John  a.T«  Robinson,  der  Bischof  von  woolwich  3>.  Der  Leistung  ^ 
Bonhoeffer  ^B^a^yp^nker^ gesellt  sich  3ein  Leben  für  Wahrheit  und  Menschlichkeit 


und  sein  Martyrium*  kurz  vor  dem  Ende  des  Britten  Reiches  Wirde  er  für 
aktive  l^ilnahme  an  der  ^derstandsbevregung  in  einem  *pnzentrationslager 
gehängt. 

Wenn  jemand  zu  der  pessimistischen  Meinung  neigte,  die  großen  Geistes werke  der  ifcf 
Vergangenheit  seien  in  der  Gegenwart  ohne  K>rtsetzung  geblieben,  so  würden  schon 
der  :(<ut,  die  Hingabe  und  die  Selbstlosigkeit  solcher  ansehen  genUgen,  ihn 
eines  bessern  zu  belehren«  Es  war  ein  schweres  Hingen,  in  dem  sie  sich  von 
einer  machtvollen  Glaubens tradition  befreiten  und  zugleich  in  ihr  nach  einem 
Kern  gruben,  den  sie  bewahren  könnten.  Diese  Synthese  von  gedanklicher  Voraussetzung^ 


losigkeit  und  gefühlsmäßiger  inurzelhaftigkeit  und  Treue  scheint  sicherlich 


wllrdig,  im  icantlochcn  Qimio  a  s  Vorbild  zu  gelten ^ 

r>as  Um  und  Auf  dieses  Ringens  ist  der  Qottesbe griff,  mit  desTja^die1 
meisten  theoretischen  und  praktischen  Konsequenzen  stehen  und  fallen. 
Zunächst  muß  anerkannt  -werden,  daß  keine  Philosophie  in  d>  r  il&iterung 
dieses  Begriffes  "weiter  ging,  wofern  sie  ihn  nicht  aufhob,  nicht  nur  daß 
er  von  allen  Resten  anthropomorpher  Kindereien  befreit  wird  wie  von  vermoder- 
ten Kleidern«  Gott  ist  keine  Person  mehr  und  hat  keine  Eigenschaften  einer 
Person,  -weder  die  einer  realen  noch  die  einer  gänzlich  idealisierten  Person, 
Ebensowenig  wird  er  im  pantheistischen  sinne  dem  Weltbegriff  einverleibt« 
Er  -wird  zum  Urgrund  unseres  Seins,  ist  dessen  Tiefe,  Dadurch  aber  •wird  er 
nicht  minder  real,  sondern  -wird  zur  eigentlichen  Realität, 

Diese  Autoren  sind  Christen  und  -wollen  es  bleiben.  Damit  begännt  ein 
neues,  noch  schwereres  Ringen,  aus  dem  Christus  als  der  leidende,  liebende, 
für  Andere  lebende  ?"ensch  hervorgeht,  Vorbild  und  Wegweiser  innerhalb 
dieser  ifelt  v&e  sie  ist,  4&r  ^rimernJJSfi  nun  an  die  tragische  Größe  des 
Van  Gogh,  der  damals  als  Priester  der  Bergleute  scheitern  mußte,  weil 
seine  ganze  Kirche  gegen  ihn  war.  Das  neue  Postulat  ist  ein  Christentum, 
das  nicht  Religion  ist.  Die  vor  einem  üenschenalter  noch,  überraschende 


Differenzierung  zwischen  Religion  und  Religiosität  hatte  Martin  Buber  in 
seiner  prühzeit  betont,  es  ist  eine  denkwürdige  Ver?drklichung  der  Idee  einer 
religionslosen  Religiosität,  der  -wir  nun  begegnen, 

Kit  zustinrung  oder  Ablehnung  ist  es  da  gewiß  nicht  getan.  Auf  die  meta- 
physische und  logische  Schwäche  des  traditionellen  Qottesbe griff es  mit  seiner 
Kosmogonie,  die  lang  genug  als  seine  stärke  gegolten  hatte,  haben  ^^hingewiesen . 
jene  Schwäche  wird  nun  zum  ziemlich  genauen  Negativ  der  stärke  des  neuen 
Gottesbegriffes,  und  dieser  ist  so  groß,  daß  wir  unwillkürlich  die  Enge  der 
bisherigen  Terminologie  entdecken  und  es  nicht  mehr  notwendig  noch  adäquat  finden, 
den  Urgrund,  die  tiefste  Realität,  Gott  zu  nennen.  Tillich  gibt  die  ünvollkom- 
menheit  des  altehrwUrdigen  lortes  mit  benmindernswertem  Freimut  zu#  Erst  jetzt 
ist  der  Theismus  zum  ersten  Mal  von  innen  her  wirklich  besiegt. 


Wer  aufhört,  einen  Namen  anzubeten,  der  sein  ideal  nicht  mehr  zu  wahrem 
Ausdruck  bringt,  wird  sich  nicht  scheuen  dürfen,  auch  dei^eigenetf  NäSetTzu^ 
ändern.  Der  ehemalige  Theistywlrd~sich  nicht"  Itheist  nennen  müssen,  aber 
können.  Durch  Jahrhunderte  hat  dieses  wort  den  Üblen  Geruch  der  Beschuldigung 
und  den  Blutgeruch  der  Verfolgung  eingesogen;  nun  wird  es  immer  Öfter  mit 
Sympathie  und  Achtung  ausgesprochen,  denn  man  lernt  nach  und  nach,  Überzeu- 
gungen zu  ehren,  unter  der  einzigen  Voraussetzung,  daß  sie  echt  sind^.  was 
mich  selbst  betrifft,  bekenne  ich  mich  nicht  zum   Atheismus,  u.zw.  mit 
folgender  Motivierung  j 

Außer  dem  bekannten  unterschied  zwischen  Theismus  und  Atheismus  besteht 
zwischen  ihnen  auch  eine  ungemein  wichtige  Gemeinsamkeit.  Beide  beruhen  auf 
einem  Axiom,  das  fortgesetzte  Prüfung  ausschließt  oder  den  Verzicht  auf 
Prüfung  einschließt.  Beiden  fehlt  also  die  Voraus setzungslosigkeit,  die 
das  philosophische  Denken  von  populären  mentalen  Vorgängen  unterscheidet, 
im  philosophischen  Denken  ist  jeder  Schluß  zugleich  ein  Anfang,  et  eröffnet 
neue  Möglichkeiten,  auch  die  seiner  Aufhebung,  was  Theismus  und  Atheismus 
"setzen",  labt  polgerungen  nur  darin  zu*  isisfcnr  sie  dem  a  priori  Gesetzten 


nicht  widersprechen.  Beide  sind  infolgedessen  im  Gründe  Glaubenslehren. 

Der  Sinn  der  Überwindung  eines  Glaubens  kann  nur  die  Erlangung  höherer 
Freiheit  sein.  Der  Übergang  von  einem  Glauben  zum  andern  ist^nur  die  Ver- 
tauschung einer  Unfreiheit  mit  einer  andern. 

Zu  dieser  logischen  Gewißheit  kommen  die  folgenden  Erwägungen \  seit 

langem  haben  viele  Denker  auf  die  Grenzen  unseres  Wissens  hingewiesen. 

m  ist  aber  nicht  nur  die  hohe  Wahrscheinlichkeit,  daß  die  Zeitspanne,  die 

sie 

der  Menschenrasse  noch  übriggeblieben  sein  mag,  auch  wenn  nicht  durch 
eine  selbstverschuldete  Katastrophe  vernichtet  werden  sollte,  nicht  ausreichen 
vdlrd,  um  mit  den  bestehenden  oder^noch  vielfach  verbesserten  idtteln 
alles  Seiende  einschließlich  des  eigenen  Daseins  zu  erforschen  und  jemals 
zu  annähernder  Allwissenheit  zu  gelangen,  selbst  ohne  Berücksichtigung  der 
historischen  Erfahrung,  daß  Fortschritte  des  Dissens  durch  Rückfälle  immer 
wieder  aufgehoben  werden.  Es  sind  vielmehr  die  ererbten^  unsere  Natur  und 
Konstitution  bildenden,  (trotz  den  wundern  der  Hypnose  und  anderen  möglichen^) 


oder  verstellbaren  Ein^iffe^Eicherlich  unverrückbaren  Vorbedingungen 
unseres  Denkens,  aus  denen  sich  dessen  Endlichkeit  und  Begrenztheit  im 
Sinne  einer  erkenntnistheoretischen  Tatsache  ergibt.  *  A  kU^,  U^J^u^ 

>     Wl*j4y  A^V4^  *tti  Jv^v-  <JM*a 

Da  unser  Rissen  also  partiell  und  daher  relativ  bleiben  muß,  haben  <  'V*U 

wir  uns  dieses  umstände s  bewußt  zu  werden  und  aus  ihm  eine  unausweichliche 
Konsequenz  zu  ziehen j  paß  dasjenige,  was  uns  notwendig  unbekannt  bleibt, 
das  lichtigste  sein  kann,  dem  gegenüber  das  Erkennbare  unwichtig  sein  mag. 
?*»ee*»e /t&kermvnls  wird  somit  untrennbar  von  einem  Fragezeichen  begleitet. 
Wenn  «e  manche  unserer  Erfahrungen  und  Vorstellungen  in  uns  eine  Ahnung  A">f, 
von  iJu'uüy^gujtteja:  hervorruft,  deren  Entstehung  sich  unserer  introspektiven 
Beobachtung  entzieh"^  hindert  uns  nichts,  diese  Ahnung  als  Ref  l^>dLon   des  4»/, 
Unerkennbaren  zu  deuten  und  diese  Deutung  auf /Ahnungen  aller  Art  auszudehnen. 

Daß  wir  der  als  Ahnung  bezeichneten  vagen  Vorstellung,  die  zuweilen  von 


intensiven  Emotionen  bereitet  ist,  eine  so  bedeutende  Funktion  zuerkennen, 
ist  sicherlich  eine  weitgehende  Einschränkung  der  Schätzung  des  lissens. 
Aber  sie  ist  notwendig  und  überdies  nützlich,  denn  virtuell  erweitert  sie 
unseren  Horizont,  vervielfacht  unseren  Sinn  für  Möglichkeiten,  Erst  die 
Offenheit   für  diese,  ihre  Einbeziehung  in  unser  Vorstellen  und  Denissen, 
ist  voraus  setzungslosigkeit  und  daher  Freiheit,  äff  nennen  diese  Denkungs- 
weise  oder  diese  Gesin  ung  agnostisäh.  Die  Benennung  sw3±e»  auch  m&  nicht 
überschätzen,  sondern  bereit  bleiben,  sie  durch  eine  bessere  zu  ersetzen, 
Atari*.  vr>r:  nicht  etwa  de*  Kult  eines  Häsens  aus  der  preiheitrin  dxe  Bindung 
eines  Glaubens  su»6cfc£Uhr^^^A4^^- 

Doch  in  jenes  unbekannte  dürfen  wir  alle  unsere  qeftthle ^^jizieren 
und  es  in  uns  selbst  suchen,  in^nser^p  subjel^aä**  Objekt,  oder  in 
unserer  Subjekt-Ob j eki>- Identität .  wir  dürfen  es  vor  allem  als  die  -wahre 
Realität  verehren  und  es  in  einer  weise  erleben,  die  nicht  das  religiöse 
Erlebnis,  aber  ihm  -«ftöäog  ist.  Die  Beziehung  zu  diesem  unbekannten  Törd 
unwillkürlich  als  unsäglich  kostbar  und  zentral  wichtig  empfunden.  Der 
Denkende  ist  sich  ihrer  Irrationalität  voll  bewußt.  Für  irgend  einen 
Formalismus  ist  indieser  Beziehung  so  wenig  platz  wie  in  der  Beziehung  des 
menschen  zu  sich  selbst.  Hingegen  laßt  sich  mit  aller  Deutlichkeit  beobachten, 
daß  sie  auf  das  übrige  Leben  bestimmend  einwirkt,  es  veredelt  und  die 
Beziehungen  zu  allen  Objekten  vertieft,  denn  es  ist  als  wurden  diese  das 
Unbekannte  widerspiegeln  oder  symbolisieren.  So  wird  auch  Liebe  zu  einer 
Ausvjirkung  der  Verbindung  mit  dem  unbekannten. 


rjun  kann  ich  auf  die  unkirchlichen  icLrchenmänner  und  auf  meine  Bewunderung 
für  sie  zurückkommen.  Abgesehen  von  •fticmlich  schwach-  ausgefallenen  Versuchen, 
ihren  neuen  Qottesbe  griff  durch  Berufung  auf  das  Neue  Testament  mit  dem  des 
frühesten  Christentums  zu  versöhnen,  bekennen  sie  sich  mit  edlem  Freimut  zu  einer 


Metaphysik  ohne  Gott,  und  sie  tun  es  um  jeden  preis  und  unter  jeder  Gefahr, 
heroisch  nach  innen  und  außen,  und  es  unterliegt  keinem  zweifei,  daß  sie  -von 
Anbeginn  aSe  Konsequenzen  bedacht  haben,  auch  die  in  ihren  Schriften  nicht 
ausdrücklich  ermahnten •  Die  erste  Konsequenz  müßte  an  sich  der  Wegfall  jedes 
Zeremoniells  sein,  doch  wenn  man  nur  ein  wenig  die  Bedeutung  des  Ritus  für 


jede  Kirche^Ln  ErWagung  zieht,  versteht  man  die  manifest  widerspruchsvolle 
Hot  des  iieeres,  das  auf  sein  Wasser  verzichten  und  doch  ifeer  bleiben  soll. 
Dieser  Vergleich  ist  schwerlich  übertrieben,  wenn  wir  in  Betracht  ziehen, 
daß  es  ja  auch  außerhalb  der  Religion  kaum  Gemeinschaften  ganz  ohne  Riten 
oder  rituelle  Elemente  gibt.  Fortgesetzte  Pflege  des  überkommenen  Ritus 
gliche  fetischistischer  Zärtlichkeit  für  ein  Gewand,  das  einmal  einen  lieb- 
liehen  Körper  bekleidet  hat.  Ein  neuer  Ritus  wäre^ein  neues  Gewand,  das  in 
keiner    eise  an  jenen  Körper  erinnertl^Das  hieße  also  eine  Gemeinde  ohne 
Vergangenheit  gründen,  was  ein  immerhin  mögliches,  doch  ziemlich  unsicheres 
Unterfangen  wäre»  Ein  Kompromiß  würde  wohl  auch  die  Nachteile  beider  Extreme 
verbinden« 

Hie  schwerwiegend  der  Verzicht  auf  den  Ritus  sein  muß,  geht  einfach  aus  dem 
^lÖSs^^^hervor,  daß  es  bisher  keine  Religion  ohne  ihn  gegeben  hat,  et  ist  die 
Bestätigung  der  Glaubensinhalte,  die  Betätigung  des  Glaubens,  die  ^derspie- 
gelung  und  i'dederholung  der  unter  schauem  der  Angst  und  der  wonne  vorgestellten 
Vorgänge,  die  symbolisch  in  gesetzmäßigem  Rhythmus  wiederkehrende  Deutung  des 
Daseins,  durch  die  der  einfache  mensch  einen  Anteil  am  Göttlichen  erhalt,  sodaßW 
durch  die  Symbolhandlung  «ftefe  zu  einer  gewissen  Heiligkeit  emporrückt.  Die  rhythmisch 
wiederholten  entsühnenden  Handlungen  befreien  ihn  zugleich  von  seinen  in  entspre- 
chendem Rhythmus  angesammelten  Schuldgefühlen,  Die  Bindung  an  das  Göttliche, 
die  er  freiwillig  zu  vollziehen  glaubt,  ist  ihm  eine  reiche  quelle  der  Beruhigung,  DbM 
des  Gefühles  der  Sicherheit,  erhöhter  Selbstachtung.  Der  Versuch,  eine  Gemeinde 
unter  Verzicht  auf  Etanxsfcfeais  die  yagie  des  Ritus  umzubauen,  ist  also  eines  der 


Wagnisse,  deren  Aussichten  angesichts  der  präzedenzlo sigkeit  kaum  prognostizier- 
bar sind. 

Doch  4frb-^3r-r*lc!?«ft  Ritus  und  sugloigh  au  oh  «ttQui'lwlb  seiner  ein  Faktor 
von  einzigartigen  menschlichem  ^ert^aer  durch -die  furchtlose  Revision'  oder 
Revolution  W8 gf al-lon/^^T^15  Gehet,  indem  diesem  sein  ziel  genommen  ist  und 
der  Adressat  zu  einem  ortlosen  und.  zugleich  im  Reilssuchenden  selbst  anlesenden 
Prinzip  wird,  v>jj?4--i^^nsankeit.  des  Tifanqohon  noch  vertieft.  Auch  flir  den 
mit  der  Religion  nur  lose  und  gelegentlich  Verbundenen  Yiird  eine  letzte 
Zufluchtsstätte,  die  ihm  in  größter  ?jot  noch  offen  stand,  unerbittlich  geschlossen, 
als  hätte  er  als  Reicher  aufgehört,  arm  zu  sein  oder  wäre  als  srviachsener 
'.Tier  Va'ter^ist  ihm  genommen,  er  kann  sich  nj 


nicht  mehr  an  ihn 


kein  Tind  mehr.  Der  Väter"1  ist>  inm  genommen, 

wenden.  Auok  vom  kleinen  Hann  *4ä?d- e53^  gewiooer  Heroismus  verlangt.  Erhöhte 

Menschlichkeit  muß  das  ins  Abstrakte  entschwundene  Göttliche  ersetzen. 

Die  menschliche  Deutung  der  Qcwfralft  Christi  erfährt  durch  ihre  kurze 

VcrgescMch^eJvlnder  Gemeinde  der  unitarier  und  der  mit  ihnen  vereinigten 

e 

Universalisten,  sicherlich  Ermutigun.g.  in  ihren  dem  Mittelalter  am  -fitesten 
entrückten  ,rirchen  kennte  die  alte  Ikonographie  nicht  weiter  gepflegt  und  das  zur  ähJs 
Anbetung  auffordernde  Rild  mußte  aufgegeben  werden.  ?.ras  sollte  nun  im  Gebäude 
einer  den  menschlichen  Kern  des  ursprünglichen  Christentums  wahrenden 

I  anderseits  einer  stark  visuellen  Kultur  angehörenden  Kirche  die 
Stirnband  einnehmen,  welches  votiv  sollte  den  Blicken  begegnen,  die 
fniher  den  machtvollen  Darstellungen  im  Altarraum  und  in  der  Apsis 
zuge-.eniet  waren  ?  Die  glücklichste  TjSsung  war  -wohl  die  pißwaschung, 
der  zum  echten  Menschen  gewordene  Gott,  der  nicht  mehr  kniefällig  und 
in  Zerknirschung  angebetot  sein  will,  sondern  selbstlose  liebe  gibt. 

noch  in  »eiterer  Ferne  erwachsen  aus  so  ergreifender  Vermenschlichung 
neue  Probleme,  obzwar  das  Tlebnis  des  menschlichen  Christus  tiefer  sein 
muß  als  das  seiner  Apotheose,  ist  dieses  rrlcbnis  nun  auf  sich  selbst 


gsatellt«  der  neue  Christus  ist  auf  die  eigene  Kraft  angewiesen,  die  einst 
libermächtige  Autorität  schützt  ihn  nicht  mehr,  seine  Stellung  als  mensch- 
liches Vorbild  hebt  seine  Einzigartigkeit  auf.  Für  den  zugleich  von  andern 
menschlichen  idealen  usiworbenen  Menschen  ist  Christus  mit  der  Idealität 
einer  Hehrzahl  von  Reli^p-onsstiftern,  Genies,  Propheten,  Heiligen  'und 
Märtyrern  in  jettbewerb  getreten. 

Diese  Position  ist,  wie  die  gesam&e  Konzeption,  für  den  am  höchsten 
entwickelten  Leser  und  Hörer  gewiß  nicht  nur  anaehnibar,  sondern  ungemein 
anziehend,    de  aber  aus  andern  Aspekten  des  Problems  bereits  klar  geworden 
ist,  nimmt  sie  dem  einfachen  Mann  weit  mehr  als  sie  ihm  gibt,  0?  verliert  seinen 
unfruchtbar  gewordenen,  doch  noch  ziemlich  festen  Boden  und  gerät  in  einen 
leeren  Raum,  in  dessen  Schwerelosigkeit  er  weniger  zu  Hause  ist  als  der 
Astronaut,  so  ist  das  gesamte   rgebnis  zunächst  eine  Lerne  für  eine  Minder- 
heit, deren  umfang  undefinierbar  bleibt  solange  die  Ansprüche  an  eine  solche 
Auserlesenheit  nicht  präzisiert  sind.  Bis  dahin  können  wir  uns  unter  dieser 
Minorität  nur  eine  dünne  intellektuell«  Oberschicht  vosteilen,  gefolgt  von 
verwirrten,  haltlos  gewordenen,  durch  die  Bedingungen  des  ifasehinenzeitalters 
ihrer  geistigen  Bodenstänaigkeit  beraubten  einfacheren  Leuten, 

ie  Gesellschaft  aber  bedarf  einer  praktischen  Lebenslehre,  einer  harten 
und  belas tun gs fähigen  Gebrauchs ethik,  und  eine  solche  kann  nicht  auf  reine 
Einsicht  gegründet  sein,  sondern  verlangt,  um  verbindlich  zu  sein  und  zu 
bleiben,  eine  gewisse  autoritative  stütze,  ohne  eine  solche  muß  es  viel 
schwerer  werden  als  es  dem  jungen  David  ging,  der  Goliath  gegenüberstand, 
enn  wir  in  Betracht  ziehen,  dai^trotz  dem  wenn  auch  unterirdisch  in  jeder 
Epoche  vertretenen  ift'Gidenkertum  sich  so  lange  halten  konnte,  u.zw.  gewiß 
nicht  durch  ihre  brutale  nacht  allein,  muß  ihr  Bau  zumindest  einem  Teil 
der  allgemein  menschlichen  Bedürfnisse  ent spre eben ,J/{us  denjenigen  Elementen, 


die  unsere  TP  gilt  mit  besonderer  Entschiedenheit  ablehnt,  bt?s»#-s±e  offenbar  ^S&X 
den  Hauptteil~c^  Energien  ihrer  .Selbst  er  haltung. 

T)e>  tjmschwung  der  sich  heute  sowohl  ideologisch  als  auch  methodisch 


vollzieht 


C^&T  *yp*cje;  l^i&Ut,  »^f->0~*~  j^MU^p^) 


nicht  weniger  revolutionär  als  das  Christentum 


in  statu  nascendi  war.  Das  aufgubauoncfo  Christentum  wird  aber  seine  U*Syt 

Bestatigiui^nicht  durch  theologischen  Disput  erfahren  können,  sondern 

durch  eine  den  veränderten  Bedürfnissen  entsprechende  Praxis,  iiier  liegt 

mrf  die  eigentliche  Schicksalsfrage,  ifs  neue  Christentum  könnte  sich 

vielleicht  durchsetzen,  wenn  es  dem  vowurf  des  Atheismus  nicht  theologisch 

oder  durch  sonstige  Versuche  theoretischer  s&wctixr  begegnete,  sondern 

tätig,  durch  die  von  seinen  Autoren  selbst,  besonders  von  Bonhoeff er, 

angekündigte  Pragmatik.  TU  cht  einem  Gott  des  Tnterstelarraumes  noch 

einem  Gott  des  Kir oheninnern  ,^ sondern  demjenigen,  der  mit  den  Menschen 

mitten  im  £Lend  dieses  Lebens  leidet,  sollen  seine  neuen  Priester  dienen. 

r 

Da  solche  Priester  in  beachtensvrerter  Anzahl  noch  nicht  vohanden  sind, 
n&^Q5elbst^  sollten  gesünder  und  glücklicher, 

aber  nicht  weniger  selbstlos  sein  wollen  als  Van  GOgljfcSVUJt  • 

"^he  wir  zu  einer  Zusammenfassung  gelangen,  werfen  wir  einen  Blick 
hinüber  in  die  kommunistische,  zumindest  theoretisch  religionslose 
Gesellschaft,   odurch  hält  sie  den  Kräften  der  Zersetzung  stand  ? 

enn  diese  in  ihr  schwächer  sein  sollten  -  warum  sind  sie  es  ?  und 
mit  welcher  Kraft  begegnet  sie  ihnen  ? 

Offenbar  ist  die  Selbstidealisierung  dieser  Gesellschaft  stark  genug 
geworden,  um  das  Individuum  zu  einem  uns  unbekannten  Maß  an  Identifizierung 
seiner  selbst  mit  dem  Kollektivum  zu  bringen.  Die  Verdienstlichkeit  des 
positiven  Handelns  zu  Gunsten  der  Gesellschaft  wird  daher  dort  stärker  bewußt. 
Sowohl  die  '"thik  als  auch  die  Solbstbewertung  des  Individuums  ergeben  sich 
aus  seinem  Kollektivismus. 


Auch  die  auf  freie  Konkurrenz  gestellte  Ökonomie  versucht  ähnliche 
•fugenden  hervorzubringen  und  zu  verwerten,  zu  diesem  zwecke  mobilisiert  sie 
Patriotismus  und  Nationalismus,  die  jedoch  den  Zauberbesen  in  sich  bergen 
und  auf  Gelegenheiten  warten,  die  sie  hervorrufende  Demokratie  zu  verschlingen. 

Obwohl  es  nicht  heilsam  sein  kann,  sich  einer  im  realen  Leben  wirkenden 
7<Taft  zu  verschließen,  sollte  die  neue  rirche  ihre  politischen  Bindungen 
und  Interessen  nach  Tunlichkeit  abbauen.  Die  gewaltigen  Energiemengen, 
die  durch  Abschaffung  des  Zeremoniells  und  so  vieler  tiberflüssig  und 
sinnlos  gewordenen  Tätigkeiten  frei  werden  müssen,  könnte  sie  dann  in 
das  rein  Menschliche  Uberleiten,  um  dem  Menschen,  nicht  nur  der  Gesellschaft, 
echte  Hilfe  zu  bringen.  Die  neue  Kirefee  müßte  zu  einer  ebenso  neuen  wie 
notwendigen  Hilfsorganisation  werden.  Diese  Organisation  müßte  mit  der 
Erforschung  ihres  virtuellen  'Wirkungsbereiches  beginnen. 

Außer  der  normalen  und  typischen  Hilf sbedürftigkeit  gibt  es  eine  unter 
den  Heutigen  weit  verbreitete  und  für  organisierte  Hilfe  schwer  zugängliche, 
nie  meisten  dieser  Leute  gehören  nicht  eigentlich  einer  Klasse  an  und 
stehen  außerhalb  der  bekannten  Gruppen,  sie  sind  unvorstellbar  einsam, 
und  darin  besteht  ihr  eigentliches  Problem,  nicht  in  materieller  Hot. 
So  Einer  übernachtet  gewöhnlich  nicht  auf  einer  Bank  in  einem  öffentli- 
chen park,  denn  er  hat  ein  Obdach,  aber  mit  denen,  die  es  mit  ihm  teilen, 
spricht  er  nur  böse  .orte  oder  nichts,   r  hat  Ideen,  Träume,  Gefühle,  aber 
im  Laufe  der  zeit  verwandelt  sich  alles  in  ihm  in  Bitterkeit,  wie  die  in 
seinem  Darm  faulende  Nahrung  zu  Gift  wird.ir  möchte  sich  entladen,  sprechen, 
jemandem  alles  erzählen,  beneidet  die  frommen  Katholiken,  die  zur  Beichte 
gehen,  ihm  will  fceiner  zuhören,  Alle  sind  feindselig,  hochmütig,  verschlagen, 
wollen  alles  beoser  wissen,  und  vielleicht  wissen  sie  es  wirklich  besser. 
So  bleibt  nichts  übrig  als  - 

Diese  Einzelnen,  die  man  hie  und  da  sieht,  aber  nicht  recht  wahrnimmt, 


von  denen  man  aber  lesen  kann,  im  Polizeibericht  und  in  der  Gerichtssaalrubrik, 

& 

summieren  sich  in  großen  stdten  zu  einem  nicht  unbeträchtlichen  Sektor  der 
Bevölkerung,  uennoch  sind  sie  unaufdringlich  und  halb  verborgen,  müssen 
zumeist  gesucht  -werden.  Tenn  man  nur  ihren  Argwohn  beheben  kann,  sprechen  sie, 
denn  auf  diese  Gelegenheit  haben  sie  lange  genug  gewartet,  vor  allem  haben  sie 
nicht  geglaubt,  daß  sie  noch  kommen  würde,  wenn  man  ihnen  nur  ein  uenig 
Hoffnung  geben  kann,  schmilzt  zuweilen  ihr  Nihilismus  wie  Schnee  in  starker 
Sonne.  Die  Fülle  der  Beobachtungen,  die  der  Hilfsbereite  machen  kann,  entlohnen 
ihn  oft  für  einen  Großteil  der  ytihe  und  Gefahr,  jfanche,  denen  Lebensfreude 
versagt  zu  sein  scheint,  verkennen  ihren  realen  zustand  völlig,  sie  meinen,  es  gehe 
für  sie  um  die  Beseitigung  eines  unerträglichen  einzelnen  tfbels,  wie  eines 
physischen  Leidens,  einer  gehässigen  Frau,  eines  "tyrannischen  vorgesetzten, 
oder  eines  bösen  Nachbarn.  Daß  das  aber  nur  Rationalisierungen  sind,  geht 
schon  daraus  hervor,  daß  noch  vor  jeder  Intervention  und  vor  jedem  Versuch 
zu  helfen  eine  sichtliche  Erleichterung  eintritt,  die  deutliche  Reaktion  auf 
die  an  sich  zum  Erlebnis  werdende  Aufmerksamkeit,  so  gern  sie  sprechen,  so 
schwer  fällt  es  Manchen,  vreil  sie  an  Gelegenheit  zu  zusammenhängender  Rede 
nicht  geTÄ3hnt  sind,  sondern  an  Unterbrochenwerden,  Tjißachtung  und  Hohn,  an 
Gespräche,  die  in  Feindseligkeit  enden  und  daher  am  besten  überhaupt  ver- 
mieden werden.  Das  mag  auch  der  private  Zauber  politischer  Situationen  sein, 
in  denen  auf  einmal  Alle  eines  Sinnes  sind  und  nicht  einander,  sondern 
einen  Abwesenden  bekämpfen,  ob  der  Kontakt  zwischen  dem  Redenden  und  dem 
Hörenden  den  von  Jenem  angegebenen  zweck  erfüllt,  ist  deshalb  nicht  immer 
das  Tit scheidende,  jedenfalls  nicht  das  allein  Entscheidende. 

Um  ihren  neuen  sinn  allen  ernstes  erfüllen  zu  können,  wird  die  Kirche 
den  zur  unaufrichtigkeit  anleitenden  .^prechstundenstil  verwerfen  und  die  realen 
Schwierigkeiten  in  furchtloser  und  undoktrinärer  .'eise  angreifen  müssen. 
Sie  würde  gewiß  gut  tun,  auf  ihre  salbungsvollen  Predigten  und  Zitate 

1 


sowie  auf  ihre  Theater garderobe  zu  verzichten  und  den  Geist  solcher 
Neuerungen  auch  auf  die  Architektur  neuer  Gebäude  zu  tibertragen,  sie 
wird  nicht  den  ethischen  Gesellschaften  mit  ihren  glänzenden  Vorträgen 
und  anregenden  Diskussionen  zu  gleichen  haben,  sondern  wird,  um  adäquate 
Methoden  pragmatischer  Menschlichkeit  zu  finden,  die  Tätigkeit  verschiede- 
ner Gruppen  ungeachtet  ihrer  Weltanschauungen  ragEHBWBB±xxkKKK  studieren 
müssen,  wie  die  der  Society  of  priends,  oder  der  Heilsarmee,  und  vielleicht 
läßt  sich  auch  von  orientalischen  Bruderschaften  manches  lernen.  Die  Geste 
der  routinierten  Philanthropie  wird  durch  ein  schlichtes,  nicht  uniformes 
Benehmen  zu  ersetzen  sein.  Die  Propaganda  für  die  eigene  Institution 
wird  aufzugeben  sein,  niemand  soll  das  Gefühl  haben,  daß  er  Äiö^fS  mit 
Anerkennung,  Dankbarkeit  oder  Empfehlung  zu  bezahlen  hat.  Der  Bspfänger 
der  Hilfe  soll  nur  verstehen,  daß  Leute  sich  für  ihn  einsetzen  wollen, 
,jeil  es  ihnen  bbooor  geht  als  ihnf^ind^daB^sie  von^^  nichts  erwarten 
als  daß  auch  er  Andern  hilft,  wenn  er  kann. 

Aktive  .Selbstlosigkeit  ist  die  beste  Selbsterziehung,  wer  sie  ausübt, 
wird  mit  den  als  Pfarrer  und  Rabbiner  verkleideten  Reklamehelden  und 
Börsenspekulanten  bald  nicht  mehr  gemeinsam  haben  als  die  Bezeichnung 
eines  Berufes, 

Das  wesentliche  und  das  unwesentliche 

Der  Leser  erzählender  Literatur  erwartet  und  genießt  Scheinidentifika- 
tionen und  KTsatzbefriedigungen,  je  mehr  die  fiktiven  Personen  und  Vorgänge 
die  Bedürfnisse,  Besorgnisse  und  Hinsehe,  oder  mit  einem  ijgort,  die  Situation 
des  Lesers  zur  gegebenen  zeit  reflektieren,  desto  besser  gelingt  es  ihm, 
sich  mit  jener  fük  Welt  der  Fiktion  zu  identifizieren,  sie  seiner  Realität 
einzuverleiben  und  aus  solchem  Gewinn  Befriedigung  zu  schöpfen.  Die  ideale 
Fiktion  wäre  demnach  eine  für  einen  bestimmten  Leser  in  Kenntnis  seines 
Lebens  und  seiner  Bedürfnisse  verfaßte.  Am  nächsten  kommt  dieser  völligen 


ZweckerftÜlung  das  fUr  eine  bestimmte  Jßjuum  von  T,esern  geschriebene  Buch, 
etwa  für  'ßtdchen  einer  bestimmten  Altersstufe,  eines  bestimmten  Landes 
und  einer  bestimmten  Gesellschaftsschicht,  je  primitiver  die  Leser  sind, 
desto  besser  wird  der  Allen  zusammen  gebotene  Lesestoff  jedem  Einzelnen 
passen,  wie  die  Konfektionsldeidung  dem  Durchschnittsbau, 

Mit  philosophischer  Lektüre  verhalt  es  sich  nicht  ganz  so.  oenn  wenn  im 
Leben  des  Le$ejto  der  Epik  allmähliche  oder  plötzliche  Änderungen  eintreten, 
"wenn  seine  Situation  derjenigen J  in  der  er  ÄJene  Erzählung  gelesen  hat, 
nicht  mehr  entspricht,  gehören  auch  die  Ansprüche  an  die  ehemalige  Lek- 
türe der  Vergangenheit  an.  Damals,  als  sie  einen  zweck  hatte,  erfüllte  sie 
ihn,  in  der  neuen  Situation,  in  der  sie  keinen  mehr  hat,  kann  jene  Lektüre 
in  Vergessenheit  geraten«  Nur  literarische  werke  von  besonderer  menschlicher 
Reichweite  werden  nicht,  oder  nicht  im  selben  Maße,  inaktuell,  bleiben  in 
der  Erinnerung  lange  erhalten  und  angesichts  neuer  Ereignisse  führen 
Assoziationen  immer  wieder  zu  ihnen  zurück» 

philosophische  Lektüre  wird  hingegen  nie  mit  ausgesprochen^»  wünschen 
unternommen.  Der  Leser  sucht  in  Iftfi&ti  Klärung  der  Fragen,  die  ihn  und 
Andere  mehr  oder  minder  konstant  beschäftigen,  Lösung  von  Problemen, 
die  nicht  nur  die  seinen  sind*  und  deren  Geltung  mit  der  Beendigung 
der  Lektüre  nicht  ^aufhört/oer  philosophische  Autor  soll  sein  Führer 
zu  größerer  Klarheit  in  solchen  Dingen  sein,  an  deren  Kenntnis  und 
Verarbeitung  er  selbst  einen  Anteil  hat.  Der  Erwartung  des  voraus- 
denkenden,  mitdenkenden  und  nachdenkenden  Lesers  entsprechend,  sollen 
philosophische  Erkenntnisse  eine  gewisse  Allgemeingiltigkeit  besitzen^. 
Lehren  der  Philosophie  sollen  auf  jede  Situation  anwendbar  sein, 
jährend  etwa  in  der  Not  eines  Schiffbruchs  die  Erinnerung  an  einen  Rokoko- 
Roman  oder  an  ein  Lehrbuch  der  Etikette,  falls  sie  durch  Einmischung 


11 


I 


21 


einer  selbs  tquSCLcris  chen  «Tendenz  überhaupt  zustande  kommt,  zu  einem 
peinlichen  litz  wird,  soll  das  Ergebnis  philosophischer  Studien  imer 
seinen  Sinn  bewahren,  gl  soll  seinen  «tf*  nicht  nur  trotz  der  üotlage 
behalten,  sondern  ihn  in  einer  solchen  Situation  erst  recht  erweisen. 
Es  kann  als  sicher  angenommen  werden,  daß  eine  weite  umfrage  nach  dem 
philosophischer  Lektüre  zugeschriebenen  wert  diese  Erwartung  als  interß 
subjektive  Tatsache  beweisen  idördej  auch  wSre  schwerlich  ein  Argument 
gegen  das  Recht  auf  eine  solche  Erwartung  zu  finden,  * 

Das  philosophische  Denken  ist  zu  einem  großen  Teil  ein  prüfen,  doch 
von  Zeit  zu  zeit  muß  es  auch  selbst  geprüft  werden.  Das  Folgende  ist  ein  versuch, 
einige  für  das  Denken  der  Gegenwart  repräsentative  schulen,  bzhw.  Richtungen 
darauf  zu  prüfen,  in  welchem  Maße  sie  der  >rwartung  auf  Sinn,  also  Tätig- 
keit in  allen  Situationen  entsprechei^nie  Situationen,  die  alle  geistigen 
Hiter  auf  die  schwerste  probe  stellen,  sind  persönliche  und  noch  mehr 
kollektive  Katastrophen.  «4«  ein  Glaube,  oder  allgemeiners  eine  intensiv 
erlebte/'  Gewißheit,  sich  mit  dem  Zusammenbruch  der  gesamten  individuellen 
Realität  auseinandersetzt  und  ihn  nicht  etwa  nur  passiv  Ubersteht,  sondern 
aus  einem  Ringen  siegreich  hervorgeht,  ist  wohl  nirgends  menschlich  so  tief 
dargestellt  und  gestaltet  wie  im  Buche  ELob.  -eiche  Idee  oder  Lehre  hat 
einem  solchen  zusammenprall  jemals  so  standgehalten  ?  es  ist  vorstellbar, 
daß  dio - stoikor^spinoza  oder  Kant  sichern  so  monumentaler  weisey\bewShren 
könnten,  vielleicht  könnten  wir  mit  Sicherheit  feststellen,  daß  es  der  Fall 
v/ar,  Trenn  wir  *  von  einer  Situation  wie  Auschwitz  nicht  nur  Tatsachenberichte, 
sondern  auch/\Protokolle  über  das  geistige  Agieren  und  Reagieren  der  iStrtyrer 
besäßen.  ?jun  geht  uns  die  präge  an,  ob  es  in  der  gocamten  Philosophie  diooor 
Zeit  ein»  lyaftegibt,  die  Menschen  das  Rüstzeug  für  einen  solchen  Kampf  ver- 

leihen  Jnan«  Betrachten  wir  also  eine  enge  Auswahl  einiger  Ideen,  gleichviel 
UpMt«M  *W**  -*       W,        *j4ffcw4^£w*4y  u^A^M,  l*A  U^Mi^-  <U 


ob  sie  eine  weit  zurückreichende  Vorgeschichte  haben  oder  mit  einiger 
Ausschließlichkeit  der  Gegenwart  angehören. 


■enden  wir  uns  zunächst  dem  uralten  Problem  der  Willensfreiheit  zu, 
das  4a-«nse»efe  jahrhundcrt^wl  o  nrhnn  im  mrigrn^  zu  enormer  Aktualität 
gelangt  ist.  es  hat,  um  das  Ergebnis  persönlicher  Auseinandersetzung  teilweise 
vorauszunehmen,  (ginerseits^inen  metaphysischen  und  naturwis sens chaftli chen, 
logischen  und  ethischen  Aspekt),  (^ierseiteTeinen  sozialen^  der  erste  kann 
zusammenfassend  theoretisch,  der  zweite  praktisch  genannt  werden.  j]ur  diese^u^W«*^« 

Trennung  führt  zu  einen  anwendbaren  und  daher  berechtigten  Lösung,  jn  einigen 

^lü^       M       t  i 
beziehenden  Lehren) fehltA  diese  Trennung^  /foder  egfo3^§t -statt  -auta,'  e^ae 

einseitige  Argumentationf-Tfiw  zuweilen  tritt  Konfusion  der  Standpunkte  ein,  sodaß 

aus  umfangreicher^  ua*l  von  verdiens  t vollen  Denkern  unternommener  Arbeit  nur 

eine  neue  Phase  im  häufigen  "Wechsel  der  Meinung,  ein  erneutes  setzen  von 

wirkliche 

Annahme  gegen  Annahme  resultiert,  nicht  eine  ÄE5Sehi?lEm>S8sung. 


Konfusion  entsteht  auvrollfon  daraus,  daß  man  eine  Annahme  macht  und  sie 
mit  oder  ohne  Erfolg  zu  beweisen  unternimmt,  weil  man  sie  braucht«  Der  ->. 
Existentialismus  brauchte  die  Annahme  der  Willensfreiheit,  nirriniort "^Tr  " 
einer  beschränkte».  Schon  sein  Altmeister  Kierkegaard  entblößte  eine  unbe- 
streitbare schwache,  indem  er  in  einem  Atem  sowohl  den  willen  für  frei 
erklärte  als  auch  auf  die  Angst  hinwies.  Der  Psychologie  seiner  zeit  war 
die  gegenseitige  Ausschließung  von  Angst  und  Freiheit  wohlbekanntj  u.zw. 
nicht  allein  als  Ergebnis  empirischer  Forschung,  denn  schon  aus  den  beiden 
Begriffen  selbst  muß  ihre  Unvereinbarkeit  notwendig  deduziert  werden. 
Auch  der-  spätere  gstist oniialicmus  einschließlich  Heideggers,  <lea?  ja  kein 
eigentliches  System,  und  mit  Ausnahme  von  Jaspers  auch  nichts  einem  System 
annähernd  Entsprechendes  hervorgebracht  hat,  setzt  an  die  stelle  von 
Beweisen  oft  genug  Behauptungen  und  postulate.  nie  Argumentation  des 


23 


Existensphilosophen  -wird  unter  umständen  zu  reinem  Ausdruck  von  $ünschen, 
etwa  wenn  er  den  eigenen  Glauben  an  Willensfreiheit  gleichsam  als  Beweis 
anführt • 

Zu  einem  entschiedenere gativen  Resultat  führen  s&££"  die  gegen  das  *^*v# 
Kausalitätsprinzip  gerichteten  Bemühungen.  Daß  der  Hillens akt  ohne  Ursache 
sei,  kann  man  nur  proklamieren,  wenn  man  einen  verstoß  gegen  die  Logik 
begeht,  indem  man  übersieht,  daß  ohne  Ursache  sein  mit  i&clfeein  gleichbe- 
deutend sein  muß,  sodaß  der  extreme  Indeterminismus  sich  hier  selbst  aufhebt«  ^< 

im  aftor  suijluich  auch  metaphy sis cht Evident,  daß  es  eine  partielle 
Eäusalit&tnicht  geben  kann,  -und  dat>  muß  selbst  gegen  Kant  aufrechterhalten 
werden.  Denn  der  Umstand,  daß  es  uns  nicht  gelingt,  alles  als  pDlge  von 

'Ursachen  zu  erklären,  wie  im  sinne  Kantts  das  sittliche  Erlebnis,  kann 
keineswegs  besagen,  daß  Kausalität  nur  da  bestehe,  wo  sie  nachweisbar  ist. 
Dem' Ausschluß  bestimmter  jfcfcw&nen©  aus  dem  Kausalprinzip  kann  äö— entgegengehalten 
..erden,  daß  es  die  Hatur  der  Kausalität  ist,  unbegrenzt  allgemein  zu  sein, 
da  sie  sonst  mit  der  gleichen  Allgemeinheit  geleugnet  werden  müßte.  Diese 

Alternative  ist^  logisch  durchaus  möglich,  doch~S£S8t  däe> Jjegation  der 


voraus  sagbaren  Eintretens  von  i<M£Mt  vorgingen,  abwegige  Anwendung,  die  daher 
zu  falschen  polgerungen  führt.  Ursächlichkeit  und  voraus  sagbarkeit  sind  zwei 
völlig  verschiedene  Dinge,  yas  voraussagbar  ist,  muß  zwar  ursächlich  bedingt 
sein,  aber  dieser  Satz  ist  nicht  umkehrbar,  das  ursächlich  %  Bedingte  muß 
durchaus  nicht  voraussagbar  sein.  Das  wird  durch  jede  Überraschung  und  alles 
Unerwartete  bewiesen.  Die  Voraussage  hat  die  Kenntnis  des  Kausalnexus  im 
gegebenen  Falle  zur  Voraussetzung,  nicht  nur  den  Kausalnexus  selbst. 

oen  versuchen  Sartre  »s  und  anderer  Existenzphilosophen  zur  -/Wiederherstellung  k±keic 
eines  weitgehenden  Indeterminismus  muß  dennoch  ein  höchst  verdienstvolles 


25 


Ziel  zuerkannt  werden.  Der  Begriff  der  Freiheit  mit  allen  seinen  positiven 
psychologischen  und  sozialen  Ausvdrkungen  soll  gefördert  werden,  Mensch  und  ^gssl&ssk. 
Gesellschaft  sollen  vo^räJiruendem  Fatalismus  in  allen  seinen  Formen  befreit 
sein,  schöpferische  Kräfte  sollen  wachsen  können,  im  Zusammenhang  damit 
soll  eine  tiefere  Beziehung  zwischen  den  Renschen  rekonstruiert  werden, 
wie  auch  der  Begriff  des  Menschenrechtes  bedeutende  Vertiefung  erfa'Tirt. 
Ferner  muß  zugegeben  werden,  daß  ein  gewisser  Verzicht  auf  Systematik 
mit  gelegentlichen  Ausflügen  ins  Literarische  eine  gesunde  Reaktion  auf 
formalistische  Erstarrung  war.  Ebenso  müssen  wir  Sartre  und  andern  Existent! ab- 
listen zugutehalten,  daß  sie  den  Stil  des  Gedankens  und  des  .ort es  verlebendigt 
haben,  sie  haben  vielen  geholfen,  sich  von  dem  Vorurteil  zu  befreien, 
Trockenheit  sei  an  sich  ein  Vorzug.  Den  so  schwer  verdaulichen  stil  Kant  «s 
zu  imitieren  ist  gewiß  leicht,  aber  keine  derartige  Nachahmung  ist  in  irgend  einer 
J»  Hinsicht  bedeutend. 

Die  Verdienste  der  Rxisteniialisten  anzuerkennen  heißt  natürlich  nicht 
auch  ihrer  Argumentation  zuzustimmen,  jie  Erkenntnis  der  Kausalität,  die  im 
19*  Jahrhundert-  besonders  von  der  Naturwissenschaft  bis  zu  einer  gewissen 
Lückenlosigkeit  erarbeitet  worden  war,  ^aw^^^r  thcoratiadwr  sieg-ifer 
WämmOm  werden  honnt^  muß  aufs  neue  in  ihre  Rechte  eingesetzt  werden,  solange 
wir  sie  nicht  durch  eine  evidentere  Deutung  unserer  Erfahrung  ersetzen  können. 

Doch  kann  die  notwendige  theoretische  Rückkehr  zum  Determinismus  nicht 
das  letzte   ort  sein,  denn  es  gibt  noch  eine  präge  von  höchster  Bedeutung, 
die  er  nicht  lösen  kann.  wir  kommen  also  auf  die  eingags  (s.23  )  bezeichnete 
Seite  des  Problems  zurück,  es  ist  eine  sinnfällig©  und  ohne  Spizfindigkeiten 
nicht  bestreitbare  schwache  jedes  Determinismus  daß  er  mit  dem 

Prinzip  der  Verantwortung  schlecht  zusammengeht,  jede/  konsequente  AUe^hiaß 
der  illensfreiheit  zwingt  mit  unweigerlicher  Notwendigkeit  zum  Ausschluß 
von  T*hn  und  strafe,   /er  nicht  frei  wühlen  und  entscheiden  kann,  wer  es  nur 


1 


scheinbar  frei  tut,  aber  in  einer  weniger  sl^tbaren^vjirmchkeit^deis^Z^g 
der  Ursächlichkeit  unterwarfen  ist,  von  der  seine  ihm  als  Willensakte  zu 
Bewußtsein  kommenden  Punktionen  einen  Teil  bilden  wie  alle  andern  Vorgänge 
im  Universum,  verdient  für  sein  Tun  nicht  Verherrlichung  noch  Verurteilung, 
nicht  Lohn  noch  strafe.  Zu  dieser  jjb  Grunde  erschreckenden  Schlußfolgerung 
gelangen  wir  jedenfalls  auf  Grund  der  voraus gegangenen^aus^Ueßlich 
theoretischen  Tnrwägungen.  Sie  ist  erschreckend,  wellsi^u.a.  die  Abschaffung 
jeglicher  Justiz  er  fordert. Bekanntlich  ist  eine  solche  Maßnahme  bisher  von 
keiner  noch  so  revolutionären  Gesellschaft  durchgeführt  oder  auch  nur  gef ordertxTOsdi  | 
worden,  abgesehen  von\  vorderhand  verfrühter^  j^een*  die  alle  antisozialen 
Handlungen  ausnahmslos  für  pathogen  erklärte»  und  das  Strafgericht  durch 
lückenlos  verbesserte  und  verallgemeinerte  Therapien  ersetzen  -wollen. 
xtir  den  Fall,  daß  die  Menschheit  dem  nuklearen  Untergang  und  den  andern  im 
drohenden  fatastrophen  entgehen  sollte,  werden  die  vorhandenen  Heilungs- 
und rrziehungsmethoden  voraussichtlich  bedeutende  Vervoll  komramng  erfahren 
und  es  ist  nicht  einzusehen,  warum  nicht  -a»eh  konstruktiv  zweckmäßige,  v«**  nAÄfoJL. 


3-3 


4 


Heuerungen  erfunden^  vrerden  sollten.  Doch  haben  wir  zunächst  mit  der  Realität 
von  heute  und  morgen  zu  rechnen  und  müssen  das  Strafgesetz  permanent 
reformieren,  aber  im  Prinzip  daran  festhalten.  Die  Reform  in  Permanenz 
muß  nicht  allein  ein  qualitativer,  sondern  auch  ein  quantitativer  prozeß 
sein»  :  je  mehr  Boden  5raiehung  und  Heilung  gewinnen,  desto  mehr  muß  die 
Justiz  an  Boden  verlieren;  sobald  Erziehung  und  Heilung  -  ein  Hendiadioin, 
ein  Begriff  in  zwei  'Jörteny  -  neue  Anwendbarkeit  erweisen,  hat  die  Anwendung 
des  Strafgesetzes  auf  eben  diesem  Gebiete  aufzuhören. 

So  oh  ist  öas  strafreenor  anyldie  aijftc /Voraussetzung  geknüpft,  ohne  die  es 
auch  nicht  zeitweilig  bestehen  kann^  »s— ist  obon  die  Willensfreiheit^  der 
trlr  ftplbot  die  Geltung  tlieoi  e  LU>uh  aberkannt  haben-.  /gM  dei  eigen Lüchen 
^trlosophle  eliminier l,  muß  ble  jedoeh  als  sozialoo  Rpfordornio,  o3bs 


ge'sell.sohaft.s  erhaltende-  Kraft»  als  Auowog  ^ois-der^iivergenz-^fcheorefeLsoh^ 
-Einsieht  und  praktischer  mt~9  ihre^rrtgtSTH~Lelieii  einnahmen t   Die  Unfreiheit 
des  'Tillens  muß  in  allen  drastisch  deutlichen  Fullen  gelten  und  strafbarkeit 
ausschließen,  vorderhand  auch  Überall,  -wo  Erziehung  und  Heilung  in  der  Tat 
noch  ohnmächtig  sind.  ?jjotaphyoiogn_e3d.otQnailog>t  wiroNdie  willensf reiheit  v^i 
zur  Arbeitshypothese, -34eȀ  als  solche^jnentbehrlich.    sowohl  der  Theorie 
/aTs  auch  der  Praxis  wird  d 


.s  solche  unentc 


seitige  Störungen  oder  die  Notwendigkeit  von  Kompromissen  korema 

.3 


n  in  TM?g 


gegen- 


seitige Störungen  oder  die  Notwendigkeit  von  Kompromissen  v»m™an  jjgiEiäj  , 
/^Analoges  geschieht  de  facto  auf  vielen  Qebieten.  was^die  thermische  Energie 


27 


sei,  ist  eine  Frage,  die  auf  Bezeugung,  rrhaltung  und  Regulierung  von  i$trme 

keinen  Einfluß  hat.  A*eh  wenn  klar  werden  sollte,  daß  es  eine  solche  Energie 

r  

nicht  gibt,  :»8a»ete  die  Wärmetechnik  in  ihrer  Arbeit  ungestört  fortfahren.  /  y 

"rinnern  wir  uns^an  das  erwähnte  und  ziemlich  allgemein  anerkannte  Prinzip, 
daß  Philosophie  einen  sinn  haben  muß. 

Von  altersher  wurden  die  großen  und  kleinen  aadTga«is«h©n  Gebilde  und  Stoffe 
so*4e  die  Organismen  einschließlich  des  Menschen  beobachtet.  Seit  dem  Altertum 
war  aber  die  Beobachtung  ihres  Verhaltens  an  sich  Äst  irrelevant,  es  kam  auf  die 
Schlußfolgerungen  an,  auf  die  Gebäude,  die  Uber  diesen  Fundamenten  errichtet 
.mrden.  nie  Bedeutung  der  Beobachtung  ist  der  Rolle  der  Rohstoffe  in  der 
Industrie  vergleichbar,  sie  sind  die  Vorbedingung  für  alles  und  als  solche 
von  höchster  7/ichtigkeitj  an  sich  aber  sind  sie  nichts.  Dieses  nichts  ist 
in  der  Gegenwart  sehr  anspruchsvoll  geworden.  Der  stummen  Rolle  des  Material4##### 
lieferanten  überdrüssig,  gibt  es  sich  als  Philosophie  aus,  nennt  sich 
Behaviourism  und  füllt  seine  Leere  mit  geschickt  gemachter  latein-griechischer 
Terminologie,  es  ist  die  Munition  für  eine  noch  nicht  beendete  offensive, 
in  der  es  um  das  Ganze  geht,  ffm»  gab  es  verschiedene  ivege  und  ^i^^AUlcAMu 
oder  vermeintlich  ging  man  auf  ihnen  zu  einem  ziel.  Für  alles,  was  sich^W* 


zahllose  Objekte,  bzhw.  gubjek1%  die  durch  Beziehungen  definiert  sind. 

Kein  Kind  kann  ein  Kind  sein  ohne  Eltern  zu  haben,  die  Zeugung  kann  nur 

durch  zvrei  erfolgen,  ein  Arzt  setzt  Kranke  voraus,  und  auch  Haß  und  Feindschaft 

kommen  ohne  den  Hasser  und  den  Gehaßten  nicht  zustande,  zur  Vervollständigung  die 

Beispiele  müßten  wir  geradezu  von  unserer  gesamten  Erfahrung  berichten« 

Dartiber  hinaus  gibt  es  auch  solche  Beziehungen,  die  nicht  ein  direktes 

logisches  Resultat  aus  zwei  Faktoren  sind«  Heimattreue  z.B.  ergibt  sich 

nicht  allein  aus  einem  Land  und  einer  in  ihm  geborenen  person,  da  Andere,  die 

im  selben  Land  geboren  -wurden,  diesem  nicht  treu  sind.  Dritte  Faktoren,  wie 

der  Charakter  oder  die  Erziehung,  waren  für  das  Zustandekommen  oder  die 

Aufrechterhaltung  einer  solchen  Beziehung  bestimmend,  solche  dritte  Faktoren 

bestimmen  den  Grad  der  Beziehung  oder  ihre  Intensität,  pi  einer  bestimmten 

Kategorie  psychologisch  bestimmter  Beziehungen  füllen  diese  das  Subjekt 

so  restlos  ausy  als  bestünde  es  ganzlich  aus  dieser  Beziehung  und  hätte 

keine  Existenz  außerhalb  ihrer,  lüfie  etwa  4ea?  Soldat,  der  ganz  aus  soldatischen 


Tugenden  zu  bestehen  seheint  und  keinerlei  andere  iflttnsche  featj  öder  der 
sexuell  Hörige,  der  alles  leichter  opfern  kann  als  seine  Ansprüche  an  die 
person,  von  der  er  abhängig  ist.  Hierher  gehören  auch  Br3cheinungen  der 
atER   Tierpsychologie  wie  die  der  Anhänglichkeit  des  Hundes. 

Die  mathematischen  Operationen  beruhen  ebenfalls  auf  Beziehungen 
oder  sind  selbst  Beziehungen.  Die  Musik  macht  uns  die  Bedeutung  der 
Beziehung  erst  völlig  klar,  wenn  wir  die  <inh«^^Losigkeit  eines  einzelnen 
Tones  mit  seiner  aktiven  und  passiven,  durch  Gegenseitigkeit  bestimmten 
Rolle  in  der  Melodie  und  in  der  polyphonie  vergleichen.  Der  naive  Betrachter 
von  Gemälden  und  andern  farbigen  Gebilden  nat^ kaum  eine  Vorstellung  von 
der  unwesentlichkeit  und  Bedeutungslosigkeit  einer  einzelnen  und  isolierten 
Farbe,  weil  er  nicht  beachtet,  daß  sie  als  wirkende  Kraft  erst  durch  die 
Wechselwirkung  mit  andern  Farben  entsteht,  daß  also  die  Farben  an  sich 


leblos  und  sinnlos  sind,«**  einander  Leben  und  sinn  geben.  ^ 

jede  entwickelte  Sprache  hat  ein  reiches  Vocabulaire  zur  Bezeichnung  von 
Beziehungen,  reicher  als  die  Arbeit,  die  Logik  und  Metaphysik  bisher  an 
ihnen  geleistet  haben,  sie  erfordern  aber  nicht  nur  qualitative  Analyse 
und  Klassifizierung,  sondern  bilden  auch  quantitative  Probleme,  in  welchem 
Maße  sind  z/b.  Liebende  mit  ihrer  Beziehung  zu  einander  identisch,  durch 
sie  definiert,  und  in  welchem  Maße  ist  Jedem  von  Beiden  extrarelationale 
Existenz  gewahrt  ?  nafür  ließen  sich  wahr scheinlich  prozentzahlen  finden 
uno^  waren,  in  die  Psychologie  eingeführt,  voraussichtlich  nicht  wertlos. 
So  könnten  auch  andere  emotionale  Bindungen  nach  entsprechenden  vorarbeiten 
mathematisch  definiert  werden.  Um  die  Bedeutung  eines  solchen  neuen  Arbeits- 
feldes zu  ermessen,  brauchen  7/dr  un£  nur  an  die  früher  erörterte  praktische 
Seite  des  Problems  der  'Willensfreiheit  zu  erinnern.  Die  Errechnung  des 
Prozentsatzes  der  Unfreiheit  würde  der  Juivldloehoa  Praxis  ermöglichen, 
die) vage,  der  Realität  kaum  jemals  entsprechende  Alternative  von  frei  oder 
unfrei  durch  eine  gewisse  Präzision  zu  ersetzen. 

Der  prozentuale  Anteil  einer  Beziehung  an  ihren  Komponenten  ist  eine 
variable  Größe,  wofern  es  um  psychologische  Fragen  geht,  sine  gewisse 
Variabilität  besteht  aber  selbst  in  der  Astronomie,  denn  nur  so  werden 
kosmische  Katastrophen  erklärlich,   renn  diese  zu  Kettenreaktionen  führen, 
bedeutet  das  für  uns  o4n  -Vordringe«  der  Variabilität  in  die  Konstanz 
einer  Gruppe  oder  eines  Systems  von  Beziehungen. 

Die  Bedeutung  der  Beziehung  für  den  Makrokosmos,  die  uns  schon  durch  die 

Gravitation  genügend  anschaulich  wird,  trägt  zu  der  Vorstellung  von  leisen 

xxxxxxxxxxx 

und  Astronomen  bei,  daß  die  j#f$/fäM#/    ;,eltkörper  einmal  eine  einzige 
Masse  gewesen  seien.  <enft--w£i  von  der  Bfgff  diu»  objukllvuii  nl.ijliU.gktd l 

^tftlig  aboohen,|/eginnorn  wir  uns  einety  auffallende^  Analogie  der  Denkungs- 

weise,  bzhw.  phantasie^Hie  auch  für  das  menschliche  Leben  die  Beziehung 


einem  ursprünglichen  Eins  sein  zuschreibt,  Die  Alten  hielten  die  Liebe  fttr 
eine  Sehnsucht  der  zweiheit  nach  dem  Urzustand  des  Einsseins,  wenn  -wir  solche 
Legenden  nicht  als  wissenschaftlichen  versuch  zur  Rekonstruktion  der 
Entstehung  werten,  sondern  als  mythologischen  Ausdruck  für  die  metaphysische 
Einschätzung  der  Beziehung,  nötigt  uns  die  Intuition  der  frühen  Menschheit 
wieder  Bewunderung  ab. 

Sowohl  auf  den  animalischen  Vorstufen  der  Entwicklung  eines  Bewußtseins 
als  au chrjmSmens eftlichen  Kleinkinde,  a«&gt  «feeh  deutlich  genug,  daß  die 
Beziehung  zum  Andern  dem  Bewußtsein  unoo^cr  eigenen  Existenz  vorausgeht  (y^'S- 

So  ist  es  die  Beziehung,  die  im  kosmischen  Geschehen,  im  33t  Kräftespiel 
der  irdischen  Natur  und  im  Leben  der  Menschen  zu  einem  großen  Teil  wesen, 
Realität  verleiht  oder  gegebenenfalls  entzieht.  Da  vdr  zwischen  sein  und 
Beziehung  unterscheiden  können,  ist  sie  nicht  selbst  das  sein,  doch  ist  sie 
zwischen  dessen  Einheiten  und  -wird  in  ihnen  manifest. 
Xj,^  KmA&^  jtwas  -weiter  unten 

Die^zögernde  und  doch  revolutionäre  Bewegung  in  der  geistigen  Oberschicht  der 
Kirchen,  die,  von  Problematiken!  und  Denkern  großen  Formats  eingeleitet^  und 
vom  Verlangen  nach  Tahrheit  und  wahrem  Leben  getragen,  weiter  geht  als 
jemals  eine  Reformation  es  konnte,  löste  bisher  weit  schwächere  Reaktionen 
konservativer  Tendenzen  aus  als^  zu  erwarten  war.  solche  sind  voraussichtlich 
unterwegs«  Hingegen  kam  es  fast  gleichzeitig  in  den.  kirchlichen  unter s chi chW  A^^^u, 
zu  einer  entsprechenden  Bewegung,  di$,  den  schwächen  der  houtigon  Kirchen 
entsprungen,  diese  infolge  falscher  Berechnung  und  einer  Reihe  von  ?£lßver- 
ständnissen^und  persönlichen  Entgleisungen  noch  viel  mehr  schwächt. 


32: 


Als  diese  kleineren  und  -relativ  -unselbständigen  Köpfe  im  r.,aufe  der 
letzten  Jahre  es  immer  mehr  erfahren  mußten,  daß  die  Anziehungskraft  der 
Routine,  der  des  Glaubens  und  der  des  Zeremoniells,  in  unaufhaltsamem  Abnehmen 
war  und  die  alt erprobten  Injektionen  erfolglos  blieben,  sahen  sie  sich  eine 
eile  den  ansteigenden  Kräften  des  preidenkertums  und  der  Apostasie 


hiflos  gegenüber,  m  den  Büchern  der  großen  Köpfe  fanden  sie  zugleich 
Revisionsbereitschaft  um  jeden  preis  und  jene  Rücksichtslosigkeit,  die 
starken  Charakteren  immer  dann  eigen  ist,  wenn  es  um  die  wichtigsten 
TTitschcidvVungen  geht,  statt  also  die  aussichtslos  scheinende  Sache  des 
alten  Glaubens  bis  zum  letzten  Mann  zu  verteidigen,  entschlossen  sich 
manche  der  schwankenden,  zu  den  Angreifern  überzugehen  und  den  Glauben 
T/on» glich  noch  erbarmungsloser  zu  schlagen.  Säe-  tun  das  in  der  Hoffnung, 
den  Rahmen,  die  kirchliche  Organisation  als  solche,  erhalten  zu  können, 
als  ob  vom  leeren  Rahmen  die  Thunder  zu  erwarten  w&ren,  die  das  Gnaden- 
bild nicht  vollbrachte. 

u 

Sie  und  auch  diejenigen,  die  vor  der  Ußersten  Konsequenz  der  Liquidierung  des 
Glaubens  noch  innehalten,  um  alle  möglichen  Folgen  nochmals  zu  erwägen 
und  in  vielen  Beratungen  in  Betracht  zu  ziehen,  was  Andere  tun,  wollen 
auf  alle  pSlle  anderen  Inhalt  herbeischaffen,  um  die  Gemeinde,  die  schließ- 
lich immer  noch  xxWtfif  zahlt  und  nach  irgend  einer  Anleitung  und  Betreuung  verlangt, 
zusammenzuhalten^  ihr  etwas  ftu  bietend Öicse  priester  wollen  ihre  Position 
wechseln^aber  keinesfalls  aufgeben«  Sie  sehen  sich  also  ziemlich  hastig  nach 
neuen  Funktionen  um.  sie  wollen  anerkannt  bleiben,  Achtung  und  Dank  ernten. 
Ihr  ziel  ist  jetzt,  sich  nützlich  zu  machen. 

Man  versucht  es  mit  neuen  Diensten  und  Hilfeleistungen,  um  die  Niemand 
ersucht  hat,  um  zunächst  die  ausgetretenen  pfade  der  psychologischen  interß 
vention  aufs  neue^j  zu  benützen.  Einzelne  Geistliche  hypnotisieren,  andere 
lehren  Kollegen  das  frisch  Erlernte.  Manche  demonstrieren  einen  Zusammenhang 
mit  ihrem  Beruf  und  sozusagen^Kompetenz,  indem  sie  die  zu  Hypnotisierenden 
nicht  auf  glänzende  Knöpfe  starren  lassen,  sondern  in  die  Augen  eines 
Christusbildes .  Sie  fragen  nicht  viel,  ob  es  gesetzlich  ±st,  denn  sie  wissen, 
daß  man  ihrem  stand  gegenüber,  solange  es  noch  irgend  geht,  eher  beide 
Augen  zudrückt,  sie  fragen  nicht  einmal,  ob  nicht  gerade  dieser  krasse 


Dilettantismus  ihre  gesamte  Vertrauender  digkeit  in  Frage  stellt.  Andere  versuchen 
es  mit  minderkuren,  die  unter  günstigen  psychologischen  Voraussetzungen  auch 
gelingen,  vrobei  ja  dem  Gesundbeten  u.dgl.  durch  die  enge  Verbindung  mit  dem 
Glauben  das  Vertrauen  gesichert  ist.  Aber  dazu  sind  nicht  Viele  unternehmungs- 
lustig  und  -wagemutig  genug  und  es  würde,  wenn  von  zu  vielen  projiziert,  den- 
Reiz  der  Besonderheit  verlieren  und  nicht  mehr  wirken . jrJ^^M  -hU^  Mtyji^U  U^J 


,  das  '.mr  fast  unbe grenzt  <f*yt^ 


Es  gibt  aber  ein  Gebiet  von  allgemeinstem  interessej 
viele  Ratgeber  platz  hat.  Bs  ist  das  Geschlecht  mit  seinen  vielen  Zusammen- 
stößen von  Lust  und  Unlust,  mit  seinen  Genüssen  und  flöten,  seinen  Anreizen 
und  verboten,  Lockungen  und  Gefahren.  g£t  der  durclischnittlichen  privaten 
Trfahrung  und  einem  !<inimum  an  vds sens chaftli eher  Kenntnis  kann  Jeder  als 
Fachmann  auftreten,       kann  sogar  auf  Erfolg  hoffen,  denn  in  problematischen 
sexuellen  Situationen  sieht  zumeist  jeder  unbeteiligte  klarer  als  der  Verft 
strickte,  so  wird  er  die  Kompetenz,  die  er  nicht  besitzt,  oft  sozusagen 
unter  Bei/reis  stellen  können,  fit  der-)  Psychoanalytiker,  wird  auch  er  unbe- 
grenzte Toleranz  zeigen  müssen,  denn  nur  sie  bietet  volle  Gewähr  dafür, 
daß  der  Ratsuchende  sich  verstanden  fühlt,  was  ja  für  das  Vertrauen  die 
wichtigste  Bedingung  bildet.  Dem  Rat-" suchenden»  körnet  man  auf  halbem 
'ege  entgegen  oder  man  findet  einen  Stil,  Piilfe  anzubieten,  wo  sie  nicht 
erbeten  wurde. 

Sobald  die  Straße  der  uneingeschränkten  oder  vrahllosen  Toleranz 
betreten  ist,  gerät  man  leicht  in  groteske  Übertreibungen,  an  denen  sowohl 
der  wachsende  Diensteifer  als  auch  die  wachsende  "onkurrenz  schuld  sein 
mögen.  Ein  Geistlicher  brachte  es  fertig,  den  Redakteur  eines  Magazins 
für  erotische  Attraktion,  das  den  amerikanischen  Markt  beherrscht,  als 
Moralisten  zu  feiern.  Doch  bald  war  er  übertroffen.  Kein  vernünftiger 
Mensch  verurteilt  heute  noch  die  Homosexuellen*  Die  Gesetzgebungen  haben 
eine  umfassende  Revision  erst  begonnen,  aber  die  Verfolgung  hat  praktisch~^&y| — 


schon  aufgehört,  weil  Jeder  weiß,  daß  es  eine  Krankheit  ist;  obzwar  nur  ganz 
wenige  dieser  Franken  bereit  sind,  sich  heilen  z*.  lassen.  Aber  auch  da  führt 
der  unsch,  eine  noch  nie  dagewesene  Nützlichkeit  und  einzigartige  Toleranz 
an  den  Tag  zu  legen,  zu  derb  komischen  Auswüchsen,  indem  ein  pfarrer  homo- 
sexuellen paaren  kirchlichen  Segen  als  Imitation  des  Ritus  der  Eheschließung 

x 

anbietet.  Mag  sein,  daß  auch  dieses  Angebot  die  nicht  vohandene  Nachfrage 
noch  hervorrufen  wird,  im  Hinblick  auf  mögliche  legale  Konsequenzen, 
•wie  etwa  im  Erbrecht,  Das  analoge  Angebot  an  die  Lesbier  innen  steht 
noch  aus, 

?jur  in  extremen  Fällen,  die  unliebsames  Aufsehen  hervorriefen, 
war  die  Einmischung  in  die  Einmischung  unumgänglich,  wie  etwa  gegen 
einen  Geistlichen,  der  Halbwüchsige  beiderlei  Geschlechts  in  seine  , 


Kirche  lud  und  ihnen  in  einem  ihrer  Räume  Gelegenheit  und  Anregung  bot. 


finden^  müssen  wir  uns  vergegenwärtigen,  daß  in  den  F  Religionen,  zu  deren 
weiterer  Gruppe  das  Christentum  gehört,  der  priester  seit  Menschengedenken 
einen  Gott  repräsentierte,  der  zuweilen  wohl  liebte,  aber  doch  nie  aufhörte, 
auch  die  befehlende,  verbietende,  mahnende,  warnende  und  strafende  Macht 
zu  sein.  Dem  Charakter  und  der  Stellung  der  Kirche  entsprechend,  war  der 
Priester  einmal  gefürchtet,  aber  in  der  Achtung,  die  er  auch  in  der  zeit 
der  reduzierten  Macht  der  Kirche  genießt,  ist  noch  ein  Echo  jener  Furcht, 
Da  diese  nur  noch  im  unbewußten  nistet,  und  in  dem  der  Protestanten  wohl 
nicht  viel  weniger  als  in  dem  der  Katholiken,  sitzt  sie  umso  tiefer.  Der 
berufsmäßige  Diener  der  Gottheit  war  seit  einer  langen  Kette  von  Generationen, 


-      «     wahr  scheinlich  seit  vorgeschichtlichen  Epochen,  das  verkörperte  tJberich, 


negativ,  nicht  viel  weniger  als  im  Buddhismus,  Die  v/endung  zu  relativer 
rebensbejahung  in  der  WtmmMm  hob  das  psychologische  Begleitmotiv  nicht  ganz 


tfberichs  zum  Geschlecht  deutlich 


Philosophie  nannte,  war  die ; Erkenntnis  des  Wesens, oder  zumindest  die  des 

wesentlichen, das  ziel.  Das  fesen  oder  das  wesentliche  läßt  man  nun  links  liegen 

und  lächelt  nicht  einmal  Uber  so  etwas  Verschrobenes.       der  Psychologie  wie  in  der 

Physik  und  Chemie  studiert  man  das  vorhalten  der  Objekte,  wodurch  rwi  sich 

um  die  Erweiterung  der  geistigen  Rohstofflager/^hohe$7erdienste  ermrbtj 

wa*'hrend  die  Frage,  was  die  Objekte  seien,  und  gar  die,  ob  sie  seien,  als 

unzulässig  gilt.  m  nennt  solche  Problemstellungen  Metaphysik  und  spricht 

dieses  7iort  aus  wie  die  Bezeichnung  fUr  eine  nicht  zimmerreine  Handlung. 

Viele  Andere,  die  sich  garnicht  Eehaviouristen  nennen,  halten  es/\ebenso. 

Der  Begriff  des  Beweises  wird  ohne  |at  scheu  vor  Absurdität  derart  entstellt, 

daß  ein  Beweis  kaum  noch  möglich  ist.  Daß  ein  von  einem  brennenden  Zündholz 

berührter  Haufe  trockenen  Strohs  ebenfalls  brennt,  ist  für  diese  schule 

kein  Beweis  einer  Kansalbezieliung  zwischen  den  beiden  Erscheinungen,  auch 

die  beliebige  Wiederholbarkeit  des  Experiments  ist  es  nicht.  Man  erklärt 

es  einfach  für  unerwiesen,  daß  die  Folge  nicht  auch  ausbleiben  konnte. 

Der  völlig  haltlos«*  simplifikation  setzt  die  Realität  selbst  gewisse 
Grenzen.  Da  man  den  asketischen  Beschluß,  sich  rein  deskriptiv  zu  verhalten, 
nicht  durchführen  kann,  ohne  auch  solche  Vorgänge  aufzunehmen,  die  das 
Kausalprinzip  direkt  demonstrieren,  wie  Aktionen  mit  den  ihnen  folgenden 
Reaktionen,  sieht  man  sich  genötigt,  da»  Zugeständnis  der  Ursächlichkeit 
hinter  einer  sehr  matheinatisch-iaturwissenschaftlich  dreihblickenden 
Terminologie  zu  tarnen,  "nie  Ursache  heifit  von  min  an  3,  Stimulus,  die  Folge 
R,  response.  R  und  5  wirklich  zu  definieren,  oder  zu  erklären,  inwiefern 
sie  sich  von  aller  abgetanen  Etiologie  unterscheiden,  kann  man  sowieso 
ruhig  ablehnen,  denn  das^wäre  ja  Metaphysik,  so  verliert  man  sichern 
Einzelheiten  und  verurteil t^sie\  zur  Sinnlosigkeit. 

'licht  so  der  Atoroismus,  dessen  feleine  ;elt  sehr  groß  ist,  zwar  ist  es 
möglich,  daß  die  technologischen  Konse  ;uenzen  zur  Zerstörung  des  Lebens 


auf  unserem  Planeten  führen  werden,  da  sie  wenigen  oder  gar  Einem  eine 
Ifacht  geben  wie  sie  sterbliche  nie  hatten.  tfftöea^Angsttraum^darf  aber  nicht 
den  Maßstab  für  die  Bewertung  von  Forschungen  bilden,  die  um  der  Erkenntnis  v&llen 
von  der  griechischen  Antike  bis  in  die  Neuzeit  unternommen  wurden.    y/as  einem 
Demokritos  vorschwebte  und  woran  schon  parmenides  arbeitete,  war  die  Begründung  des 
Wesens  der  Materie,  und  von  da  aus  hofften  sie  und  ihre  Nachfolger  zu  ijösungen 
aller  Rätsel  zu  gelangen,  ist  es  nicht  das  streben  nach  dem  Ganzen,  durch 
das  wir  unsern  sinn  erfüllen  ? 

s  ist  irohl  nicht  das  Ganze,  aber  es  sind  immerhin  Ganzheiten  und  somit 
Brücken  zum  Ganzen,  die  durch  die  Gestalttheorie  jenem  Verfall  der  Begriffe 
entwunden   und  wiederher gestellt  werden.  gü>  mußten  es  endlich  erfahren,  daß 
ein  Brief  mehr  ist  als  ein  mit  Buchstaben  bekritzeltes  stück  papier  und  ein 
l'ensch  mehr  als  eine  Anzahl  von  Eingeweiden  mit  Zubehör  samt  ihren  Funktionen. 
Man  wagt  also  wieder  an  das  Wesen  der  Dinge  zu  denken,  und  das  ist  wesentlich. 

Versuch  über  Beziehung 

in  der  folgenden  Skizze  sei  auf  eine  Qualität  oder  Wesenheit  hingewiesen, 
die,  bisher  zu  wenig  beachtet,  unserer  Daseinsdeutung  eine  Möglichkeit 
erschließt. 

Die  vielen  Doppelsterne,  die  Sterngruppen,  die  Ldchstraßen  und  die 
ihnen  noch  übergeordneten  jggag^rungon  von  idmmelskörpern,  aber  auch  die 
Planeten  ttaseres  Sonnensystems  und  ihre  Satelliten,  sowie  die  der  andern 
Gestirne,  und  schließlich  die  .paartikel  der  Atome  kreisen  in  Bahnen,  die, 
wie  vdr  auf  Grund  von  Beobachtung  und  vergleich  annehmen,  von  den  selben 
Kräften  bestimmt  sind,  die  wir  aus  unserem  Alltag  kennen  oder  zu  kennen 
glauben.  Als  sicher  kann  gelten,  daß  zwischen  allen  jenen  Einheiten 
Bezishungen  bestehen  und  daß  sie  ohne  diese  Beziehungen  nicht  denkbar 
sind,  daß  also  Beziehung  einen  integralen  Teil  ihrer  TJatur  oder  gar  ihr 
eigentliches  y;esen  bildet.  Auch  in  unserer  T^benssphäre  beobachten  vdr 


auf.  Die  psychologisch  so  ^dcrs^ichsvolle  Situation  von  heute  besteht  darin,  j 
daß  der  Priester  selbst  der  alten  Wirklichkeit  seiner  negativen  Autorität 
die^ seiner  positiven  Autoritätslosigkeit  gegenüberstellt. 

nie  Vertreter  der  firche  wollen  sich,  oder  sie,  um  jeden  preis  den 
Bedürfnissen  der  Gegenwarijanpassen,  aber  der  preis  könnte  zu  hoch  sein, 
nie  vielen  Veimrrten,  deren  Glaube  ohnedies  erschüttert  ist  und  schweren  Belastungs- 
proben nicht  mehr  standhalten  kann,  sind  dem  ^Widerspruch  tischen  den  beiden  j 
Wirklichkeiten  nichtj^ewacfe^^  Heil  in  der  Flucht  suchen 

fi^nyln^r^Oucht  vor  der  Kirche  und  ihren  Vertretern, 
nie  Flucht  hat  schon  begonnen  und  auch  an  ihr  nehmen  immer  mehr  Pastoren 
teil,  noch  höchst  selten  ereignet  es  sich,  daß  l&ner  auf  seine  Bezüge  verzichtet 
und  aus  seiner  beschleunigten  und  glücklich  beendeten  Ablehnung  der  Religion 
die  iaän  Gliche  Konsequenz  des  Abtritts  zieht.  Man  behalt  einfach  den  schönen 
Posten  und  erklärt  frei  nach  Nietzsche,  Gott  sei  tot.  s±  duo  faciunt  idea 
non  est  idem.  Für  das  kranke  Genie  war  das  Selbstbefreiung  aus  einem  unerträglich 
gewordenen  Zwangs  zustand,  nie  moderne  Nachahmung  riecht  eher  nach  vatermord 
aus  schäbigen  Motiven.  Das  allerdings  kann  kaum  noch  tibertroffen  werden, 
insbesondere  wenn  eine  solche  Proklamation  oder  die  Zustimmung  zu  ihr  mit 
unverhüllter  Erleichterung  oder  Genugtuung   erfolgt,  nicht  etwa  im 

Sinne  der  antiken  kultischen  Trauer  um  Thamrauz-Adonis .  Die  neueste  iforal 
entbehrt  jeder  präzedenz  in  der  Natur.  Gibt  es  etwa  einen  ??und,  der  den 
sterbenden  oder  toten  Herrn  beißen  oder  beschmutzen  würde  1  ic  ^ 
*^/U^     ^^^^e^ein^schTOrlich  noch  korrigierbare*.  Zerrbild  des  Vorganges, 
der  sich  in  den  besten  Geistern  der  protestantischen  und\anglikanis chen 
Tdjfche  abspielt,  eine  beklagensTierte  $lßM&te®cmxd^^ 

,  TC 

Parodie  auf  das  Entstehen  und  Vergehen  von  Ideen.  £ 

.Solchor  zorrülUmg  gu^iiUber  üdiaüil  der  dm1  chsctihi etliche  katholische- 
Eri^siei^^en-hewte^er  -es-  in  seiner  nicht  mehr  starren  Kirche  scheinbar 


leichter,  doch  in  mancher  Beziehung  schwerer  i^fc,  intakt  bleiben  und  seine  ^pd^- 


4< 


^*f3e  für  kein  Linsengericht  hergeben .  «nwüeö, 

Es  ist  AU<&  bemerkenswert,  daß  der  Anteil  von  Juden  am  Freidenkertum 
eher  noch  ge"wach3en  ist)  daß  aber,  "wie  das  an  Richtungen  JÄt  reiche 
Judentum  Nordamerikas  zeigt,  die  jüdischen  Gemeinden  ihre  Kohäsion 
bewahren,  ihre  typischen  geistigen  Führer,  deren  Altruismus  sich  keines- 
vre £3  Uber  die  heutige  norm  erhebt,  zeigen  keine  Neigung  zur  Fahnenflucht« 
Es  scheint  nur  eine  kleine  Gruppe  zu  geben,  die  einem  atheistisch  gesinnten 
Reformrabbiner  gefolgt  ist.  noch  ist  anzunehmen,  daß  solche  Experimente, 
Trenn  sie  gelingen,  Nachahmer  anregen  isrerden,  auch  ihre  Originalität  zu 
zeigen.  Hingegen  ist  mehr  als  verständlich,  daß  es  unter  den  Überlebenden 
der  Vernichtungslager  und  den  Hinterbliebenen  der  sechs  Millionen  ©p£er  5uu»v(«4, 
nicht  spiele  gibt,  deren  Glaube  an  einen  zugleich  allmächtigen,  gerechten 
und  liebenden  Gott  die  furchtbarste  Konfrontation  mit  der  Wirklichkeit 


Sre  aber  ,  wahr  s  ifus i; 


überstehen  konnte. 

Das  Ende  -äer-  Religion  wäre  afeer  Tmfrrnijhrinlioh«  auch  von  einem  ganz 
und  gar  nicht  kirchlichen  Standpunkt  zu  bedauern.  y/as  immer  zwangsläufig 
zur  Aufhebung  des  Glaubens  führt  und  in  irgend,  einem  unvorhersehbaren 
Tempo  den  Kirchen  den  Boden  entzieht,  stellt  un£  vor  die  bereits  berührte 
präge  eines  Ersatzes  für  ihre  soziale,  oder  genauer»  gesellschaftserhaltende 
Funktion. 

ras  Bekenntnis  zu  illusionsloser  Wahrhaftigkeit  als  ziel  jeder  kollektiven 
und  individuellen  Erziehung  erfordert  sicherlich  rücksichtslose  Abrechnung  mit 
der  Religion  im  allgemeinen  und  mit  den  orthodoxen  Mächten  im  be sondern. 
Aber  *^/naberyiuich  den  zu  erwartenden  und  teilweise  schon  eingetretenen 
Konsequenzen  in  die  Augen  zu  blicken. 

Fast  jede  Religion  in  ihren  Anfängen,  solange  sie  eine  aus  der  Negation 

vorhan 

idener  zustände  zu  positiver  Forderung  revolutionär  hervorbrechende 


KTaft  war,  den  Ansehen  emporgebracht,  um  aber  in  späteren  %stanungszu- 
ständen  weitere  Entwicklung  zu  verhinderndem  militanten  Konservativismus  ft 
führte  einer  der  wege  zu  brutalstem  Egoismus  und  i^iie  Abgründe  des  Verbrechens, 
Von  der  Inquisition  haben  blutgetränkte  Lander  sich  bis  heute  nicht  erholt. 
Das  pesthalten  am  Greuel  der  Stierkampfe, z.B.,  mag  jttrf  noch  fortwirkende  sadisti- 
sche Reaktion  eines  gequälten  Volkes  sein.. 

Diese  Tatsachen  haben  aber  auch  eine  Kehrseite.  Zwischen  der  heute  zumindest 
im  lösten  rapid  zunehmenden  Kriminalität  und  der  Trrschütterung  des  Glaubens 
rällt  ein  unleugbarer  Zusammenhang  auf.  Der  Furcht  vor  dem  strafenden  Gotte 
folgt  ein  vadium,  die  Hemmungslosigkeit,  deren  der  Staat  allein  nicht  Herr 
werden  kann.  Man  wird  wahrscheinlich  noch  längere  zeit  die  bestehenden 
und  neue  Erziehungsmittel  mobilisier enjf  den  bedrohlichen  Energieüberschuß  ^- 
in  den  Sport  und  in  die  diversen  Vergnügungen  abzuleiten  suchen.  Das  wird 
wenig  nützen,  solange  die  vom  Glauben  hinterlas sene  Leere  nicht  gefüllt 
sein  wird. 

Es  ist  aber  ebenso  traurig  wie  wahr,  daß  diese  Füllung  sich  nur  dort 
anna-hernd  problemlos  vollzieht,  m  sie  schon  vorher  mehr  oder  weniger  überflüssig 
war,  wo  nämlich  sittliche,  bzhw.  seelische  Gesundheit  antisoziale  Tendenzen 
in  gefährlichem  Maßstabe  nicht  erst  entstehen  ließ  oäer  oder  zumindest  in 
Schach  hielt,  wo  aber,  wie  bei  einem  grausigen  Prozentsatz  der  Gesamtbevöl- 
kerung, lückenhafte  Gesundheit  zersetzende  Kräfte  unaufhörlich  und  mit  zu- 
nehmender  ;rntensit^  einlädt,  wird  eine  Machfolge  für  die  *^/sl^h  ver- 
triebene Religion  zum  brennenden  Problem.  Da  erwacht  also  die  Sorge,  ob 
der  Durchschnittsmensch  überhaupt  zu  einer  sthik  erhoben  werden  kann,  die 
nicht  auf  Lohn  und  strafe  beruhtj  ob  der  in  der  durchschnittsmenschlichen 
Seele  in  der  bekannt  wirksamen  reise  vertretene  himmlische  Gesetzgeber, 
Staatsanwalt  und  Richter  durch  irgend  etwas  zu  ersetzen  ist.  für  die 
kapitalistische  und  die  koramunis tische  Gesellschaft  mögen  die  Resultanten 


31 


verschieden  sein,  da  die  Komponenten  verschieden  verlaufen.  Doch  haben  beide 
Systeme  ihre  ;crindnalität.  Da  diese  mit  wechselnder  Besetzung  der  Anklage- 
bank Herrschende  und  Beherrschte  einschließt,  ist  da  und  dort  ein  Archimedischer 
fester  Punkt,  von  dem  aus  für  soziale  Einsicht  und  andere  idealbegriffe 
Normen  festgelegt  werden  kannten,  schwerlich  auffindbar,  für  die  T/restliche 
Tjelt  ist  klar,  daß  sie  zur  Erlangung  eines  Ersatzes  für  Religion  nloraonte £^^^-»4, 
ihrer  Zivilisation  entwickeln  oder,  wenn  sie  es  kann,  ein  ueues  hervor- 
bringen muß,  um  ihr  zunehmendes  Vakuum  zu  füllen,   welche  existierenden 
Elemente  könnten  zu  solcher  Bedeutung  entwickelt  werden  ?    Kann  es  der 
Patriotismus  sein  ? 

n 

Die  Annahme,  er  hebe  die  Moral  und  schränke  die  Kriminalität  ein, 
erfährt  ihre  gründlichste  Prüfung  in  Kriegs Zeiten,  die  mit  Recht  als 
die  der  besten  Konjunktur  für  die  Patriotismen  gelten,  zwar  wird  da  unter 
zugleich  äußerem  und  innerem  Druck  Burgfriede  der  Parteien  und  das  mögliche 
Maximum  an  Solidarität  der  Bevölkerung  eines  Landes  erreichtjj.j&ie  organisierte  grcksxv 
Unterwelt  verliert  soesk  an  Kräften  durch  Einrücken  ihrer  meisten  Mitglieder* 
das  ist  aber  weder  das  Ende  ihres  Bestandes  noch  das  ihrer  Aktivität.  Bald 
nach  Beendigung  des  Krieges  erweist  sich  alles  als  künstlich  und  sämtliche 
Gruppierungen  nach  Interessen  kehren  wieder,  m  der  unmittelbaren  Gegenwart  fehlt  es 
auch  nicht  an  Beispielen  für  bewaffnete  Konflikte  innerhalb  einer  kriegführ enden 
"acht  während  des  Krieges.  Der  patriotische  Impuls  müßte  also  viel  natürlicher 
sein  als  er  ist,  um  jene  zersetzenden  Instinkte  zu  beseitigen. 

nie  Rolle  der  gg^H*  i^^^^^^ 

7enn  wir  weiter  Umschau  halten,  um  zu  finden,  was  nach  <a^*^vermeidlichen 
Fortsetzung  des  Schrumpfungsprozesses  die  Religion  ersetzen  k©mitund  nach  dem  heu- 
tigen ^rsiehungs^wesen  blicken,  können  wir  auch  von  diesem  nicht  das  Heil  erwar- 
ten, seihst  T^enn  es,  den  neuesten  Bestrebungen  und  Versuchen  in  einer  Reihe 
von  rändern  entsprechend,  diverse  jetzt  geplante  Reformen  erfahren  sollte. 


■ 


Hin 


4o 


Da  dl^V^diagen  verfehlt  «bad,  und  In  einem  schlimmeren  zustand  als  je, 
werden  einzelne  Verbesserungen  nicht  helfen.  Alle  jene-  Beratungen  beziehen  sich 
vor  allem  nicht  auf  das  eigentliche  ziel  der  Erziehung,  auf  den  Menschen,  der 
ihr  Ergebnis  sein  soll,  zumindest  ist  nigends  zu  erkennen,  daß  dieser  wichtig- 
ste Ausgangspunkt  genügend  klar  geworden  oder  der  ft*t  der  zeit  entsprechend 
definiert  worden  wäre.  Statt  nach  dem  Menschen  zu  und  seiner,  wie  man  annehmen 
sollte,  Hftta***  heute  besser  erkennbaren  Natur  gemSB,  rückt  die  Erziehung 
immer  mehr  vom  menschen  ab.  ihr  Betrieb  wird  von  Jahr  zu  Jahr  mechanischer. 
Zwischen  die  sowie  so  schon  stark  entfremdeten  mitbeteiligten,  den  Lehrer 
und  den  Schüler,  tritt  die  Maschine  und  errichtet  eine  nichWaenschliche 
Diktatur.  Hoch  lehren  Lehrer,  aber  sie  tun  es  notgedrungen  immer  mehr  im 
Geiste 
und  auf 

Die  Arbeit  der  Lehrer  ist  einerseits  erleichtert,  wie  Überall  wo  die  Haschine  ent- 
scheidet, anderseits  haben  sie  immer  weniger  mitzureden.  Die  Maschine  trägt  die 
Verantwortung.  T?enn  etwa  ein  junger  yenseh  zusammenbricht,  was  notwendig 
eeworden  ist  und  immer  öfter  vorkommt,  lehnt  der  Lehrer  die  Verantwortung 
ab,  und  mit  Hecht,  da  er  am  Gesamtverfahren  kaum  noch  einen  größeren  Anteil 
hat  als  der  Achter  oder  Handlanger  in  der  ^Maschinenhalle  der  Fabrik,  im  Falle  von 
Selbstmorden  wollen  auch  Schuldirektoren,  Inspektoren  u.s.w.  nichts  von  Ver- 
antwortung wissen  und  v/eisen  mit  Bedauern  auf  vorschriftsmäßige  Prozeduren  hin, 
denn  wer  diese  einhält,  ist  frei  von  Schuld.  Man  kann  das  Bedauern  so  ziemlich 
Jedem  glauben,  zumal  die  meisten  Erzieher  und  Administratoren  der  Erziehung 
-selbst  unter  der  üechanisierung/zu  leiden  haoen.  tfber  ihnen  waltet  eine 
anonyme  Facht.  Diese  Facht  besitzt  Empfindlichkeit,  doch  /fnicht  Intelligenz, 
ist  präzis,  doch  blind  für  die  Folgen  ihres  «Ürkens.  Die  demoralisierende  Aufhebung  dl 
der  Verantwortung  Kud  frißt  um  sich  wie  eine  Epidemie  und  verzehrt  die  Reste 


von  Sympathie  und  Achtung  zwischen  Lernenden  und  Lehrenden.  An  ihre  stelle 
ist  ein  erneuertes  Regime  der  Drohung  und  Furcht  getreten,  das  die  Phraseo- 
logie der  Demokratie  rücksichtslos  kompromittiert. 

Die  Konkurrenz,  die  Unheil  gebiert  und  Unheil  vorviroaoht,  hat  einen 
Großteil  dieser  Greuel  verursacht.  Sie  ist  es,  die  die  Maschine  braucht 
und  herbeiruft  und  auch  direkt  bricht  sie  tief  injias  Erziehungswesen  ein. 
Hier  ist  es  nicht  so  sehr  die  Konkurrenz  zwischen  Firmen  desselben  Faches, 
sondern  der  Interessenkonflikt  zwischen  ganzen  Fächern,  wie  Gas  und  Elektri- 
zität, und  noch  mehr  der  :"irts chaf  tskampf  zwischen  den  Ländern  um  Absatz ge- 
biete,  /"der  die  h3  chste^ff ektivität  der  Arbeit  und  maximale  Leistung  erfor- 
dert, von  den  Elementarschulen  bis  zu  den  Hochschulen  wachsen  die  Ansprüche 
ins  phantastische.  Die  Ideen,  die  ausgeheckt  werden,  wären  dmt  teuflisch, 
wenn  sie  nicht  zugleich  krankhaft  wären,  es  gibt  Leute,  die  an  Methoden  des 
Raubbaues  am  Kleinkindergehirn  arbeiten,  um  Dreijährigen  oder  zweijährigen 
das  Lesen  und  schreiben  beizubringen,  um  sie  dadurch  mit  zunehmendem  Alter 
zu  entsprechend  höheren  Leistungen      befähigt*.  Noch  wird  aus  Gründen  der 
künftigen  Arbeitsfähigkeit,  nicht  etwa  aus  Menschlichkeit,  anerkannt,  daß 
das  Find  spielen,  also  Kind  sein  muß.  Das  soll  aber  nur  noch  ein  partielles  Recht 
sein.  >Jeue,  verwissenschaftlichte  Ausbeutung  hat  auch  das  Kleinkind  aul  Korn 
genonrnen,  Sklavenhaltermoral  kehrt  in  veränderter, /Gestalt  wieder. 

zugleich  wird  die  Konkurrenz  zwischen  den  studierenden  als  Ansporn  zu  weiteren 
Leistungen  systematisch  gesteigert,  ohne  daß  die  solchen  Lehr-  und  prüfungsme- 
thoden  zu  Grunde  liegende  Scheinlogik  entlarvt  wird.  Denn  das  von  den  Anfangs- 
gründen des  Jemens  bis  an  die  Grenze  seiner  professionellen  Verwertung 

llfttNüi  «I^Hii^   

nur  ein  stwlium  in  dauernder  Spannung.  Niemand  kann  4ä^/5<5hule  lieben.  Man 
verschließt  sich  der  elementaren  Einsicht,  daß  die  chronische  Atmosphäre 


der  unpersönlichen  Grausamkeit  immer  nur  zu  scheinbaren  Istleistungen  führen 
kann,  da  so  nichts  mehr  um  seiner  selbst  -willen  gelernt  wird;  me  auch  die 
^Resultierende  brufliche  Arbeit  nie  um  ihrer  selbst  willen  getan  Verden 
kann.   Man  bezahlt  Schulpsychologen,  aber  nicht  um  ihnen  zur  ?jarnung  vor  dem 
Verhängnis  der  terroristischen  ilechÄisierung»  Gelegenheit  zu  geben,  sondern 
um  mit  ihrer  Hilf«  das  unerträgliche'  erträglich  zu  machen  und  der  Ausbeutung 
durch  Beseitigung  von  individuellen  und  etwaigen  Qruppenwiderständen  höhere 
Effektivität  zu  sichern. 

Was  denkt  oder  behauptet  diese  schule  von  sich  selbst  ?  Schimmert  irgendwo 
ein  Bemißtsein  des  abgründigen  zu Standes  ihrer  Selbstverneinung   durch  ? 
Merken  diese  Erzieher,  '.voran  sie  mitarbeiten  oder  welchem  Vorgang  sie 
passiv  zusehen  ?  Qibt  es  doch  noch  Kritik,  gibt  es  Wahrhaftigkeit  ? 
Oder  was  sucht  man  sich  und  Andern  vorzutäuschen  und  me  tut  man  das  ? 
in  einem  amtlichen  nordamerikanischen  Zeugnisformular  heißt  es  unter 
HExplanation« • 

Ii«  Attitudes  and  APi  lication  -  This  includes  (a)  attitude 
toward  self-impiovement,  (b)  eo-operation,  (c)  sense  of 
responsibility,  (d)  leadership  and  (e)  emotional  control. 
fa)  Hier  erfahren  vor  also  zu  unserer  Überraschung,  selbs tverbes serung 
werde  in  Betracht  gezogen.  I)a  aber  diese  Schule  alles  tut,  um  die  natürlichen 
Anlagen  eines  jungen  Menschen  zu  unterdrücken,  ihn  zu  versklaven, und  ihm  selbst 
in  der  Tortur  der  Prüfungen  die  bekannt  unfairen  Listen  falscher  Antworten 
vorgJ.egfi%  unter  denen  er  eine  richtige  herausfinden  soll,  kann  es  sich  ja 
nur  um  eine  Selbstverbesserung  handeln,  die  der  Schüler  nicht  dank  der  schule, 
sondern  trotz  ihr  und  gegen  sie  erreicht.  Das  ist  in  einzelnen  lallen  denkbar, 
wenn  der  Schüler  einen  unbeugsamen,  großen  Charakter  besitzt,  der  aus  der 
Mißhandlung  während  seiner  pntwicklungs jähre  in  -wunderbarer  Ganzheit  hervorgeht. 
Doch  ein  solches  Ergebnis  so  hinzudrucken,  als  ob  es  im  Normalfall  zu  erwarten 


v&re,  und  obendrein  noch  dank  eben  dieser  schule,  ist  das  nur  Gedanken- 
losigkeit oder  abgründige  unv*ahrhaftigkeit  ? 

(b)  in  unserer  zeit  werden  manche  Realitäten,  deren  man  sich  ein  wenig 
schämen  nag,  oder  die  nachteilig  wirken  könnten,  zwar  nicht  abgeschafft, 
bekommen  aber  schönere  Namen.  Gehorsam  heißt  jetzt  co-operation. 

(c)  Da  steht  es  nun  schwarz  auf  weißj  Derselbe  Mechanismus,  dessen 
Bedienungsmannschaft  befugt  ist,  Verantvjortung  abzulehnen,  fordert  3olche  - 
von  seinem  Opfer.  Da  zuguterletzt  irgend  jemand  verantwortlich  sein  muß, 
wenn  dieses  hübsche  wort  nicht  ganz  gestrichen  werden  soll,  hat  er,  der 
wehrlose  Schüler,  von  irgenwoher  den  sinn  fttr  Verantwortung  zu  besitzen 
und  ihn  auch  zu  beweisen. 

(d)  soll  etwa  dieser  Arme,  sobald  die  pein  eines  solchen  Schulsystems 
vorüber  ist,  sich  noch  irgendwie  aufrichten  oder  gar  zum  ptlhrer  Vierden 
können  ?  Daß  die  Unterdrückung  in  der  entscheidenden  Jugendzeit  dann 
durch  umkehrung,  durch  den  imitativen  iunsch  nach  Unterdrückung  Anderer, 
zum  pührertum  »verden  könnte,  ist  im  Diktaturstaat  -wahrscheinlicher  als 

in  einer  auch  nur  formell  gewahrten  Demokratie .  Da  aber  jede  Gesellschaft 
Führer  braucht,  einen  oder  mehrere,  mit  mehr  oder  traniger  beschränkten 
Vollmachten,  sieht  sich  diese  schule  genötigt,  die  phrase  vom  jUhrortum 
ein zubeziehen,  niemand  aber  kann  Uber  die  einfache  Logik  hinwegkommen, 
daß  aus  einer  versklavten  Generation  nicht  demokratische  ptthrer  hervorgehen 
können,  sondern  Diktatoren  und  solche,  die  es  um  jeden  preis  werden  wollen. 

(e)  unter  Beherrschung  von  Gefühlen  ist  hier  die  Fähigkeit  des  Schülers 
zu  verstehen,  seine  natürliche  Reaktion  gegen  chronische  Verstümmelung 
im  zaum  zu  halten.  Et*  soll  seine  emotionale  Abwehr  unterdrücken  können, 
alles  soll  der  verhängnisvollen  Verdrängung  anheimfallen,  wie  sie  mit  ihren 
Folgen  in  der  psychoanalytischen  Literatur  4ä»  dargestellte  ist. 

30  wird  dieses  Zeugnisformular  zum  Zeugnis  für  ein  System,  JfX&Ctltx 


das  nicht  einem  einzigen  Land,  sondern  vielen  Landern  zum  Verderbnis 

werden  kann.  v^^'<*^  *^  • 

Die  moderne  schule,  die  noch  vor  einer  Generation  auf  ihre  progressivst 
stolz  sein  konnte,  ist  mutatis  mutandis  weit  schlimmer  als  alte  und  primitive 
Schulen  ndt  ihren  prllgelmethoden  jemals  waren.  Große  Pädagogen  der  Vergangenheit, 
wie  Pestalozzi,  oder  zeitgenössische  vde^orezak,  der  mit  seinen  Schülern 
freiwillig  in  den  Vergasungstod  ging,  sind  zu  fernen  Legenden  getreten,  die 
zu  nichts  verpflichten  und  von  denen  man  nicht         lernen  mag.  oder  genauer, 
wenn  ein  Bewunderer  &8*ft/«l  folgen  wollte,  könnte  er  es  nicht,  weil  er  einer  1 
anonymen,  unpersönlichen  und  verantwortungslosen  Macht  Untertan  ist. 

mm  ist  klar,  daß  diese  unheimliche  Macht  nur  schrittweise  abgeschafft 
Yierden  könnte,  doch  rotlßte  die  restlose,  gänzliche  Abschaffung  und  die 
•;iedGreinführung  der  Menschlichkeit  das  ziel  bilden.  Menschlichkeit  auf  allen 
Gebieten  des  Schulwesens  einschließlich  der  höchsten  fachlichen  Abbildung 
könnte  zu  einer  Kraft  werden,  die  einen  erneuerten  Menschen  zu  erneuertem 
Inhalt  und  zur  Formung  neuer  Gemeinschaft  führt,  im  Prinzip  wHre  eine  Lösung 
unseres  Ausgangsproblems,  der  Frage  einer  Nachfolge  für  die  Religion,  als 
inbegriffen  zumindest  vor  stellbar. 

i 

im  Anfang  dieses  Jahrhunderts  waren  manche  Freigeister  der  optimistischen 
Meinung,  die  Kunst  sollte  und  könnte  den  von  der  Religion  zu  f$$0$$/L 
räumenden  platz  einnehmen.  Das  war  damals  nicht  ganz  von  der  Hand  zu  weisen, 
da  die  Kunst  noch  Qualitäten  hatte,  die  sie  zu  einer  wesentlichen  sozialen 
und  psychologischen  Aufgabe  befähigten.  Betrachten  wir  daraufhin  so  unvorein- 
genommen wie  möglich  den  neuesten  Abschnitt  der  Entwicklungs gescliichte  der 
Kunst  und  ihren  heutigen  zustand. 


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2^nJ}-\Avt  tüdU^Ät**-  Ju^riui^  faU*^-,  lj^/h<s  P^/^A'i^t.  fyj^cfc/ st^^^s^^A* 


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<-         ä£s  ob  Bari.*»  die  ^Hauptstadt  der  israe 

v      *  «Ächte  s^^tieren  könnt.*  und  nie  t  sovieso  früher 

besetzenden  wwex**»«  >-x' 

v^ä+tPr>    und  als  ob  das  Ringen  zveier  ÜevelL-  . 
oo>r  später  zu  verlassen  hätten,  unu  au.-  o 


Uhm-  »  entscheid,;n  "•*"9'  h8t  diese  äUdt  eS, 

vermocht,  eine  Veit  an  den  Rand  des  Abgmndee  »  ' 


•  101 


all ei oh fr  eine  glückliche  Idee  der  westlichen  Diplomatie  i 

jewe.-en,  der  Sowjetunion  die  Uravandiung  Berlins  in  eine  demilitarisiert«, 

▼on  internationaler  Polizei^zu  sichernde  J^reie  Stadt  vorzuschlafen  und 

eui'  die   .ommunisten  unter  Mobilisierung  der  weltraeinung  jeden  möglichen 

DrucK  auszuüben,  um  sie  zur  Annahme  eine?  solchen  Friedensplanes  zu 
zwingen.  Die  Erreichung  diese.-  Zieles  hfitte  dem  Westen  auch  einen  enormen 

Prestige-Gewinn  gebracht.  Leider  aber  waren  es  die  Russen,  die  nahezu 

auf  dieselbe  Idee  gekoinmen  varen  und  diese  lllmmg  den  Vereinigten  Staate* 

und  ihren  Verbündeten  offen  angeboten  hatten.  Ein  klares  Angebot  dieser 

Art  baten  die  .Hussen  .biehes  zwar  nur  bezüglich  West-Beriins  gestellt. 

Zuletzt  hatfe«iru\schtschew  es  dahin  formuliert,  da#s  West- Berlin  als  ^reie 

Stadt  von  den  drei  Vestmächt  n  und  von  der  Sowjetunion  garantiert 

ß nur 
in  dieser  /freien  Stadt  Ma  kleine  Garnisonen  der 

garantierenden  vier  »flehte  als  Polizei  für  die  Sicherheit  sorgen 

und  dasz  diesen  die  ungestörte  Benätzung  der  Wege  nach  und  von  Berlin 

verbürgt  sein  Doch  i*b  es  deutlich  genug,  das#  das  nicht  dag 

"IAA  a  ytMW** 

Letzte  Wort  jes**  und  dajfj  die  Russen  wohl  dazu  zu  bringen A^wflrcn,  der 

Einbeziehung  Ost-Berlins  in  diess  jfreie  Stadt  zuzustimmen. 

ihren  Anträgen  an  den  Westen  fcnben  jedoch,  die  Hussen  seif  -e4*&£}46 
±k  Mira  nicht  viel  Glück.  Aue  den  bolcaniyUia^pay^e3.ogi sehen  Dedin&u>i- 

gep  deb  Hallen- Krieges  c  wü.hot  die  üefaln  trm&m  &Tti&ämm$  Bas 

ISO*. 


Bedürfnis,  den  Gegner  zu  demütigen,  kann  u. R  jVuias tf&Klt»  stärker 

als  das  Verständnis  für  den  eigenen  Vorteil.  Ein  **&e  einflu^ 
reicher  Amerikaner  hatte  schon  vorher  an  Berlin  als  freie  Stadt  gedacht, 
abe  r  seinen  Plan  halfen  offenbar  die  Hussen  geschadet.  Wie  die  spätere 
Diskussion  bewies,  war  vom  Standpunkt  der  U.S.A.*Interessen  schwerlich  einAfcu 
stichhaltiges  Gegenargument  zu  finden  gewesen.  Auch  wuszte  Niemand  zu 
sagen,  warum  denn  diese  Lösung  den  Berlinerry\mi&fallen  sollte.  Sie  /M*  ZJ>\ 
brauchen  ja  Frieden  und  Freiheit.  Abe,  die  Tanks  in  ihren  Strafen 
bedeuten  ihnen  wohl  ebensowenig  Frieden  wie  die  unablässige  militari- 
■  ■■  er,  >tnmm  ihrer  '3tadt  durch  vier  frende  Machte  die  Freiheit  ist. 


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2 1; 


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flikt stoff  los.  Austen  wären  ihre 
Gegner  Aes  schwerwiegenden.  Arguments  beraubt.  «4  B  r  Kommunismus  könnte  in  W 
seinem  Ringen  um  die  Sympathie  der  Veit  den  Imperialismus  des  Westens  ohne 


Obzwar  die  Sowjetunion  bio  jetat^*^.  A&wafefo 

»wiesen  hat,  steht  eifdurchaus  nichtfest,  dasi  de£ 
va"re.  I«.  I*me*&  wäre  sie  einen 


in  einem  Lande  wie  Ungarn,  vorausgese 


.-rimung 

etzt,  äs.(3  sie  von  wirklich  !Jeui!alen 


^sU.  ausfallt  ^W^f^^^ 


1 1  ^yv'UALcfö+M*. 


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a    drtA  \&v>tvL>*>.  ■b^frsU*  ^/»r/^rK  LU^J^y  *Uf)o>Ct  u^/ttMjtA  iAuu^/  ^SlxA-  &  >  kj^^^/fa  , 

jC^M^t  n  jjLiUj  ^UuA  j/L+D*  5  ^  U/Sy^rvyj.  ^V^rtf/Äv^j| 


fr/^Ujp  &  %         tA~c^M*.  *JZj£U**,  ^M^Jj^  ^  O***^  j-  >Ux  r)lw-J,  Ii».  ^hiÄ 


x*+ul  ov-C.  cLihu  fik  yU  t**-fC-Z4  *W  ■ 
d  '  (  *ft 

Si  Jl^Ast        fry*  ^^^^^^^    j^^t  *Ufi  M*« 

f  Unt  &Vi*yU*r*  ^'^^CiZe^/  J^^ric^%c4'^e  ^  -^W^*«  /  %y^t>^*^  ^ jt^T^''  ^ 


A*,—  Aj .  yS^yß 


«+.    U°Mj>m  V***ty£f    H  ^*w^  A^ivw  *~^ZAaj^  .         S^ytfi^f^^  j<4M       k^cy^f.  X 


Las*. 


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OxAajUA*      (nr>   <x£-cA  T^t  s»ScJtA  /+~*«A-ii,  /ILq-^+m     äs  >Cr^-cK  . 


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«Co/yiA*.  'VW  w,  ^  C^t*«« 


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1 


x  Vits  ry<JjL. ,  /<^t^Zp^  ^  9k'  ,  ^rif^A  yJ.       knCu^Lc^/  9yb4  i^üuj^ 

^yrCAtA.  T^My*  Jtf^LjkcAM,  JA  •''Zivi  vudsA.  asvf  J^jJlTLjLS*^*^  l^i  „  ^'^lvia.  JW-yZiAAf  ntv-fiju. 

'    ".j^H^  ^  ^H^tiLj    ^^yj^t    DoL^Aüf*  Iii   YJC*+&**4L*  IZa^*I  ■ 


<Uf.  JOviA4-  Jh^UJ^  iLj^A^U^^^  >^  ^  bietst  ^4  i^y^^^/^^^^ 


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XL. 


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6  (^TjM^S^X^ftnM 


III 


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4i*s*iMx,  K?x  J*<i«Ch  'f/^^t'L,  VvAsUj^I,  evfa^ßt»  ■ 

/Ka^rJSlf^   ?*s4>^*0&3  «  Jj^y^-^Or  -*^(>of  «^/fr-tV^-,  V-»W^.  .   i/t-V*  C4oiXA4^JL\^tvdU 

sis^+U^J/^tuu,              /^u.  ^v<Ai^«^*-  ^U^C^C^/  o*A*ölr^*~*-  *  ^  *  v^i^ 

t^4j^L  •<^A  Jjui  A^^c^kjU  <A  i/W^X*,^  ~lcA%) -*cJf~ ,  jftjLtn  AIq,^   JU^^^i^u^Uu,  fäU^w*. 

VV1  /vy1< 

^y(jL,  y^^/u^Cj^  ^r^Ji^UA^eJ^  iZ*A.  >(jk  *°  v<«^»  ^^M^cJ^  w»/  ^^^^  —  ^^^^^^ 


^r*         JctXl**  /(^MXA^  -^*^k4s^/t  /^W^^  VtfU^LoMu.  ^Ivl  (DlM^.  $U4t\ 

-»t^r»t^L^,'>t^v6  J\s*s>yJ^A  Iaa.  j^\n  L^vXät,  &*^4r  iU.  >uttA  h^4* shomUvvo  ->tUÄ 

'h^gyt^  .   ^xr*^  J^ja^  x/Ls*-  fyk£ht  <^  4*+  <2^v*^ 

axoa^  i  -U  Jfu>~MxA  4  WynW^  ******  .  JLä  lüuw»  fc>fau/xl  r  foiA** ,  iA  'Cy^u 

I  *(lu*X  Mll^.  MU-luy; 

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Stfi^^+v**  *^t^d*  (J^^Ma 


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W-lA*~7*  t^od/f  tfc'J^i  -o^t/  ^Aji^n.  £<nu^  ^Ji^*a^>e*>  JU&AOtctj. 


tfut  I     (I        II  -         U^ri^^  o^AX,^  hux^  > 


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*  ^v^m,  i^js-K»,         ^ ^^y«  *  ^W^y  t«£*no4b£+^  4^,yt  i^dd^</L<~~ 4n*. 

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>m  i~ty,t  h  ^y*  £»jt»U.4ju«{   lA^jyiZu,    ifc^)Jf?sco^  o>U ^McAA,  ^t^<  >UUf  ^JUnZ<^ 
\*UÄ**  /t+*Jt*,  '\riu~f  4^Uj^  r*r*  My+s~  ^jj^y 


^^j^ ^ifhU  //W^  ^  *  *  Hwk/  /aM^AÄ*^ 

^^Zw  ^vOi^U  <ufV^ßA+  sü  ^tstfd  j/ux--  ?0J^  BtT^st,  <4t         —  ^  "^W. 

/w^  /vr*  vtWW;   ^-  J^^tj^  /y^L^ti^  ^^U£i-.  fivj^A  yU,  H^jAUl  ^  « 


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Co  IrMjZ-s    ^Mt  vr*  c-v^m,  yi}^/bw4(^  T^ä^'tth-^kj  ^rOlS^^tAe^*>  ^V^tV)^»  i^\t4^\Ayi^^ 


5) 


IxjJ^  TZMsiM         h^d        A.         AyleA^o  . 

/i.^Xi .  ^  ?<^u^jtsi»  lAJi^t« y*~»u+*  ^Mi^it  l^o^ii^ji 


SB 


■»^fc  —  ä  J 


CU^^^^^A^^^^.  kj^U^^  ^p^u,  ^^(U^U. 


-Vit 


In  girier  Veit,  in  der  da 5  Re ch t r  St? r k efe?t\/dur: h  Vo^fiuirt  und 

■ereinkunft       -soiPii^oi  Maor-g  eingeschränkt.  wÄre^  könnten  Menschen  und  3 

i  •  a 

$ivV  Wlker  schon  bedeutend  freier  atmen.  Doch  sind  brutale  Eingriffe  in 

jj    4  (^gg^jg^P**»*-  LU££**  ?£*Jou*t  A.J+rJ  (  j| 

Leben  und  Arbeit  der  .'Nationen  aucrYan  iJcn  wichtiges  Meerengen  möglich  " 


1  I 


1  auz  neueren  Erfahrungen  genflgend  bekannt.  Solange  internationale 
Ziehungen  normal  bleiben,  ist  die  Durchfahrt  ftinf'sr^  Aber  sehen  ' 
>3  "Öi-  bioj;  .  Möglx:-:Jceit,  einen  aieser  nahezu  unersetzlichen  Seevege^mÄ. 


■1)  ^ 


sr  qj 


Schiffahrt  eiAetr  bestimmte^  Volkejf  zu  sperren,  kann  zu  einem  <fl»flh 
jN>  li;!r.^H  Druckmittel  werden  und  verhängnisvolle  Spannungen  oder  pgLjraai 
Kriege  nach  sich  ziehen.  In  einer  von  lauernden  Gefahren  und  insbeson- 
dere von  gegenseitige!  Erbitterung  zu  befreienden  Familie  der  Nationen 


vi  re  daher  die  Kontrolle  <£q  "  bettettfeaada&aaa  Meeren*,  en  durch  Ubergabe 
snlflfö  zu  international i sieren .  --»• 


.J^U&VU^^  >»W^^^i  *XÄ<AjÄ^r>U^  /^W*  ✓  .^y,^  <tA  ^  1^*U<iMy^ 


^f**^: 


ffcbj*  f    (p  CD     •       /©  /  ' 


£  ^^^^^ 


jj^  *jls<*J$l>  fay*        jJ^jLfi  Ji/jJ  -v^isiy-  *&Lßj^  ^j*AM  ■ 

4:  -  «>5        ca^.  ^,  jXoom,  ^r&^  X^f^UA  nwUtJU^  n^^UJAc, 


i 


'VTA. 


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aX^/C^   i/^^j^lM  ^ürfi/Ä^a  *+^h/t£  \AA*A^vJbtf^*  j^tX%iy^ 


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****  fjt^kiL. 

Vo\  <u«  /W^<  i^jA-  (7l^<Ans^  ^<U^^j-  &ytwah*,  L/{  ^  ~7z^A~uAr^  ^ 

J*.  fUl'^A'rtxA^  l  /»^^fJi  ^*^U4~ pL/j^M'  ^4-  ajnl/  ibi  ViM^z%r  1^  'i^^AjMlj^ 


I 


.-f-  s£y<i#<  (U<^ti/  ^tjj^  #i ^  J&*>^ri 


Au 


9 


90, 

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i^t  Xj-^ytX  ■%^1-'^^c4M-  ^^K^^£^3  i^^p^^a^ .  Jff-r^i  0*  y<A^J^  tbn.  li^AT^yti.         ^/ >lA^£ 


lim*  ^rtr^y,  &Sy<4 


~$r¥z  itru  i^H,  >Ci^  S  Ii  «^m*,  <Xoy*>jj^  ^^js^^J-  (J]*Y*^<j^  yMP^^Jte«A/t  ■*jl*£cAJj+  \  ÖAjj^  >*^»- 


jyt^Ji^l  AMa*,  ^yj-  tu.  vi^  -z^yu^f  f*U\t4  tU  <~*<\  aX^LJU-^  l£vL.jr  - 


^IA^^m-  %^UM  U^^^CU.  A^Ui^  yfe,/  H  juJ^QUu^, 
<z**  Zju  ~.  ^<AjuAi**^  (ficu^,  t^UU  i/k^y^  y^^t-  lAo 


I 


y^u^c^  » A£f  ^,  it*      ^ ^<^ux^i^zp^ y4^^\/LÄj  JuA^&wfc«.  J(^Jlflfo 


^v'fco.  ^<U^/£h/  s-yrK^k*  Jtf&  j/Lt^tf  v/?^t/K  *r?HÄ^  PaIt**  /tuntäti*? 


,  L/ty-  Utk 


fr*«}  v  j  » 

'^^A£>cXi*-//  »'*  -y^ild*^^  xM  ty/l  JÖiL J^y^jt  k-l*^ 

^  w  ■  ^       U^yZcX  d&  JLXÄA**«JL  U^t^J^jt  V*  M^no^^t^A^ 

^  Vvu-  «^^u  ^'^^fßlk^jn/^  Oj^+^>fr*p* 


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yi^/iu^  4.  t/kKAsT*s%^^fi+  fast, 


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Schvflche  und  r.bhiinbi£k.-it  haben  verschiedene  Regie nrng^n  Her  Erriehtuag 

militflrischer  Besen  in  ihren  %  h&idern  aehi-  oder  veniger  gezvungen 

n 

zugestimmt.  Nach  politischen  Änderungen  in  diesen  Ländern  und  urstarken 

ihres  Seibstbevxisztseins  vird  die  einstige  Abtretung  oft  eis  Verrat 

«.ibrcn   :     .t,  aber  das  neue  Regime  steht  einei-  ür-oszmficht  gegenflber, 

die  nicht  bereit  ist,  Aber  Recht  und  Unrecht  zu  diskutieren,  wo  es 

Wo«», 

sich  ui  hÄetTSt,  bedeutsam.«  strategische  fet^gSlttMB  handelt.  Die  Üros7- 
MCht  hfilt  diesen  Besitz  in  furchtbar  festen  htfnden  und  läszt  keinen 
Zweifel  daran  entstehen,  das?  sie  ihn  friedlich  niemals  zurückgeben 
vird.  üeö  nflber 


kleiner  Völker  und  der  Verlust  an 
angeach-^n. 

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nur  sin  Instant  tajbi  ihr  vertrotea^tSaUn  var,  ist  auch  U  Bm| i*  ' 


da,  Bestreben  nach  absoluter  Objektivität  eher  ein  ideales  Postulat  *^^M^^ 
eebliebe-.  dichter,  die,  wenn  a^iTdireKt,  von  aeotimm-tt».  g*^^!!^^^ 


;:ine  zweckmässige  Mascnaixi    geg,n  dief*  oi  -  k^Tch^^Sc^ 

M     '^T^  auszer  den  «Inf zehn  von  der  Generaivo r.^^un^d  voni 

Sicherheitsrat  eingesetzten  Richte  n  neue  Manner  /^Ä  unabhängig 

«  o.-      -i  ■  a. jj j-  nWnnntipren    di$  fCede: r  Beruf. gjurxften  nocn 
von  ihrer  Nationalltat  atosoopi-iere»,  loWpt  V  >  - 

^^feg^^ 'i^V  ^tsgeBn^te)  von  i^gi-urr  fn  be»pi^1  8«  W*- 

brauchten.  Diese  besonderen  Richter  Mszten  so  hohen  Vertrauens 

durch  ihre  Persönlichkeit  sowie  durch  ?riedensai beit  unu  humane 

BMM  vürdi,  S -  in.  Mgeiu  ü ^.i.dou^^l^l^^ * ^ M^^^\ 
.  ^^^^ 

4^  j  «S^in.+oichen  Ervaitenmg  hatte  fer  Intemetion^e  Gerichtshof 


l  J"  1  ii*^^  Autorität,  die  ihm  etlichen  wflrte,  auch  Groszmfchte  m 
|  "**  1  richten J/Warua  sollte»4*e  Frage 
1  S  ^»  .,    . .       -,  .    -   -  .mv  .q 


eT.  Siechte  de?  Vest — uuiä-  doo  Ostblock.-.  -Hj»^ 


?    "1    i  "V>^  *  •       "  J  -<       •!  ~Ann\,  Ammxm  bandele,  die  für  alle  ff 

Bewohner \r  SM«  vichtigsten  und  dringendsten  Anöel ■  t,eni  eiien  diesen 
^JL^Gericht  m  Abgeben  und  bei  d  n  streitcnu  -n  Parteien  zu  erreichen, 
^    5  4^^d£S7  si,  das  ürte^im  voraus  annehncn.  Die  beantragte  Reform  vi!  -  nicht  ^ 
P   4ft^°fort  durch.utmre^Nondern  e-stjin  eine,  einigeitaasren  normaii  sie -ten 
p  4  i  <  1 2.e^#^P^ch  in  s^r  gegenwärtigen  Zusagen s-  tzung  Anspach 


EBIHBII 


Es  liegt  iai^V/esen  des  Souverdnitätsbegrif fes,  dasz  jeder  Staat 

in  allen  Fragen  der  Beklagte  oder  der  Kläger  und  zugleich  der  oberste 

n 

richter  sein  kann,  ohne  einenübergeordneten,  Äienisndem  verantwortlich. 
Sein  Handeln  wird  nur  durch  da3  eigene  Gesetz  bestimmt,  das  er  jederzeit 
auch  ändern  kann.  Diese  unbegrenzte  Macht  besteht  allerdings  nur  theo- 
retlsch.  Denn  goba±d  dieser  oberste  Herr  /fuf  einen  andern  lierm  stöszt, 
der  ebenfalls  der  oberste  ist,  ort  er-  gar  auf  mehrere,  ist  d££Konflikt^u-££»  ^ 
gegeben,  in  de/^von  alte:  che <   praktische  Fakeoren  zu  entscheiden 
pflegten,  blutig»  Jdur  unblutig.  Für  die  Beziehungen  zwischen  den 
Staaten  bildet  u'ie  Souveränität  /€3E  ä  unerschöpfliche  Quelle  von 
Gefahren.  Sie  steht  z.  B.  zur  Verbindlichkeit  von  Verträgen  i^Wiaer- 
Spruch,  da  jede  Regierung  auch  die  von  ihr  selbst  unterzeichneten 
Verträge  aufheben 'kann,  sobald  sie  an  ihnen  nicht  mehr  interessiert  ist. 

Die  Souveränität  hat  bisher  zwar  noch  keine  theoretische,  aber 
zviijsfr  bedeutende  praktische*  Ein  schrflnkungen  erfahren.  Die  eine  ergibt  £ 
sich  schon  aus  der  bloszen  Existenz  cor  UNO  und  in  einem  gpwipjfn 
s  ihre    Praxis/  Die  encere  Institution,  die  für  die 


-  Mae-^e  auch  au 
Selbstherrlichkeit  de 


r  Staaten  eine  wohltuende  Begrenzung  bedeutet, 
ist  der  Hasger  Gerichtshof,  Das  noch  Devorstehende  Werk  des  erforder- 
liehen  Ausbaues  Beider,  der  SftMq oa-Organ i sa t ion/  und  ihres  Gerichtes, 
könnte  ier  ganzen  Menschheit/ Segen  bringen,  wenn  in  diesem  Ausbau  , 
niclrt  Egoismus  entschiede,  sondern  wirkliche  Humanität,  ^^'j^  ^^^^^p^^^^x^ 
Jak*  fli  e  ordentlichen  Gerichtshöfe,  die  innerhalb  jedes  .Hechts-  fu££h 

Unabhängigkeit ''von    ^>  ,  ll.       ,  9*tf}j\ 
den  ei6  neu  Regierungen,  und  ditf&^TS  Prinzip  iatVin  noch  höhjfem  ^^^^  0^/^ 


Masze  den  Internationalen  Gerichtshof  verbärgt.  Aber  so  wiWüNO  bisher 


dhjfl 

den: 


Ja^U-  {Jh*jjl  ftyhsM  p^^i  k*l»*.<*  A**n£  fU^U^  aX^yM^u  ZlUA  -U* 


<0>t-v 


(/U-^JU**  Ihvi^K+Ji  juMAAjtß^*.  J^JU^^rufif  asvu.  ien. 


~~     1         —  0  f 

^  tieft  y/J^y^lJj^/  JX*Mj*A**     A'a/CuJfvüt  ■  * 


Leu  ^  v*M*U>t»>  ^  *V^/A  ^  ^  ^««ä^y^ 


vJ*Lt,,  M^X,  UM,        Ä  ^'^^t^'  ^'  ^ 

....  W.^Uvf.  <k  2^Ä^-S<£  iW 


(^'y^^  *j*g*t*£  ^  <A  ^  ^^A>*  <^l^  jjl  vUk 


(.)  2>i  Ä«ü^  Ar.  ^tJ^ft-  th^^k  U-jUy  *>jU*~..  h*^ 


j^T"]!!^  fc-/**  -v^u  ^«a»  AJL&jk<4.  \  -uy&'u  Uyv^rf  j^4r**b-  * ^t!) 


^JLy^Jf-(A.    '6^**,   &4  j^Ay^H/^   'hXr^C***,  Ov^(jt^-^  //ÜL^h/  ff><i*A    l*^i^C^/  C^t^J^^ 


fe&y   ^l^Uj^'    I/OK*    VI    MV    '<A^U^f°^^  >4vtA    lAs£fJ  0^£jb  <l/Mb . 


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